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2·2012


 

Kulte – Sekten
Unter BW 200

 

Rattenfänger von Hameln,
Kopie einer Glasmalerei in der Marktkirche zu Hameln
(Reisechronik des Augustin von Moersperg 1592, Aquarell)


 

Kampfbegriff Sekte – politisch unkorrekt.

Das Wort Sekte (lat. secta) bedeutet "Partei" oder "Schule". Es geht wahrscheinlich nicht auf das lateinische Verb "secare" (abschneiden) zurück, sondern auf "sequi" (folgen). Es handelt sich weniger um eine Abspaltung als um eine Gefolgschaft.

 

Die nicht-christliche Antike bezeichnete philosophische oder religiöse Gruppierungen wertfrei und neutral als Sekten. Die ersten Christen wurden in dieser Tradition als „Sekte der Nazarener“, eine Richtung des Judentums, bezeichnet.

 

Sekte wird in den meist meisten Fällen als Kampfbegriff gebraucht. Die begriffliche Nähe zu 'extrem agierenden dissidierenden religiösen, ideologischen, psychologischen, medizinisch-therapeutischen oder politischen Gruppierungen' kann im landläufigen Verständnis des Begriffs „Sekte“ zu einer einseitigen Diffamierung Andersdenkender führen.

 

In "Meyers Enzyklopädisches Lexikon'' stand 1977 zu lesen:

  • Mit dem Wort „Sekte“ wird heute weitgehend die Vorstellung von etwas Abartigem, Gefährlichem, Widersetzlichem signalisiert.

 

Im Münchner Rechtslexikon steht zu lesen:

  • Der Begriff „Sekte“ ist in staatsrechtlicher Hinsicht unangemessen, da er eine negative theologische Beurteilung enthält.

 

Die früher als "Sekten" bezeichneten organisierten Gruppierungen werden heute meist neutraler als „Neue religiöse Bewegungen“, „dissidierende religiöse Gruppen“ oder „Alternativreligionen“ bezeichnet. Kleinere, nicht bzw. marginal organisierte spirituelle Gruppierungen und Einzelpersonen nennt man auch „Anbieter auf dem Lebenshilfemarkt“. Bei der vom Mainstream unbemerkten, da nicht organisierten Bewegung der Kulturell Kreativen und Menschen im Milieu der Esoterik, die sich im Rahmen der “freien Spiritualität“ bewegen, greift die Zuordnung "Sekte" gar nicht mehr.

Verzicht auf den Begriff Sekte staatlicherseits

Der Kampfbegriff Sekte ist nicht mehr 'politisch korrekt'.
Die 1996 im Auftrag des deutschen Bundestages eingesetzte Enquête-Kommission für 'Sogenannte Sekten und Psychogruppen verzichtet mit folgender Begründung auf die Benutzung des Begriffs Sekte:

"Wie häufig der Begriff 'Sekte' auch umgangssprachlich verwendet werden mag, ist er doch sachlich unzutreffend und irreführend. […]
Er kommt von lateinischen sequi → folgen, und ist die Übersetzung von griechischen hairesis → Wahl, Gefolgschaft. Mit ihm wurden in der Antike zunächst diejenigen bezeichnet, die einem bestimmten Philosophen in seinen Anschauungen folgten. In der Geschichte des Christentums wurden damit die Gruppen bezeichnet, die außerhalb der allgemeinen Kirche einem bestimmten Glaubensführer und für abweichend erklärten Glaubenslehren oder Praktiken anhingen. Im Mittelalter (vgl. z. B. die Konstitution Ad Deus des Kaisers Friedrich II. von 1220) wurde das 'widerspenstige Anhängen' an eine 'Sekte' in Acht getan und mit dem Tode bestraft (vergleiche z. B. die Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507, Artikel 30). Dadurch wurde aus einem religiösen Abweichen ein kriminelles Delikt, wie der protestantische Theologe Paul Tillich schrieb: 'Wer gegen das kanonisierte Dogma verstößt, (ist) nicht nur ein Häretiker, der den Grundlehren der Kirche widerspricht, sondern auch ein Verbrecher gegen den Staat.' […]

Mit der Erklärung der Religionsfreiheit in den europäischen Staaten wurden solche Auffassungen und Einrichtungen abgeschafft. Das deutsche Grundgesetz kennt nur -Religionen, -Religionsgesellschaften, -Religionsgemeinschaften.

Staatsrechtlich gibt es in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen Kirche und anderen religiösen Organisationsformen. Da außerdem der Begriff der 'Sekte' kaum von allem ihm durch die kirchliche Verlästerung angehängtem Beigeschmack, wie Max Weber forderte, gelöst werden kann, ist er äußerst fragwürdig geworden."

Quelle: Sekte, Wikipedia

Zitate zum Thema Kulte und Kultführer / Cults and Cult Leaders

Zitate von D. Hawkins

Zitate (engl.) von D. Hawkins

  • The true teachers can be seen to have no interest in fame or in having followers, prestige or trappings. […] The teachings and not the teacher are what is important. Inasmuch as the teachings do not come from the personage of the teacher at all, it does not make sense to idolize or worship the personage. The information is transmitted as a gift because it was received as such. Source unknown

 

  • Many 'spiritual' teachings which are expressed in form frequently lead to what is best termed as 'astral' realms of consciousness which in themselves can be seductive, unending, and pleasurable, but they do no lead to enlightenment. Form reinforces the illusion that there is a seeker on some sort of pathway with rungs and signposts and even 'spirit guides' positioned along the way. On the spiritual climb to the peak of Enlightenment, there actually are no entities to meet you along the way. Eye of the I, chapter 9, S. 129

 

  • Question: Where does one begin the search for spiritual truth self-realization called enlightenment?
    Answer: It is simple. Being with who and what you are. All truth is found within. Use verified teachings as a guide. Eye of the I, S. 175

 

  • The direct path is through consciousness itself. […] When you sit down to meditate, you notice that the mind is constantly racing and running around and a lot of teachings try to teach you have to control it. You can't control it. You don't have any control over the mind. The mind exists of its own nature and it just runs about and does its own thing, just like the body does. There's no point to try to control it. Sedona Seminar Causality: The Ego’s Foundation. Enlightenment and Surrender, January 2002

 

  • Secrets is the other sign [for controlling cults]. Truth has no secrets. That which claims a secret, avoid! God has no secrets. […] All is revealed! The only reason for a secret is to have control over you. I'll get something out of you in return for the secret, which makes you special. The attraction is one of specialness. […] All these things are OK on the way. The only trouble is their power of seduction is quite intense. […] Don't underrate the expertise of that which would mislead you. […] It sounds like the convincingly real. Sedona Seminar Realization of the Self: Final Moments, DVD disc 1 of 3, minute 1:39, December 2002

 

  • Question: How do you choose a true spiritual practice to follow?
    Answer: Look for these things in a practice:
    • Non-linear. Same throughout the ages.
    • If it sounds weird, it probably is.
    • It seeks nothing for itself.
    • It doesn't want to change, control, enroll.
    • It is not a pyramid system, or a multi level marketing.
    • People are free to come and go.
    • The teacher is only a teacher, not some glamorized master.
    • It avoids spiritual trappings.
    • It does not portray real opinions on outside issues.
    • There is nothing to sign up, no membership.
    • It has no interest in special clothing, food, your family, your sex life.
    • It does not insist on specific spiritual exercises.
    • It does not insist on exercises or breathing patterns to lead to altered states.
    • It has no doctrines.
    • There is no partiality.
    • There is no specialness.
      Sedona Seminar Identification and Illusion, 14. August 2004

 

  • Do not become attached to the teacher. Look rather at how to apply the teachings to your life. Sedona Satsang Q&A, 10. May 2006

Zitate von anderen Quellen – Kultstrukturen

Hansjörg Hemminger definiert Sekte:

  • Von einer Sekte kann man jedoch erst sprechen, wenn eine Gruppe eine geschlossene soziale Struktur aufweist. Sektierertum ist ein soziales Phänomen, nicht eine Eigenschaft von Individuen – obwohl es eine sektiererische Mentalität bei Einzelpersonen gibt. Ohne soziale Organisationsform wird die sektiererische Mentalität jedoch zur Enge, Rechthaberei und Verbissenheit – die es nicht nur bei Sekten gibt. Sozial organisiert und als Gruppennorm führen diese Eigenschaften jedoch zu den sozialwissenschaftlichen "Sektenmerkmalen:

 

  • Monopolanspruch auf die Wahrheit gegenüber anderen Gemeinschaften der gleichen Tradition
  • Monopolanspruch auf Rettung, Erlösung oder Heil
  • Größenideen, irreale Machbarkeitsvorstellungen und überwertige Ideen
  • Schwarz-Weißstruktur des Denkens
  • Starre Geschlossenheit nach außen hin, ungewöhnliche Gruppenkohäsion
  • Unterschied zwischen "innerer Wahrheit" und Außendarstellung (doppelte Wahrheit)
  • Totalitäre Innenstruktur der Gruppe mit "steiler" Hierarchie
  • Starker Zugriff der Führung auf die Gestaltung des Alltags bei den Anhängern
  • Personenkult um die Zentralgestalt der Gruppe
  • Innere Überwachungs- oder Spitzelsysteme, geheimdienstähnliche Methoden
  • Starkes Elite- und Sendungsbewusstsein der Gruppe, Selbstidealisierung und Dämonisierung anderer
  • Finanzielle, berufliche und familiäre Abhängigkeit der Anhänger von der Gruppe bzw. der Führung

 

Gruppen, die mehrere oder viele dieser Merkmale aufweisen, gelten heute umgangssprachlich als Sekten.

 

Quelle: Was ist eine Sekte, Ausarbeitung von Hansjörg Hemminger, Gemeindedienst.de

  • Glaubt nicht an das, was ihr gehört habt; glaubt nicht an Traditionen, nur weil sie über viele Generationen hinweg überliefert worden sind;
    glaubt nichts, weil es als Gerücht kursiert oder weil viele darüber sprechen;
    glaubt nichts nur deshalb, weil es angeblich durch irgendeine schriftliche Äußerung eines alten Weisen bestätigt wird;
    glaubt nicht an Mutmaßungen;
    glaubt nicht nur an die Autorität eurer Lehrer und Ältesten.
    Wenn eure eigenen Beobachtungen und eure Analyse mit den logischen Erwägungen des Verstandes übereinstimmen und das Geprüfte das Wohl aller fördert, erst dann akzeptiert es und lebt dem entsprechend. Buddha

 

  • Glaubt den Büchern nicht, glaubt den Lehrern nicht, glaubt auch mir nicht. Glaubt nur das, was ihr selbst sorgfältig geprüft und als  euch selbst und anderen zum Wohle dienend erkannt habt. Gautama Buddha

 

  • Grundsätzlich empfehle ich buddhistischen Praktikern, nicht jede Handlung und Entscheidung ihres spirituellen Lehrers als göttlich und nobel anzusehen. In allen buddhistischen Lehren gibt es klar definierte Vorgaben und einen eindeutigen Verhaltenskodex, an den sich ein  spirituellen Mentor halten muss. Wenn man als spiritueller Lehrer falsche Handlungen begeht und sich in nicht angemessener Weise verhält, ist der Student oder Schüler berechtigt, dieses Verhalten zu hinterfragen und zu kritisieren. H.H., der 14. Dalai Lama

 

  • Der Guru, der geistige Lehrer, ist für sein oder ihr falsches Benehmen verantwortlich. Es liegt in der Verantwortung des Schülers, sich nicht in die fehlerhaften Handlungen, die der Lehrer begeht, mit hineinziehen zu lassen. Denn letztlich werden beide dafür schuldig gesprochen. In den meisten Fällen ist der Schüler zu obrigkeitshörig und zu gehorsam, weil er sich dem spirituellen Lehrer auf unangemessene Weise hingegeben hat.
    Es ist nicht richtig, die Führung durch eine andere Person blind zu akzeptieren. In allen Fällen beschädigt und verdirbt eine solche Haltung die Integrität des Schülers. Teil der Schuld liegt am spirituellen Meister, wenn es ihm selbst an Integrität mangelt, um gegenüber dieser Schwäche des Schülers immun zu sein. H.H., der 14. Dalai Lama

 

  • Niemand tritt einer Sekte bei. Menschen schließen sich Interessengruppen an, die versprechen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Philip G. Zimbardo (* 1933) US-amerikanischer Professor Emeritus für Psychologie an der Stanford University

 

  • Ein guter Meister mag tatsächlich vollkommen erleuchtet und seines göttlichen Wesens gewahr sein, doch ist er außerdem auch menschlich. Selbst von Christus heißt es, er sei ein Mensch (Jesus) mit zwei Naturen gewesen: einer menschlichen und einer göttlichen. Außerdem bedeutet die Tatsache, dass die Seele und der höhere Geist eines Guru einer strengen Schulung unterzogen wurde, nicht, dass auch sein Körper und sein gewöhnlicher Geist vollkommen ausgebildet sind. [...] Der vollkommene Meister kann erst dann Perfektion im weltlichen Sinne manifestieren, wenn die Menschheit als Ganzes, in der er verwurzelt ist – ja, im Grunde, wenn jegliche Manifestation – sich zu ihrem eigenen höchsten und vollkommenen Zustand empor entwickelt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt bezieht sich seine Vollkommenheit nur auf das transzendentale Bewusstsein, nicht auf die konkrete Manifestation. Deshalb sollte man sich vor einem im Konkreten "vollkommenen Meister" tunlichst hüten. Ken Wilber, Meister, Gurus, Menschenfänger. Über die Integrität spiritueller Wege, Frankfurt, Verlag Krüger, 1995

 

  • Im Zentrum der traditionellen Guru-SchülerIn-Beziehung liegt die Hingabe, die in unterschiedlichem Maße Teil jeder autoritären Struktur ist. Im Idealfall unterwerfen sich die SchülerInnen vollkommen dem Willen des Gurus. Das versetzt Gurus in Lage, extrem autoritäre Macht über ihre Gefolgschaft auszuüben. Joel Kramer und Diana Alstad, The Guru Papers, S. 92, Verlag Zweitausendeins [original: Frog, Ltd. North Atlantic Books, 1993]

Zitate (engl.) von anderen Quellen – Kultstrukturen  

  • The reality of the present condition of contemporary spirituality in the West is one of grave distortion, confusion, fraud, and a fundamental lack of education. Mariana Caplan, Halfway Up the Mountain. The Error of Premature Claims to Enlightenment, Hohm Press, Juni 1999

 

  • Years ago, when we first became interested in gurus and Eastern concepts such as enlightenment, it initially seemed an oddity that all these supposedly enlightened beings did not seek out each other’s company. With each other they presumably could find deep and real understanding, and respite from always having to deal with minds at a lower level. But since disciples view their guru as a vehicle for their own salvation, they must believe that he can do the best for them. Consequently, the meeting of gurus, when it occurs (it rarely does), is always laden with heavy meaning, as the disciples watch very carefully to see who comes out best. Even the simplest acts (who goes to see whom) have implications of dominance. The fact is that gurus do not "hang out" together because the structure of the role makes it nigh impossible. Joel Kramer and Diana Alstad, The Guru Papers. Masks of Authoritarian Power, pg. 110, Frog, Ltd. North Atlantic Books, 1993

 

  • The ideal of enlightenment at first blush seems completely innocent of human corruption because it is defined as being totally selfless. Yet it is this sacrosanct concept of perfection that allows authoritarianism to manifest, and indeed flourish. Joel Kramer and Diana Alstad, The Guru Papers. Masks of Authoritarian Power, pg. ?, Frog, Ltd. North Atlantic Books, 1993

 

  • The need to appear right when presenting oneself as a spiritual knower is greater than in any other arena because knowing is what makes one essentially different from seekers. Admitting any fallibility not only removes one from that exalted place, but makes it difficult to compete with other presumed knowers who do claim infallibility. Joel Kramer and Diana Alstad, The Guru Papers. Masks of Authoritarian Power, pg. 47, Frog, Ltd. North Atlantic Books, 1993

 

  • Cults need a continuous stream of recruits and potential converts to reinforce the belief that they’re "where it’s at" – the vanguard of spirituality on the planet. Joel Kramer and Diana Alstad, The Guru Papers. Masks of Authoritarian Power, pg. 78, Frog, Ltd. North Atlantic Books, 1993

 

Links zum Thema Kulte und Kultführer / Cults and Cult Leaders

Literatur zum Thema

Literatur (engl.)

Externe Weblinks


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  • Wikipedia entries Cult

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