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Der Heilige Christophorus

Die Christusträger-Legende des Heiligen Christophorus
entstanden in Lykien im 5. Jahrhundert,
erweitert in Deutschland im 13. Jahrhundert

Heiliger Christophorus, 1467-1468
Maler: Dierick Bouts

Die Wandlungsreise des Offerus zu Christophorus verläuft über drei äußere Stationen, denen er auf dem Weg zur Gewahrwerdung und Verwirklichung des SELBST (Christus) dient:

  1. König als Tester / Spiegel: Ego, Scheinselbst(AUSSEN),
  2. Teufel als Versucher / Spiegel: Negativität, Sucht, Schatten(AUSSEN),
  3. Weiser als Mentor / Spiegel: Läuterung, Dienen – Übertragen(AUSSEN),
  4. Christus als reiner Spiegel: wahres SELBST(INNEN).

Nach dem stufenweisen Erkennen und Loslösen von den Wichtig- und Nichtigkeiten der Welt, des Teufels und des Todes ist er vor-bereit-et dafür, den inneren Wandlungsschritt des Wieder-Erkennens seines wahren Selbstes zu vollziehen.

Der Riese Offerus oder auch Reprobus (dem Wortsinn nach: Wiedererprobter, Verdammter) zog aus seiner Heimat Kanaan (Lykien?) aus mit der Absicht, dem größten und mächtigsten Herrn der Welt zu dienen. Zunächst wurde er Diener eines Königs, der als einflussreichster Herrscher auf der Welt galt. Als jedoch eines Tages ein fahrender Spielmann ein Lied bei Hof aufspielte und dabei mehrfach den Teufel, den Widersacher, besang, bekreuzigte sich der König jedes Mal dabei. Auf Christophorus Frage hin erklärte der König, dass er auf diese Weise verhüte, vom Teufel überwältigt zu werden.

Infolge der Furchtsamkeit des Königs verließ Offerus ihn, um sich von nun an in den Dienst des Teufels zu begeben. Er fand einen Ritter mit üblen Weggesellen, der sein nächster, wie er glaubte, mächtigster Herr wurde. Unterwegs schlug dieser einen großen Umweg ein, nur um so einem Kruzifix auszuweichen. Von Offerus zur Rede gestellt, gestand der teuflische Ritter, sich vor Christus, dem Gekreuzigten, zu fürchten. Offerus quittierte erneut seinen Dienst und verließ den Vertreter des Teufels, um sich auf die Suche nach Christus zu begeben und ihm zu dienen.

Nach langer Suche traf der Hüne einen Einsiedler, der ihm bestätigte, dass Jesus Christus der allerhöchste König sei. Offerus fragte ihn, was er tun müsse, um Jesus zu sehen.

  1. Der Eremit riet ihm zu fasten. Das jedoch erschien dem Fragenden undurchführbar.
  2. Für das Beten konnte er sich auch nicht zu erwärmen, da ihm das Sprechen schwer fiele.
  3. Reisende heil über den nahe gelegenen gefährlichen Strom, in dem schon mancher sein Leben gelassen habe, zu tragen, das erschien ihm die passende Aufgabe zu sein.

Da sein Wuchs und seine Kraft ihn für das Amt des Fährmanns ausstatteten, befolgte Offerus unverzüglich den dritten Rat des Weisen und baute sich nahe der Furt eine Hütte am Fluss.

  1. Nach vielen Jahren des Fährdienstes hörte Offerus in einer Winternacht eine Kinderstimme rufen, ohne draußen im Dunklen jemanden vorfinden zu können.
  2. Ein weiteres Mal hörte er es rufen und konnte wieder niemanden erblicken.
  3. Nach dem dritten Ruf ging er nochmals hinaus und fand schließlich einen kleinen Knaben am Ufer stehen, der ihn bat, ihn über den Fluss zu tragen.

Er setzte das Kind auf seine Schultern, ergriff seinen Stab und stieg wacker in den Fluss. Das Seltsame dabei war, dass die Last des kleinen Passagiers ihn immer schwerer drückte, je weiter er vorwärts schritt. In der Mitte des Stromes angekommen, schwoll das Wasser immer höher an, bis es ihn überschwemmte. Ihm war so, als ob der Knabe seinen Kopf unter Wasser gehalten habe.

Nur mit äußerster Anstrengung gelang es dem Riesen, das rettende Ufer zu erreichen. Dort angekommen, setzte er den Jungen ab und sprach entgeistert zu ihm:

  • Du hast mich in große Gefahr gebracht; ich dachte, die ganze Welt läge auf meinen Schultern und ich fürchtete, unter der Last ertrinken zu müssen.

Der Knabe antwortete ihm gelassen:

  • Du hast mehr als die Welt getragen, Christ-Offerus, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Du hast Christus getragen, dem du mit deiner Kraft dienst.

Er hatte dem Christus- und Erdballträger nach seiner Taufe den Namen Christophorus gegeben, der Christus als seinen Herrn anerkannte.

Sein neuer Herr, den er nun von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte, trug ihm auf, ans andere Ufer zurückzukehren.

  • Pflanze deinen Stab in den Boden neben deiner Hütte; er wird blühen und Früchte tragen als Zeichen und Bestätigung deiner Taufe.

Als Christophorus eines Morgens erwachte, sah er, dass ein Palmbaum mit Früchten aus seinem Stab gewachsen war. Der Genuss dieser Früchte soll ihm die Gabe des Redens (Verkündigung des Evangeliums) und Wunder wirkenden Betens übertragen haben.

CHRISTOPHORUS

Marterldarstellung der vierzehn Nothelfer

Die vierzehn Nothelfer
Hl. Achatius (20. Juni): gegen Todesangst und Zweifel
Hl. Ägidius (1. September): zur Ablegung einer guten Beichte
Hl. Barbara (4. Dezember): Patronin der Sterbenden
Hl. Blasius (3. Februar): gegen Halsleiden
Hl. Christophorus (24. Juli): gegen jähen Tod
Hl. Cyriacus (8. August): gegen Anfechtung in der Todesstunde
Hl. Dionysius (9. Oktober): gegen Kopfschmerzen
Hl. Erasmus (2. Juni): gegen Leibschmerzen
Hl. Eustachius (20. September): in allen schwierigen Lebenlagen
Hl. Georg (23. April): gegen Seuchen der Haustiere
Hl. Katharina (25. November): gegen Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten
Hl. Margareta ( 20. Juli): Hilfe bei der Geburt
Hl. Pantaleon (27. Juli): Patron der Ärzte
Hl. Vitus (15. Juni): gegen Epilepsie und Geisteskrankheiten

Der Märtyrer Christophoros ist wohl der volkstümlichste Heilige des Morgen- und Abendlandes, dessen amtskirchliche Anerkennung aufgehoben wurde, da seine historische Existenz nicht schlüssig zu klären ist. Er ist einer der vierzehn Nothelfer geblieben, dessen Gedenktag am 24. Juli gefeiert wird. Er hieß ursprünglich Reprobus, der Verdammte, und wurde dem Wunderstamm der hünenhaften menschenfressenden Kynekephalen (Hundsköpfiger) zugerechnet. Vor der Stadt Samos in Lykien empfing er eine wundersame die Taufe, wobei er seinen neuen Namen erhielt und durch Gottes Gnade der menschlichen Sprache (Aktivierung des fünften Chakras) befähigt wurde. Als Missionar wirkte er Wunder und bekehrte viele Menschen.

Als Missionar wurde er festgenommen und in den Kerker geworfen.

  1. Der König von Lykien beauftragte zwei Dirnen, ihn zu verführen und vom Glauben abzubringen, die er beide bekehrte.
  2. Als nächstes befahl der König, ihn grausam zu martern, doch Christophoros blieb seinem Glauben unerschütterlich treu.
  3. Deshalb wurde er um 250 (?) in Lykien in der heutigen Türkei (?) enthauptet.

Schon 452 n. Chr. wurde dem "Christusträger" in Chalkedon eine Kirche geweiht.

Christophoros gilt als Schutzpatron des Verkehrs, der Schiffer, Flößer, Fährleute, Seeleute, Pilger, Reisenden, Kraftfahrer (Plakette), Luftschiffer, Lastenträger, Furten und Bergstraßen, Zimmerleute, Buchbinder, Färber, Hutmacher, Gärtner, Obsthändler, Äpfel, schwangeren Frauen, Kinder; er beschützt vor jähem Tod, Pest, Wassergefahren, Unwetter, Hagelschlag, Hungersnot, Widerwärtigkeiten, Wunden, Zahnweh.



Symbolische Spurenlese der
Stationen von Offerus' Heldenreise

Christophorus mit dem Kind
Maler: Hieronymus Bosch

Allgemeine Interpretation
Christophorus ist ein Sinnbild Archetyp für den animalisch getriebenen Menschen, der sich aus innerem Antrieb auf Visionssuche begibt und sich und seine Fähigkeiten in den Dienst des wahren Mächtigsten und Größten stellen möchte.

Dabei muss er lernen, den äußeren Anschein vom Wahren zu unterscheiden und die Fesseln der Triebe und Süchte abzustreifen.

Die Größe des Christophorus zeigt sich darin, dass er sich dem Kleinen und dem Unscheinbaren, gleichermaßen zuwendet.

Der Erdballträger leistet vorwiegend Beistand an den angstbesetzten Übergängen und Krisen im Leben wie Kindheit, Jugend, Erwachsenwerden, Lebensmitte, Ruhestand und Sterben, die jeweils die Chance beinhalten, dem Göttlichen zu begegnen, das nicht leicht zu erkennen ist. Die Riesengestalt des Christophorus verleiht genügend Kräfte, um der Last des Übergangs, dem 'Niedergedrücktwerden' (Depression) standzuhalten. Als Sterbepatron führt er den Transitionswilligen an der Furt (Schwelle) zum Ufer der Ewigkeit.

  1. Auszug aus der Heimat auf der Suche nach dem Ideal
    Bei der Geburt verlässt die Seele ihre geistigen Heimat, um in einem Körper und der irdischen Umwelt ein Ich-Bewusstsein auszubilden. Inneres Ahnen und Sehnen bewegt sie dazu, sich auf die Suche nach dem Größten, dem Ideal, zu machen. Offerus (engl. offer us) heißt, sich anbieten, sich zur Verfügung stellen.
  2. Diener des mächtigsten Königs
    Der mächtigste irdische König ist das Ego. Es beherrscht scheinbar die Welt und wähnt sich sicher im Glauben, sie kontrollieren zu können.
  3. Der König fürchtet den Teufel
    Der Eigenwillen des Ego kapituliert vor dem Reich des Teufels, vor der Vereinnahmung durch satanische, dämonische oder luziferische Kräfte, die in die Welt der Sucht und Gewalt führen können.
  4. Diener des Teufels
    Süchte, Zwänge, Unbeherrschtheit und Gewalt treiben den Menschen, der ihnen ausgeliefert ist, in den Abgrund, bis man dem Teufel, dem Tiufal, dem gefallenen Gottwesen begegnet und ihm durch genaues Beobachten auf die Spur kommt. Auch der Held Parzival begegnet dem Abgründigen, Bösen, Dunklen, der vom rationalen Wissen enttäuschte Dr. Faust zieht den Leibhaftigen in Gestalt des Mephistopheles an. Zu Beginn seiner Mission wird Jesus durch Satan versucht; unmittelbar nach seiner Geburt um Mitternacht begegnet Horus dem Apophis. Es gilt, die Konfrontation (Kontamination) mit dem Bösen, Dunklen, Andersgearteten, dem (kollektiven) Unbewussten zu bestehen, ohne ihm zu verfallen, indem man eine reflektierende Distanz bewahrt.
  5. Der Teufel fürchtet sich vor Christus
    Das Teuflische, Dämonische, ist innerhalb einer unwirklichen Domäne aktiv und bezwingt. Es fürchtet sich vor der Macht der Liebe. Offerus lässt den König (Tagesbewusstsein) und Teufel (Nachtbewusstsein), hinter sich. Er transzendiert diese Stationen auf seiner Queste nach einer umfassenden Ganzheit.
  6. Die Begegnung mit dem Einsiedler und sein Rat
    Der Eremit ist die zurückgezogene innere Stimme der Intuition, die zur Demut und zum Dienst des Übertragens rät.
  7. Der Menschenträger durchwatet den Fluss
    Die Hütte am Fluss symbolisiert die Nähe zur Grenze zwischen dem Diesseits und der Anderwelt. Als Fährbote und Mittler verbindet das gottergebene Ich die beiden Ufer von Wirklichkeit und Unwirklichkeit, Einheit und Dualität miteinander.
  8. Das Kind (Licht) kommt in der Winternacht
    In der Mittwinternacht (21.-24.12.), die das Licht gebiert, ist der Legende nach Christus, das Selbst, geboren. Das göttliche Kind ist ein archetypisches Symbol, das paradoxerweise keinerlei äußere Macht repräsentiert, sondern Unschuld. Es taucht auf, wenn Situationen festgefahren sind. Diese seelische Instanz kann auch in aussichtslosen Situationen inspirieren.
  9. Drei Stationen, bis der Ruf des Höchsten erhört werden kann
    Dreimal hat das Kind, die Verheißung des Künftigen, gerufen, bis Offerus es deutlich vernimmt, (in sich) aufnimmt, erkennt und seine Bitte erfüllt. Drei Schichten sind zu durchdringen, um zum Herz, dem innersten Kern, eines Menschen zu gelangen. Dreimal muss derjenige klopfen, der das Brot des Lebens empfangen möchte, damit die Seele ihm die Tür öffnet. Drei vorbereitende Stationen hat Offerus zu beschreiten:
    1. Auszug (Aufbruch – Ruf des inneren Sehnens)
    2. König (Hürde Ego)
    3. Teufel (Hürde Negativität), bis er durch Demut und Hingabe reif geworden ist für
    4. die direkte Begegnung mit Christus um/auf/in sich ('Beginnende Erlösung).
  10. Das Kind(liche) schultern und üb-ertragen
    Werdet wieder wie die Kinder und Lasst die Kinder zu mir kommen, lehrte Jesus. Das unscheinbare Kind entpuppt sich im Fluss als immer schwerer werdende Last. Der Weg zurück zur Harmlosigkeit, zur innewohnenden Unschuld entpuppt sich als schwerer Gang. Der Träger Offerus spürt das Leiden und den Schmerz der ganzen Welt auf sich und geht weiter.
  11. Vom Wasser der Emotionen überwältigt
    Der Wasserpegel des Flusses steigt an. Seine Emotionen, sinnbildlich im Wasser ausgedrückt, überschwemmen ihn. Der Hüne wird klein. Gedemütigt von der Gewalt der Natur geht er beinah zu Grunde – und übersteht die Prüfung. Sein herkömmliches Wesen löst sich im Wasser des (kollektiven) Unbewussten auf, ein erweitertes Bewusstsein, ein neuer Bezug tritt hervor.
  12. Die Wassertaufe durch Christus und das Wiedererkennen
    Als sich die Vorzeichen beim Übergang umkehrten, der Träger schwach und der Tragedürftige stark wurde, hat das Kind Offerus getauft, ihm ein Sakrament gespendet, ihn geweiht und ihm die Christuskraft übertragen als Gegengewicht zu der irdischen Last. Der ihm verliehene neue Name drückt aus, dass Christ-Offerus fortan ein Träger des Christusgeistes ist. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, ist ein Ausspruch, der dem namentlich Angesprochenen Eigenverantwortung für sein Handeln zuweist.
  13. Die Anerkennung des höchsten Königs, des Friedensfürsten
    Christophoros gehen die Augen über, und er lernt mit neuen Augen zu sehen, zu erkennen, zu re-spektieren. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich das Kind als der lang gesuchte Jesus Christus zu erkennen gibt, der auch als Bringer des Friedens, der inneren Sehnsucht des Aspiranten, bekannt ist.
  14. Der grünende Stab
    Der Stab, auf den sich Christophorus stützt, hat vielfältige symbolische Bedeutung: Zauberstab, Taktstock, das aktive Yang-Prinzip, ausgedrückt durch den erigierten Phallus, die Zahl Eins, die Quellen aller Zahlformen, das Ich. Im Tarot steht der Stab für eines der vier Elemente: das Feuer, die Spiritualität, Geistiges. Der Bischofsstab und das Szepter des Herrschers sind Nachbildungen des Hirtenstabes, der dem Oberhirten Christus zugedacht ist. Der Stab ist in der Wirbelsäule und im Stamm der Weltenesche Yggdrasil, der axis mundis (Weltachse) vorhanden. Der Leben zeugende grünende Stab spiegelt den Baum des Lebens wieder, dessen Früchte Wandlung ewiges Leben verheißt.
  15. Ausblick
    Offerus, der nach seiner Bewusstseinswandlung zu Christ-Offerus geworden ist, ist mit der Anderwelt, dem Reich des Geistes, verbunden. Er hat wieder Heimat und Geborgenheit gefunden – auf beiden Seiten des Flusses. Diesen Sinn für Zugehörigkeit kann weder der sich bedroht fühlende König (Ego) mit seinen Verführungsversuchen und Quälereien noch der Tod des Geköpften unterbinden.




Grüner Mann

Literatur


Externe Links


Interne Links

Hawkins

  • Biographie Hawkins beschreibt, wie er als 16-Jähriger die Wucht und Last des Leids der Welt empfunden hat.