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2·2012


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Erwachen

 

Die Menschen schlafen
solange sie leben.
Erst in ihrer Todesstunde
erwachen sie.

 

Anfangszeilen eines Gedichts zu 1001 Nacht (15. Nacht)


 

1.   Definitionen des Erwachens


Panorama-Sonnenaufgang, Königswalde

 

Erwachen, im Sprachgebrauch teilweise ungenau, mitunter auch großspurig, als Erleuchtung bezeichnet, ist klares Sehen, dass es kein Einzel-„Ich“ gibt, und dass es nur Einheit gibt. Dieses Sehen, Erkennen, hebt die Vorstellung der Existenz von getrennten Wesenheiten auf, denen etwas fehlt, die ein Ziel erreichen, etwas vermeiden oder erlangen können.

 

Die weit verbreitete, doch irrige Auffassung, dass Erwachen ein Ereignis bzw. eine Erfahrung ist, führte dazu, dass immer wieder Anbieter von Theorien und Methoden auftreten, um diese Erfahrung zu erlangen. Es ist allerdings nicht möglich, etwas, das bereits so ist, zu erlangen.
Ganzheit


2.   Definitionen und Vorstellungen von Erwachen

Die Autoren der interaktiven Online-Enzyklopädie Wikipedia legen dar, dass Erleuchtung durch folgende Faktoren zustande komme:

  1. ein aus eigener Kraft erlangtes Endergebnis eines Prozesses geistiger Übung und Entwicklung und somit eine Art "höchstes, spirituelles Ziel"
  2. als Vereinigung mit dem universalen Bewusstsein verstanden werde
  3. eine durch göttliche Gnade erlangte Heiligmäßigkeit sei.

 

Dieses Verständnis impliziert, dass man Erwachen per Zielvorgabe erlangen kann, ohne zu berücksichtigen, dass

  • Erwachen nicht machbar und nicht mit linearen Mitteln zu erreichen ist und dass
  • Erwachen keine Vereinigung von zwei unterschiedlichen Bewusstseinen ist. Die Vorstellung der Vereinigung von getrennten Einheiten entspringt der Ebene des dualistischen Denkens.

 

Erwachen ist, im tiefsten Kern zu erkennen, dass der Eindruck des Getrenntseins stets eine Illusion gewesen ist. Jeder Versuch, Erwachen oder Verschmelzung durch Eigenwillen und Anstrengung zu erlangen, verstärkt den Glauben, dass es ein "Ich" gibt, das dies erarbeiten könnte, und kann ein gewichtiges Hindernis für das gottgegebene Erwachen sein.

3.   Zitate zum Thema Erwachen – Erleuchtung / Awakening and Enlightenment

3.1   Zitate allgemein

  • Frage: Man hört die Aussage, dass jeder bereits "erleuchtet" sei. Wie ist das zu verstehen?
    Antwort: Es bedeutet, dass das SELBST als Grundlage und Essenz der Existenz eines Jeden  bereits anwesend und seine Entdeckung möglich ist. Die Aussage enthält allerdings eine Unmöglichkeit, weil sie fälschlicherweise ein Verständnis von Erleuchtung behauptet und weil sie außerdem die Falschheit einer Hypothese zum Ausdruck bringt. Erleuchtetsein bedeutet, die Wahrheit zu kennen. Folglich ist die Aussage, dass ein Wissendsein der Wahrheit in dem sei, der die Wahrheit nicht kennt, eine unrichtige Aussage. Was man realistischerweise darüber sagen könnte, ist, dass die endgültige Wahrheit im Inneren darauf wartet, entdeckt zu werden. fast OU, Dr. David R. Hawkins, Licht des Alls, Kapitel 20 Perspektiven, 3. Frage, S. 460

 

  • Was die Welt als DEN Seinszustand [der Erleuchtung] betrachtet, ist eine Serie von Zuständen. Dr. David R. Hawkins, Sedona Seminar Causality – The Ego's Foundation, DVD-Serie Teil 1 von 3, Minute 14:47, Januar 2002

 

  • Erleuchtung ist ein Wort, das oft gebraucht wird, um Fortschritt in der Ausübung dieser Disziplinen zu benennen, einen Durchbruch in die Ebene der Wahrnehmung hinein – bei dem ein dunkler Punkt mit Licht überflutet wird. Die indische Tradition spricht vom Öffnen des dritten Auges, wodurch man mehr und von einem neuen Standpunkt sieht. Satori, der angestrebte Zustand beim Zen, wird als «Erwachen» verstanden. Die Sufis sprechen davon, eine neues Wahrnehmungsorgan zu entwickeln.
    Berichte über die Erfahrungen Meditierender weisen darauf hin, dass eine hauptsächliche Nachwirkung konzentrativer Meditationsübungen aus einem «Öffnen» der Wahrnehmung besteht, aus einer «Deautomatisierung». Claudio Naranjo und Robert E. Ornstein, Psychologie der Meditation, S. 176 f., Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1980

 

  • Das bisherige Gefühl von einem "Ich", das die Handlungen ausführte, schien eine völlige Illusion zu sein. Das persönliche "Ich" war niemals der Handelnde gewesen – es hatte lediglich dessen Maske getragen. Alles ging weiter wie bisher, nur die Person, die zu handeln glaubte, war abwesend.
    [...] Der Sinn des menschlichen Lebens hat sich offenbart. Die unendliche Weite hat diese menschlichen Kreisläufe erschaffen, um sich selbst aus sich selbst heraus zu erfahren, wie es ansonsten nicht möglich wäre. Diese Menschlichkeit bietet der Substanz, aus der wir alle bestehen, die Möglichkeit, sich selbst zu lieben – und die Liebe des Unendlichen für sich selbst ist absolut überwältigend. Die Worte "Liebe, Glückseligkeit und Ekstase" können nur annähernd das Ausmaß der Wertschätzung des Unendlichen für sich selbst beschreiben, wie es durch diese menschlichen Kreisläufe ausgedrückt wird. Suzanne Segal, Kollision mit der Unendlichkeit. Ein Leben jenseits des persönlichen Selbst, Übersetzer Heiner Siegelmann, Rowohlt; 3. Auflage, März 2005

 

  • Eines Tages, ich [...] stand an einer Bushaltestelle, wurde mein Bewusstsein plötzlich und unvermittelt auseinander gerissen. Ich wurde in einen Zustand von extremer "Beobachtung" versetzt, ein Zustand, bei dem eine riesige Distanz zwischen dem "mir" bestand, das links hinter meinem Kopf lokalisiert war, und dem Rest von "mir" (Körper, Gedanken, Sprache,  Gefühle), der sich vor mir befand. Diese beiden "mir" waren durch eine enorme Weite von leuchtendem, vibrierendem Raum getrennt. Ich war von Angst und Schrecken erfüllt und davon überzeugt, meinen Verstand verloren zu haben. Ich hoffte und betete, dass dieser Zustand wieder verschwinden würde – doch das war nicht der Fall. Einige Monate hielt dieser Zustand vor und ist bis zum heutigen Tage in seiner inzwischen veränderten Form geblieben. Heiner Siegelmann, Eine Erleuchtungsodyssee. Kurzer Frühling, über die Erwachte Suzanne Segal, Magazin Connection, Datum unbekannt

 

  • Ich entdeckte, dass ich litt, wenn ich meinen Gedanken glaubte, dass ich jedoch nicht litt, wenn ich ihnen nicht glaubte und dass dies für jedes menschliche Wesen zutrifft. So einfach ist Freiheit. Ich habe entdeckt, dass Leiden freiwillig ist. Ich habe eine Freude in mir gefunden, die nie mehr verschwunden ist, nicht für einen einzigen Moment. Diese Freude ist in uns allen, immer. Byron Katie, Erkenntnis durch ein lebensveränderndes Erwachen aus einer 10-jährigen Depression, Februar 1986

 

  • Ohne jeden Zweifel befand ich mich nun im Großen Strom, und jede Vorstellung von Ekstase, Glückseligkeit, Liebe und Freude verblasst angesichts der außerordentlichen Einfachheit, Klarheit und Ganzheit einer solchen Existenz. Bernadette Roberts, Jenseits von Ego und Selbst

 

  • Klarheit bedeutet, wach zu werden. Die meisten Leute schlafen, ohne es zu wissen. Sie wurden schlafend geboren, sie leben schlafend, sie heiraten in den Schlaf, erziehen im Schlaf ihre Kinder und sterben im Schlaf, ohne jemals wach geworden zu sein. Niemals verstehen sie den Reiz und die Schönheit dessen, was wir „menschliches“ Leben nennen. Bekanntlich sind sich alle Mystiker – ob christlich oder nichtchristlich – in diesem Punkt einig: dass alles gut, alles in Ordnung ist. Obwohl gar nichts in Ordnung ist, ist alles gut. Ein wirklich seltsamer Widerspruch. Aber tragischerweise kommen die meisten Leute gar nicht dazu, zu erkennen, dass tatsächlich alles gut ist, denn sie schlafen. Sie haben einen Alptraum.
    Anthony de Mello SJ (1931-1987) indischer katholischer Jesuitenpriester, Psychotherapeut, geistiger Lehrer

 

  • Wach werden und aufstehen ist bekanntlich unangenehm, denn im Bett ist es warm und behaglich. Es ist wirklich lästig, aufgeweckt zu werden. Deshalb wird ein wacher Geist auch nie darauf anlegen, die Leute aufzuwecken. Anthony de Mello SJ (1931-1987) indischer katholischer Jesuitenpriester, Psychotherapeut, geistiger Lehrer

 

  • Nach der Erleuchtung ist vor der Erleuchtung. Karl Renz

 

  • Solange du glaubst, dass es andere gibt, lebst du in der Hölle. Karl Renz
    • bezogen auf: Die anderen sind die Hölle. Jean Paul Sartre

3.2   Zitate (engl.) allgemein

  • Translucent people […] have access to their deepest nature as peaceful, limitless, free, unchanging, and at the same time they remain fully involved in the events of their personal lives. […] They play vigorously in their relationships with others, their work, their creativity, and their political and environmental causes, but they play to play more than to win. […] They generally don't follow one particular teacher, teaching, or group, although many have in their past. […] They generally don't identify themselves as “enlightened” or as having attained anything, and they are also not trying to become enlightened. […] The word translucent refers to the degree of embodiment of a realization, not to what has been realized. Hence it is a relative term, like interesting, inspiring, boring, or idiotic. Interview with Arjuna Ardagh, Getting Clear About Enlightenment. Not Just a Book Review of Arjuna Ardagh's. The Translucent Revolution, magazine WIE (engl.), Tom Huston, issue 31, 2005

 

  • As recently as the 1980s, the awakening shifts […] were quite rare. Today such experiences of 'poking through' the fabric of our normal trance state of desire, fear, and self-preoccupation are becoming increasingly common, especially during the last decade of the twentieth century. Arjuna Ardagh, The Translucent Revolution, S. 40

 

  • I woke up not believing any of my thoughts. In this, everything was erased forever, and only joy was left (if anything). Whenever a thought appeared, I was immediately aware that it wasn't true. There was nothing. I saw that nothing was true, and everything was true. Realization has no value until it's lived. That's how it is born into the world. Byron Katie, cited in: Arjuna Ardagh, The Translucent Revolution

 

 

  • Most of those who awaken this connection with the ecstatic inner Self will return to being who they were, perhaps doing their lives with more contentment or a gentler perspective, perhaps more involved and committed in service to others, perhaps more energised and expressive, perhaps writing poetry, teaching, loving unconditionally. Bonnie Greenwell Ph.D., associated with SEN, „The Energies of Transformation“, pg. 302, 1990

 

  • Your vision will become clear only when you look into your heart [...]
    Who looks outside, dreams.
    Who looks inside, awakens.
    Carl Gustav Jung

 

  • Maybe there are as many definitions of spiritual awakening as there are people who have them. But certainly each genuine one has something in common with all the others. […] When a man or a woman has a spiritual awakening, the most important meaning of it is that he has now become able to do, feel, and believe that which he could not do before on his unaided strength and resources alone. He has been granted a gift which amounts to a new state of consciousness and being. He has been set on a path which tells him he is really going somewhere, that life is not a dead end, not something to be endured or mastered. In a very real sense he has been transformed, because he has laid hold of a source of strength which, in one way or another, he had hitherto denied himself. He finds himself in possession of a degree of honesty, tolerance, unselfishness, peace of mind, and love of which he had thought himself quite incapable. What he has received is a free gift, and yet usually, at least in some small part, he has made himself ready to receive it. Twelve Steps and Twelve Traditions, published by Alcoholics Anonymous, pp. 106-107

 

  • The law is not thrust upon man; it rests deep within him, to awaken when the call comes. Martin Buber

 

  • Awakening happens when you run out of options, when, at least to some degree, you surrender the struggle. Then all the effort that was wrapped up in trying to make things better is freed up, and we relax simply back into ourselves, into a peace and presence that was overlooked in our obsessive activity. […]
    Today, millions of people are passing through this kind of a shift: from living from acquisition and ambition, to a freedom from the mind. Perhaps we are facing just the same kind of "bottoming out" collectively that so many people have faced individually, we are running out of options for our avarice, and the American dream is maturing into the global awakening. Arjuna Ardagh, How to Turn Dirt into Gold, Huffington Post, Sheasa Kenney, Wednesday, 23. July 2008

 

  • You know one sign that you are woken up? You are asking yourself: Am I crazy or are all of them? Video lecture by Anthony de Mello SJ (1931-1987) Indian Jesuit priest, psychotherapist, spiritual leader, on Wake Up to Life! – Awareness – On psychology, presented by Center for Spiritual Exchange and Tabor Publishing, 1986, YouTube film, minute 4:00 out of 7:34 minutes duration, posted 25. November 2008

 

4.   Links zum Thema Erwachen – Erleuchtung / Awakening and Enlightenment

4.1   Literatur

Literatur – Erleuchtung

4.2   Literatur (engl.)

4.3   Externe Weblinks


Kritik

4.4   Externe Weblinks (engl.)

Kritik

  • Neo-Advaita Demystified, Entmystifizierung der Neo-Advaita-Szene durch den Vertreter des Maharshi Ashrams in Indien, Spiritualteachers.org, 2004

4.5   Audio- und Videolinks

  • Jetzt-TV.net, spirituelles Online TV mit Satsangs und Interviews mit Erwachten, ehrenamtlich nonprofit und kostenlos betriebener Web-TV-Kanal

4.6   Audio- und Videolinks (engl.)

4.7   Interne Links

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