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Freier Wille

 

Junger Hase von Albrecht Dürer, 1502


 

Die Frage der Willensfreiheit

Der theoretische Physiker und Entwickler der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einstein erklärte zur Frage der Willensfreiheit:

Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will, und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt?

 

Die meisten Menschen sind überzeugt, ihre Entscheidungen aus freiem Willen zu treffen. Neurologische Forscher der Neuzeit haben diese selten hinterfragte Vorstellung untersucht und waren überrascht durch das Ergebnis.

Der Impuls geht der gewählten Entscheidung voraus

Einsteins Fragen haben Neurowissenschaftler wie beispielsweise der Bremer Hirnforscher Dr. Gerhard Roth aufgegriffen, der die Willensfreiheit für eine Illusion hält. Bestätigt wird Roth vom Neuropsychologen Benjamin Libet, der in den 70er Jahren eine Serie spektakulärer Experimente an der Universität von Kalifornien in San Diego durchführte. Er hatte das so genannte Bereitschaftspotenzial gemessen, das Bestandteil eines normal funktionierenden Gehirns ist.
Der Mensch hält sich unwillkürlich für den Schöpfer seiner Handlung, für die er sich zuerst entscheidet, um sie nachfolgend auszuführen. Tatsächlich verhält es sich anders: Der Impuls zu handeln, stellt sich ein, ehe noch ein diesbezüglicher Gedanke aufsteigt.

 

Die Überzeugung von Willensfreiheit basiert auf einem Selbstbild, das gewöhnlich als "Ich" bezeichnet wird. Dieses "Ich" wird als Zentrale im Gehirn verstanden, das eigenständig Entscheidungen trifft. Das "Ich" ist ein Bild, eine Vorstellung, die nur solange existiert, wie Gedanken aufsteigen.

Zitate zum Thema Freier Wille / Free Will

Zitate allgemein

  • Ereignisse geschehen, Handlungen werden ausgeführt, doch es gibt keinen individuellen Tuenden oder Handelnden, der sie ausführt. Buddha

 

  • Ich definiere den freien Willen als ablaufende Handlungen, von denen das Gehirn weiß, dass ihre Ausführung unmittelbar bevorsteht. […]
    Der freie Wille ist zu wissen, was du tun wirst. Nur das. Nicht notwendigerweise, es willentlich herbeizuführen. Leider. Wenn du womöglich feststellst, dass das restliche Nervensystem im Gegensatz zu deiner Willensabsicht aus anderen Gründen im Wesentlichen anders operieren will, erziehst du es angemessen. Du glaubst, es sei am gescheitesten, so zu handeln und so weiter. Das Gefühl, derjenige zu sein, der sich so verhält, ist jedoch eine verstandesmässige Rechtfertigung. Nicht du bist der Akteur, es sind viele Zellen, die entscheiden, das zu tun. Videointerview mit Rodolfo Llinás, kolumbianisch-US-amerikanischer Professor der Neurowissenschaft, medizinische Fakultät der Universität, New York, Enter the "i of the vortex", PDF Transkript des engl. Originals, präsentiert von The Science Network (TSN), The Science Studio, Gastgeber Roger Bingham, Minute 33, 1:12:00 Dauer, Sendetermin 17. April 2007
    Anmerkung: Es sind nicht "die vielen Zellen, die entscheiden". Die Entscheidung ist ein Feldeffekt der vorhandenen Bewusstseinsebene.

 

  • Der machtvollste Willensakt ist, keinen [eigenen] Willen zu haben. Es ist ein Paradox. Caroline Myss (*1952) US-amerikanische spirituelle Lehrerin, Autorin, intuitive Diagnostikerin, Mystikerin

 

  • There's not strict determinism. There's wiggle room in every moment—and you can wiggle it towards the devil, or you can wiggle it towards God. Ken Wilber [BW 490] (*1949) US-amerikanischer transpersonaler Philosoph, Autor, Bewusstseinsforscher, Vordenker des 3. Jtds.

 

  • Man kann also einräumen, dass, wenn es für uns möglich wäre, in eines Menschen Denkungsart, so wie sie sich durch innere sowohl als äußere Handlungen zeigt, so tiefe Einsicht zu haben, dass jede, auch die mindeste Triebfeder dazu uns bekannt würde, imgleichen alle auf diese wirkenden äußeren Veranlassungen, man eines Menschen Verhalten auf die Zukunft mit Gewißheit, so wie eine Mond- oder Sonnenfinsternis, ausrechnen könnte, und dennoch dabei behaupten, dass der Mensch frei sei. Immanuel Kant [BW 460] (1724-1804) deutscher Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kants Werke in acht Büchern, ausgewählt und mit Einleitung versehen von Dr. Hugo Renner, 2. Band, 5. Buch, Kritik der praktischen Vernunft, S. 172-173, Druck und Verlag von A. Weichert, Berlin

 

  • Der Mensch kann was er will; er kann aber nicht wollen, was er will. Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph, Hochschullehrer, Autor

 

  • Hieran aber knüpft er seine Lehre vom Zusammenbestehen der Freiheit mit der Nothwendigkeit, vermöge der Unterscheidung des intelligibeln Charakters vom empirischen, auf welche Ansicht, da ich mich gänzlich zu ihr bekenne, ich weiter unten zurückkommen werde. […] diese überaus tief gedachten Stellen muß Jeder lesen, der eine gründliche Erkenntniß von der Vereinbarkeit der menschlichen Freiheit mit der Nothwendigkeit der Handlungen erlangen will. Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph, Hochschullehrer, Autor, Kleinere Schriften, S. 438, Haffmans Verlag AG Zürich, 1991

 

  • […] wie die strenge Nothwendigkeit unserer Handlungen doch zusammenbesteht mit derjenigen Freiheit, von welcher das Gefühl der Verantwortlichkeit Zeugniß ablegt, und vermöge welcher wir die Thäter unserer Thaten und diese uns moralisch zuzurechnen sind. Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph, Hochschullehrer, Autor, Kleinere Schriften, S. 451, Haffmans Verlag AG Zürich, 1991

 

  • Die Freiheit ist also durch meine Darstellung nicht aufgehoben, sondern bloß hinausgerückt, nämlich aus dem Gebiete der einzelnen Handlungen, wo sie erweislich nicht anzutreffen ist, hinauf in eine höhere, aber unserer Erkenntniß nicht so leicht zugängliche Region: das heißt, sie ist transzendental. Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph, Hochschullehrer, Autor, Kleinere Schriften, S. 454, Haffmans Verlag AG Zürich, 1991

 

  • Neurobiologisch gesehen gibt es keinen Raum für Freiheit. Das, was wir als freie Entscheidung erfahren, ist nichts als eine nachträgliche Begründung von Zustandsveränderungen, die ohnehin erfolgt wären. Wolf Singer (*1943) deutscher Neurophysiologe, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Zitate (engl.) allgemein

  • There is no inner 'thinker' behind thoughts, no 'doer' behind actions, no 'seeker' of enlightenment. Seeking occurs on its own when the time is right, and it emerges as a focus of attention. All aspects and qualities of consciousness are self-actuating and energize each other under the general direction of the will. Dr. David Hawkins, The I of the Eye, S. 132

 

 

  • I define free will as those activities that happen that the brain know are about to happen. […]
    Free will is knowing what you are going to do, that’s all. Not necessarily willing it. Sorry. Now for other reasons, you may find that the rest of the nervous system other than what it wills basically wants to do that, you properly educate it; you think it’s the most intelligent thing to do and so on. But 'the feeling that it’s you who’s doing it is a simplification. It is not you who’s doing it, it is many cells deciding to do it. Video interview with Rodolfo Llinás, Columbian-American neuroscientist, professor of Neuroscience, Chairman of the department of Physiology and Neuroscience, NYU School of Medicine, on Enter the "i of the vortex", Transcript, PDF, presented by The Science Network (TSN), The Science Studio, host Roger Bingham, minute 33, 1:12:00 duration, 17. April 2007

 

  • Many people think of humans and animals to be mostly driven by reward. I do this thing so that I can get something back. I think that is wrong. I think you do things because you have a drive to do things, sometimes even if it’s bad for you or if it hurts you, you will still do it. […] You will say, why do you scale the mountain? Because I feel good. Nonsense. […] You have no choice. That is the kind of animal you are and that is the beauty of it all. You can always say, because I love it, or I do it because it's there, which is not a description of anything. You have no choice, the system has as one of its properties, the pull to do things, to be active, to look, and you can see how this would be a very important selection principle. Animals that explore, animals that move, are the much likeliest possibility to survive than animals that sit. Video interview with Rodolfo Llinás, Columbian-American neuroscientist, professor of Neuroscience, Chairman of the department of Physiology and Neuroscience, NYU School of Medicine, on Enter the "i of the vortex", Transcript, PDF, presented by The Science Network (TSN), The Science Studio, host Roger Bingham, 1:12:00 duration, 17. April 2007

 

Links zum Thema Freier Wille / Free Will

Literatur

Literatur (engl.)

  • Tor Norretranders (*1955) Danish author of popular science, The User Illusion. Cutting Consciousness Down to Size, Penguin Press Science, new edition, 1. August 1999
    Norretranders differentiates between the conscious "I" (mind) that has a short bandwidth of around 16 information bits per second and the nonconscious "Me" (subconscious) that has a bandwidth of 11 millions of information bits per second.

Externe Weblinks


Externe Weblinks (engl.)


Audio- und Videolinks

  • Video Präsentation von Ansgar Beckermann, deutscher Philosoph, Dekan, Fakultät für Geschichtswissenschaft Philosophie und Theologie, Universität Bielefeld, Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie, Freier Wille – alles Illusion? über menschliche Willensfreiheit, Vorlesung in Universität Heidelberg, 12. Mai 2005, YouTube Film, 3:27 Minuten Dauer, eingestellt 17. April 2009
Wir tun nicht, was wir wollen; wir wollen, was wir tun. Wolfgang Prinz

Audio- und Videolinks (engl.)

 

Interne Links

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