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2·2012


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Hinduismus



 

Einführung

Der Hinduismus ist eine Religion aus vielen Einzelreligionen mit jeweils speziellen Vorbildern (Göttern) und spirituellen Techniken. Für den persönlichen Glauben haben religiöse Lehrer (Gurus) oft einen großen Stellenwert. Nur einzelne Richtungen gehen auf einen bestimmten Begründer zurück. Trotz aller Unterschiede können Hindus der verschiedenen Richtungen weitgehend gemeinsam feiern und beten. „Einheit in der Vielfalt“ ist eine oft verwendete Redewendung zur Selbstdefinition im modernen Hinduismus.

 

Die wichtigsten Strömungen innerhalb des Hinduismus sind der Vishnuismus, der Shivaismus und der Shaktismus. Vishnuiten glauben, dass ihr höchster Gott Vishnu sich in mehreren Inkarnationen (Avatara) in der Welt manifestiert. Vishnu inkarniert sich vor allem dann in der Welt, wenn die kosmische Ordnung (Dharma) gefährdet ist und der Rettung bedarf. Zu den klassischen zehn Inkarnationen zählen Rama und Krishna.

 

Shivaiten halten Shiva für den höchsten Gott. Shiva gilt als Gott der Asketen, der im Himalaya meditiert. Shivaiten können Dualisten (Gott und die Welt sind getrennt), Monisten (es gibt nur Gott) im Sinne Shankaras oder auch Tantriker (Gott ist männlich und weiblich) wie im Shivaismus Kaschmirs, sein. In manchen Strömungen des Shivaismus spielt Yoga eine große Rolle.

 

Im Shaktismus werden weibliche Gottheiten wie Durga, Lakshmi, Sarasvati, Kali (Bild oben) oder Devi als wichtigste Hauptgottheit angesehen. Devi gilt als Mahadevi (große Göttin), die alle anderen Göttinnen in sich vereint. Der Shaktismus betont die Rolle der Mutter als wichtiges Symbol für Gott. Wie die Kinder aus der Mutter so sind alle Wesen aus Gott (der höchsten kosmischen Dimension) entstanden. Die Verehrung der göttlichen Mutter kann ein hilfreicher Weg zur Erleuchtung sein. Man sieht sich dabei als Kind in der Geborgenheit der großen Mutter (des Kosmos) und entwickelt so ein Einheitsbewusstsein.

 

Moksha

  
Moksha ist das Zentrum des Hinduismus. Es bedeutet Erlösung und wird oft auch als Erleuchtung bezeichnet. Moksha beinhaltet die Befreiung aus der Kette von Geburt, Tod und Wiedergeburt (Samsara) und stellt das letzte Ziel des menschlichen Lebens dar. Zwar gibt es auch im Hinduismus eine Vorstellung vom Himmel, den eine Person mit gutem Karma nach dem Tod des Körpers genießen kann, dieser ist jedoch nur vorübergehend.

 

Viele Traditionen beschreiben Erleuchtung als einen Zustand der Losgelöstheit vom 'Ich' und von der Anhaftung an die Welt. Der Mensch gelangt ins Sat-Chit-Ananda. Sat bedeutet in einem Zustand des Seins zu leben (in der anhaftungslosen Ruhe). Chit bezieht sich auf das Bewusstsein und wird meist im Sinne eines reinen unpersönlichen Bewusstseins verstanden (Einheitsbewusstsein, Gottesbewusstsein). Ananda ist die Glückseligkeit der Erleuchtung. Wer das anhaftungslose Sein und das Einheitsbewusstsein (kosmisches Bewusstsein) übt und verwirklicht, in dem entsteht von allein (durch Gnade) das innere Glück (die heitere Gelassenheit der Erleuchteten). Die Person, die während des Lebens vollkommende Erlösung erlangt hat, nennt man Jivan Mukta (befreite Seele).

 

Die Traditionen des Hinduismus empfehlen drei, gelegentlich auch vier, verschiedene Wege, Moksha zu erreichen: Bhakti-Yoga (den Weg der Gottesliebe), Jnana Yoga (den Weg des Wissens) sowie Karma-Yoga (den Weg der selbstlosen Tat). Der vierte Weg ist der Raja Yoga. Der Raja Yoga (königlicher Yoga) ist der Weg Gedankenarbeit (positives Denken) und der Meditation.

 

Eine Vorstufe zum Raja Yoga ist der Hatha Yoga, der Weg der Körperübungen (Asanas). Erst trainiert ein Yogi seinen Körper und öffnet seine Energiekanäle (Chakren). Dadurch erwirbt er dann die Kraft (Energie) längere Zeit in der Meditation zu verweilen und in höhere Stufen des inneren Glücks zu gelangen. Die Energie-Übungen werdem in der Hatha-Yoga-Pradipika, dem Grundwerk des Hatha Yoga, beschrieben.

 

Dharma

Dharma ist ein zentraler Begriff im Hinduismus. Dharma beinhaltet ethische und religiöse Verpflichtungen. Hindus sehen die Beachtung des Dharmas nicht nur als Voraussetzung für soziales Wohlergehen, sondern auch für eine gute persönliche Entwicklung. Von der Erfüllung des Dharmas hängt für sie das zukünftige Karma ab.

 

Das in den Schriften des Hinduismus beschriebene Ideal der vier Lebensstadien (Ashrama) teilt das Leben in vier Phasen ein: Brahmacharin (Schüler), Grihastha (Haushälter), Vanaprastha (in die Waldeinsamkeit Gehender) und Samnyasin (die Welt Aufgebender). Die Pflicht des Schülers ist, zu lernen und soziale Dienste zu leisten. Als „Haushälter“ soll man heiraten, Kinder haben, die Familie versorgen, den Bedürftigen geben, den sozialen und politischen Bedürfnissen der Gemeinschaft dienen. In die „Waldeinsamkeit“ soll man erst gehen, wenn die familiären Pflichten erfüllt sind. Dann kann man sich von materiellen Dingen lösen. Daraus entsteht dann als letzte Phase die Welt aufzugeben und erleuchtet in Brahman (im Sat-Chit-Ananda) zu leben.

 

Karma

Karma bedeutet, dass jede Handlung unweigerlich eine spirituelle Folge hat. Diese muss nicht unbedingt im aktuellen Leben wirksam werden, sondern kann sich möglicherweise erst in einem der nächsten Leben manifestieren. Die Lehre des Karma ist eng mit dem Glauben an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten, verbunden und an die Gültigkeit des Ursache-Wirkungs-Prinzips auf geistiger Ebene auch über mehrere Lebensspannen hinweg.

 

Zu der Frage, wie sich die Früchte der Taten realisieren, gibt es mehrere Auffassungen: (1) die Seele verlässt nach dem Tod den Körper und wird in einem neuen, durch das Karma bedingten Leib neu geboren. (2) Die Vergeltung findet teils im Jenseits, teils in der neuen Existenz statt. (3) Gutes Karma kann eine zeitlich begrenzte Seligkeit im „Himmel" erwirken, schlechtes Karma dagegen einen Aufenthalt in der „Hölle“, jedoch nicht als endgültiger Zustand, sondern z. B. im Wechsel mit einer Tiergeburt. (4) Alle guten Werke können religiöse Verdienste schaffen, die Karma abbauen.

 

Eine gegensätzliche Strömung im Hinduismus betont die Nichttätigkeit (nivritti). Sie wird insbesondere von den Yogis und Asketen vertreten. Ihr Weg besteht darin, sich aus der Welt zurückzuziehen, um alle Anhaftungen abzubauen und in ein glückseliges Sein zu gelangen. Auch gute Taten können zu Anhaftungen an andere Menschen oder an den Erfolg führen. Deshalb lehrte Krishna in der Bhagavad Gita den Weg des anhaftungslosen Tuns. Ein Mensch tut Gutes (Arjuna kämpft für die Guten), haftet aber nicht am Ergebnis seines Handelns an. Er trägt mit Gleichmut Sieg oder Niederlage. So wächst man durch positive Taten zur Erleuchtung.  

 

Brahman

Brahman (Gott, Licht, Einheit, im Bild der weiße Kreis um die Gottheit Vishnu) bezeichnet in der hinduistischen Philosophie eine unveränderliche und transzendente Realität, aus der alle Materie hervorgeht. Brahman ist die höchste Dimension im Kosmos, die noch über den Göttern steht.

 

Im Hinduismus werden viele verschiedene Vorbilder verehrt. Zwar ist Brahman das gemeinsame Ziel, aber aus der absoluten Realität (dem Licht) manifestieren sich viele Gottheiten. Diese Gottheiten werden als symbolische Vorbilder für die Erleuchtung und auch als reale Wesen gesehen, die man anbeten kann. Der Gott der Liebe Vishnu (Bild) inkarniert sich zehnmal (Wesen im weißen Kreis) auf der Erde, um die Welt zu retten und das Gleichgewicht unter den Guten und den Schlechten wieder herzustellen. In seiner siebten Inkarnation kam er als Rama und in seiner achten Inkarnation als Krishna.

 

Swami Sivananda schrieb über Brahman: "Wer Brahman verwirklicht hat, wird still. Absolutes Glück ist die höchste Wirklichkeit. Erhebe dich Schritt für Schritt zur transzendenten Erfahrung, wo alle Namen und Formen verschwinden und nur noch die Freude im Selbst existiert. Die göttliche Gnade ist der größte Schatz im Leben. Unwissenheit besteht so lange, wie das Ichdenken vorhanden ist. Ichdenken ist große Verwirrung. Gott ist die Quelle allen Glücks. Alle Wesen sind in ihm. Gott ist reiner Geist. Gott ist der Weg und das Ziel. Denke daran, dass Gott immer mit dir, in dir und um dich herum ist. Du wirst dadurch große Kraft, inneren Frieden und inneres Glück haben."(Swami Sivananda: ''Sadhana", Seite 404 f.)

 

Zitate

Zitate allgemein

Zitate (engl.) allgemein

 

Literatur

  • Hans Wolfgang Schumann: Die großen Götter Indiens. Grundzüge von Hinduismus und Buddhismus. Eugen Diederichs Verlag, München 1996, ISBN 3-424-01332-3.

 

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