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Meister Eckhart

Gott ist gut, Gott ist weise, Gott ist unendlich,
Gott ist gerecht - das alles ist so unsinnig,
als wenn ich das Schwarze weiß nennen würde.
Du bist es, was du über deinen Gott denkst,
und lästerst ihn, wenn du ihn damit behängst.
Nimm ihn ohne Eigenschaft als überseiendes Sein
und eine überseiende Nichtheit.
Meister Eckhart

Anselm von Canterburys Frage: Warum wurde Gott Mensch? (lat. “Cur Deus homo?”)
beantwortet Meister Eckhart so: Darum, dass ich als derselbe Gott geboren werde.

Meister Eckhart, einer der größten deutschen Denker des Mittelalters, Theologe, Philosoph und religiöses Genie, gilt als DER christliche Mystiker schlechthin. Es existieren keine Porträts und keine handschriftlichen Zeugnisse von ihm. Er spricht von der Gottheit als einem „Abgrund des Nichts“. Das buddhistische Bodhi, das Satori im Zen oder die unio mystica von Meister Eckart entspricht dem heutigen Verständnis von Erleuchtung.

Zitate von Meister Eckhart

  • Dass wir Gott nicht zwingen, wozu wir wollen, das liegt daran, dass uns zwei Dinge fehlen: Demut vom Grund des Herzens und kräftiges Begehren [d. h. spirituelle Intention]. Ich sage das bei meinem Leben – Gott vermag in seiner göttlichen Kraft alle Dinge, aber das vermag er nicht, dass er dem Menschen, der diese zwei Dinge in sich hat, nicht Gewährung schenke.
  • In Gott sind aller Dinge Urbilder gleich, aber sie sind ungleicher Dinge Urbilder. Der höchste Engel und die Seele und die Mücke haben ein gleiches Urbild in Gott.

  • Richte dein Augenmerk auf dich selbst
    und wo du dich findest,
    da lass ab von dir.
    Das ist das Allerbeste.
    Reden der Unterweisung
  • Gott ist gut, Gott ist weise, Gott ist unendlich,
    Gott ist gerecht – das alles ist so unsinnig,
    als wenn ich das Schwarze weiß nennen würde.
    Du bist es, was du über deinen Gott denkst,
    und lästerst ihn, wenn du ihn damit behängst.
    Nimm ihn ohne Eigenschaft als überseiendes Sein
    und eine überseiende Nichtheit.
    Reden der Unterweisung
  • Hier (im 'einigen Einen') sind alle Grasblättlein und Holz und Stein und alle Dinge Eines. Predigt 24
  • Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache, denn mein wesentliches Sein ist oberhalb von Gott, sofern wir Gott als Beginn der Kreaturen verstehen. Denn in demselben Sein Gottes, in dem Gott über allem Dasein und über aller Unterschiedenheit steht, da war ich selbst, da wollte ich mich selbst, und da erkannte ich mich selbst, diesen Menschen zu schaffen. Darum bin ich meinem Sein nach, welches ewig ist, Ursache meiner selbst, nicht aber aufgrund dessen, was ich erst geworden bin, denn das ist zeitlich. Und darum bin ich ungeboren, und darum kann ich niemals sterben. [...] In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge. Und hätte ich gewollt, so wäre weder ich, noch wären alle Dinge, und wäre ich nicht, so wäre auch Gott nicht. Dass Gott Gott ist, dafür bin ich die Ursache. Predigt 32
  • Sage ich ferner: Gott ist ein Sein – es ist nicht wahr; er ist (vielmehr) ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit. Predigt 42
  • Ich sage: Gott ist völlig Eines; er erkennt nur sich allein. Gott gebiert sich vollständig in seinem Sohn; Gott spricht alle Dinge in seinem Sohn. [...] In dieser Geburt wird sie lebendig, und Gott gebiert seinen Sohn in die Seele, auf dass sie lebendig werde. Gott spricht sich selber in seinem Sohn aus. Predigt 43
  • Wenn die Seele etwas erfahren möchte, dann wirft sie ein Bild der Erfahrung vor sich nach außen und tritt in ihr eigenes Bild ein.
  • Es gibt da kein Werden, sondern ein Nun, ein Werden ohne Werden, ein Neusein ohne Erneuerung, und dieses Werden ist Gottes Sein. Predigt 50
  • Du sollst Gott lieben ohne Liebheit, das heißt nicht darum, weil er liebevoll sei, denn Gott ist unliebevoll; er ist über aller Liebe und Liebheit.
»Wie soll ich denn Gott lieben?«
Du sollst Gott nichtgeistlich lieben, das heißt, deine Seele soll nichtgeistig sein und aller Geistigkeit entkleidet; denn solange die Seele geistförmig ist, hat sie Bilder; solange sie Bilder hat, hat sie nicht Einheit noch Eintracht; solange sie nicht Eintracht hat, liebte sie Gott nicht recht, denn bei rechter Liebe kommt es auf die Eintracht an. Darum soll deine Seele nichtgeistig sein, frei von allem, was Geist ist, und soll geistlos dastehen; denn liebst du Gott, wie er Gott ist, wie er Geist ist, wie er Person ist und wie er Bild ist, das muss alles hinab.
»Wie soll ich ihn denn lieben?«
Du sollst ihn lieben wie er ist: ein Nichtgott, ein Nichtgeist, eine Nichtperson, ein Nichtbild, sondern: wie er ein bloßes, pures, reines Eins ist, gesondert von aller Zweiheit, und in dem Einen sollen wir ewiglich versinken von Nichts zu Nichts. Von der Erneuerung des Geistes
  • Soll Gott gesehen werden, so muss es in einem Lichte geschehen, das Gott selbst ist. Das Auge, in dem ich Gott sehe, ist dasselbe Auge, darin mich Gott sieht – mein Auge und Gottes Auge ist ein Auge und ein Erkennen und ein Lieben. [Meister Eckhart], Deutsche Predigten und Traktate, S. 329, Hanser Verlag, München, Josef Quint (Hrsg.), 1963

Transzendenz und Immanenz

  • Wie wunderbar! Draußen stehen wie drinnen, ergreifen und umgriffen werden, schauen und zugleich das Geschaute selbst sein, halten und gehalten werden – das ist das Ziel. Dort verharrt der Geist in Ruhe und ist eins mit der Ewigkeit.

Selbsterforschung

  • Betrachte dich selbst und da wo du dich findest, da lass ab von dir. Das ist das Allerbeste.


Weitere Zitate von Meister Eckhart zu Gott

  • Man soll Gott nicht außerhalb von einem erfassen und ansehen, sondern als sein Eigen und als das, was in Einem ist.
  • Gott, schaffe Platz in mir für das Geschenk, das du bist.
  • Sobald Gott dich bereit findet, muss er in dein Wesen einströmen, geradeso wie der Sonnenschein sich auf die Erde ergießen muss, wenn die Luft klar und rein ist. Sehnendes Verlangen schafft Liebe, und Liebe überwindet alle Hindernisse.
  • Dass wir Gott nicht zwingen, wozu wir wollen, das liegt daran, dass uns zwei Dinge fehlen: Demut vom Grund des Herzens und kräftiges Begehren. Ich sage das bei meinem Leben, – Gott vermag in seiner göttlichen Kraft alle Dinge, aber das vermag er nicht, dass er dem Menschen, der diese zwei Dinge in sich hat, nicht Gewährung schenke.
  • Wenn wir für das Wort Gott durch das Wort Wesen ersetzen, sehen und merken wir alle wohl, dass in allen Dingen Wesen ist. Wenn also Gott das eigentliche Wesen ist, so muss darum notwendigerweise Gott in allen Dingen sein.
  • Wo meine Seele ist, da ist Gott, und wo Gott ist, da ist auch meine Seele, und das ist so wahr als Gott Gott ist.


Zitate (engl.) von Meister Eckhart

  • If we will see things truly, they are strangers to goodness, truth and everything that tolerates any distinction. They are intimates of the One that is bare of any kind of multiplicity and distinction.
  • Now, people say when they commit sin, that they do not intend to do so always; they intend to turn away from sin.
    That is just as though a man were to kill himself and suppose that he could make himself alive again by his own strength.
    That is, however, impossible;
    but to turn from sin by one's own power and come to God is still much more impossible.
    Therefore, whosoever is to turn from sin and come to God in His heavenly kingdom,
    must be drawn by the heavenly Father with the might of His divine power.


Zitate von anderen Quellen über Meister Eckhart

  • Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört. Wir brauchen aber die Liebe von Gott nicht zu erbitten, sondern wir müssen uns für sie nur bereit halten. Dietmar Mieth, Meister Eckhart, S. 299, Walter Verlag, Freiburg im Breisgau, 1979
  • Die in den Predigten von Meister Eckhart geäußerten Gedanken waren buddhistischen Vorstellungen so nahe, dass man sie fast mit Bestimmtheit als Ausfluss buddhistischer Spekulation hätte bezeichnen können. Daisetz Suzuki, 1960
  • Eine der wichtigsten Aussagen Eckharts, die ihn mit den von griechischem Denken beeinflussten Strömungen im frühen Christentum (Plotin) verbindet ebenso wie mit neuzeitlicher Mystik wie der von Pater Willigis Jäger, ist die ontologische Gleichheit von Gott und Schöpfung. Das bedeutet: Wir sind keine Abbilder des göttlichen Urbildes, unvollkommen und nur mit Hilfe der göttlichen Gnade zu einer – relativen – Vollkommenheit fähig; wir sind mit der Gottheit identisch. Wer sich einigermaßen in der christlichen Dogmatik auskennt weiß, dass dies eine revolutionäre Aussage ist, die zum Konflikt mit den verfassten Kirchen führen muss, weil sie die Notwendigkeit von Heilsvermittlung infrage stellt. Die Lehre Eckharts von der Gottgleichheit der Geschöpfe geht so weit, dass die Welt und auch die Kreatur des Menschen in der Welt nicht real und an sich existieren. Die Phänomene der Welt quellen von Augenblick zu Augenblick zeitlos aus jeder Einzelseele hervor, in deren Urgrund sich das göttliche Eine befindet. Das göttliche Eine gebiert sich in die Einzelseele hinein, und alles weltliche Sein ist miteinander verbunden und ununterscheidbar eins mit dem All-Einen. ...dem schmecken alle Dinge nach Gott – Meister Eckhart, Sibilla Pelke, Zeitschrift Lichtfokus, Elraanis Verlag, 18. April 2008


Zitate (engl.) von anderen Quellen über Meister Eckhart


Externe Weblinks


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