Standpunkte
Allen Recht getan – eine Kunst, die niemand kann
Die Geschichte
vom Vater, seinem Sohn und dem Esel
Eines Tages wollten ein Vater und sein Sohn ihren Esel zum Markt bringen.
Der Vater ritt auf dem Esel, den der Sohn führte.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als ihnen ein Bauer begegnete
und dem Vater zurief:
Der arme Junge! Wie kannst du als Erwachsener dieses Kind mit seinen kurzen Beinen
so quälen! Hast du kein Herz, du Egoist!,
Eigentlich hat er recht,
dachte der Vater, stieg ab und ließ den Jungen auf dem Tier sitzen.
Nun schritt der Vater voran und führte den Esel.
Nach kurzer Zeit trafen sie ein altes Mütterchen, das seine Stimme erhob:
So eine Unverfrorenheit!
Da sitzt der junge Bengel auf dem Esel und lässt seinen alten Vater nebenher laufen!
Der Junge nahm sich den Vorwurf sehr zu Herzen und bat seinen Vater,
ebenfalls auf den Esel zu steigen.
So ritten sie eine Weile gemeinsam auf dem Tier, bis ein Fußgänger zu kreischen begann:
Was für eine Tierquälerei! Da reiten zwei Nichtsnutze dem armen Tier den Rücken durch!
Der Esel wird bald eingehen, wenn ihr ihn nicht schont!
Nun war guter Rat teuer!
Vater und Sohn beschlossen, den Esel zu tragen,
damit er sich nach der großen Anstrengung wieder erholen konnte.
Nachdem sie ihn einige Meilen weit getragen hatten, gelangten sie endlich zum Markt.
Dort brach ein lautes Gelächter aus.
So etwas Dummes haben wir noch nicht gesehen!
Wozu tragt ihr den Esel spazieren, wenn er nichts leistet und keinen von euch trägt?,
wollten die Leute wissen.
Führt den Esel doch am Halfter hinter euch!,
rieten die Einen,
Sie können doch auch beide darauf reiten!,
riefen die Anderen.
Nein, das hält der Esel nicht durch,
aber den Vater allein wird er wohl tragen können.
Und das arme Kind soll sich wohl die Beine aus dem Leib laufen?
Nein, das Kind muss reiten, der Vater ist doch viel kräftiger.
Das lautstarke Debattieren auf dem Marktplatz nahm kein Ende
und führte zu keinem brauchbaren Ergebnis.
Viele glaubten zu wissen, wie dieses Dilemma am Besten zu lösen sei.
Schließlich blickte der Vater nachdenklich auf seinen Sohn und sprach:
Es ist offensichtlich belanglos, wie wir es anstellen.
Es wird wohl immer jemanden geben, dem es nicht gefällt
und der deswegen Anstoß daran nimmt.
Wir machen ab nun genau das, was wir aus tiefstem Herzen
und bestem Wissen und Gewissen für angemessen halten.
Autor unbekannt
Die Welt als Dorf
Wenn man die Weltbevölkerung von über 6,5 Milliarden Menschen proportional auf ein Dorf mit 100 Einwohnern verkleinert, so ergibt sich folgende Zusammensetzung der Dorfgemeinschaft:
- 60 (59) Asiaten
- 14 (13) Amerikaner (aus Nord-/ Mittel- und Südamerika)
- 14 Afrikaner
- 12 Europäer
- 8 Lateinamerikaner
- 5 US-Amerikaner und Kanadier
- 1 Ozeanier (aus dem Südpazifik).
In diesem Dorf leben
- 52 (50 / 51) Frauen und 48 (49 / 50) Männer,
- 30 sind Kinder, 70 sind Erwachsene.
- 67 sind Nicht-Christen.
- 33 sind Christen.
- 21 sind Moslems
- 15 sind Hindus.
- 14 sind Religionslose oder Atheisten.
- 6 sind Buddhisten.
- 6 gehören anderen religiösen Konfessionen an.
- 5 sind Animisten.
- 51 sprechen indonesisch, japanisch, deutsch, französisch oder eine andere Sprache.
- 15 sprechen (Mandarin) chinesisch.
- 7 sprechen englisch.
- 6 sprechen Hindi.
- 6 sprechen spanisch.
- 5 sprechen russisch.
- 4 sprechen arabisch.
- 3 sprechen Bengali.
- 3 sprechen portugiesisch.
- 90 sind heterosexuell veranlagt.
- 80 leben in nicht menschenwürdigen Wohnverhältnissen.
- 80 konsumieren 20% der vorhandenen Elektrizität.
- 76 haben keinen Zugang zu Elektrizität (die meisten nutzen sie nur für nächtliche Beleuchtung).
- 74 Dorfbewohner besitzen 39% des gesamten vorhandenen Eigentums.
- 70 (82) sind Nicht-Weiße (Rasse).
- 70 sind Analphabeten.
- 56 (61) haben Zugang zu einem Abwassersystem.
- 50 sind unterernährt. (1 davon stirbt an Unterernährung.)
- 39 (44) haben keinen Zugang zu einem verbesserten Abwassersystem.
- 33 teilen sich 3% des gesamten vorhandenen Eigentums.
- 33 (20) haben sauberes, sicheres Trinkwasser zur Verfügung.
- 30 (18) sind Nicht-Weiße (Rasse).
- 24 haben keinen Zugang zu Elektrizität.
- 20 sind unterernährt.
- 20 teilen sich die verbleibenden 2% des gesamten vorhandenen Eigentums.
- 20 konsumieren 80% der vorhandenen Elektrizität.
- 15 (67) Erwachsene können nicht lesen und schreiben, sind Analphabeten.
- 15 Erwachsene sind übergewichtig.
- 10 sind homosexuell veranlagt.
- 7 haben Zugang zum Internet / besitzen einem Computer.
- 6 Dorfbewohner (alle aus USA) besitzen 59% des gesamten vorhandenen Eigentums.
- 6 Dorfbewohner (alle aus USA) kontrollieren 32% der gesamten vorhandenen Bodenschätze (Reichtums).
- 1 Dorfbewohner ist Absolvent eines Studiums (Universität / Fachhochschule) mit akademischem Abschluss.
- 1 Dorfbewohner hat die Krankheit AIDS.
- 1 Dorfbewohner stirbt den Hungertod.
- 1 Dorfbewohner stirbt im Lauf des Jahres.
- 2 neue Dorfbewohner werden im selben Zeitraum geboren (wodurch sich die Anzahl der Weltdörfler auf 101 erhöht).
- Falls dein Kühlschrank mit Essen gefüllt ist, bekleidet bist, ein Dach über dem Kopf und ein eigenes Bett hast, bist du reicher als 75 % der Weltbevölkerung.
- Falls du einem Glauben nachgehen kannst, ohne befürchten zu müssen, dass du bedroht wirst oder du verhaftet wirst oder umgebracht wirst, bist du besser dran als 3 Milliarden Menschen auf der Welt.
- Wenn du diesen Text liest, gehörst du nicht zu den 2 Milliarden Menschen, die nicht lesen können.
- Falls du nie in Kriegsgeschehen verwickelt warst, nie unter der Einsamkeit durch Gefangenschaft gelitten hast, nie die Agonie des Gequälten oder nie Hunger gespürt hast, bist du besser dran als 500 Millionen Menschen auf der Welt bzw. 20 der Weltdörfler.
- Wenn du morgens unbekümmert aus dem Haus gehen kannst, ohne verfolgt und womöglich auch gefoltert zu werden, dann bist du besser dran als über 300 Millionen Menschen auf dieser Welt bzw. 48 der Weltdörfler.
- Falls du heute Morgen gesund und nicht sterbenskrank aufgewacht bist, bist du besser dran als 1 Million Menschen auf der Welt, die in der kommenden Woche sterben werden.
- Falls du ein Bankkonto hast, etwas Geld im Portemonnaie oder etwas gespartes Kleingeld, gehörst du zu den 8 wohlhabenden Menschen auf der Welt.
Betrachtet man die Welt aus dieser Perspektive, wird offenbar, dass das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit, Verständnis, Akzeptanz und Bildung unumgänglich ist.
Quellen: Internet-kolportierte Statistik, bezogen von David Smith, If the World Were a Village. A Book about the World's People, 32 Seiten, Kids Can Press, Ltd., 10. Februar 2002
Englische Quellen:
Literatur (engl.):
Zitate zu perspektivischen Standpunkten
- Manche Menschen haben einen Gedankenradius von Null, den nennen sie dann ihren Standpunkt. Albert Einstein
Literatur
- Berger/Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
Was Mensch für Realität hält, stammt nicht aus seinem Inneren.
Was Mensch für Welt hält, stammt nicht aus seinem Inneren.
- Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis
Was Mensch für Gedächtnis hält, stammt nicht aus seinem Inneren.
Interne Links
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