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Zeit

Zeit ist eine Dimension des Nacheinander und der Dauer, die als zusammenhängend und nicht umkehrbar vorgestellt werden. Sie ist einerseits die Grundlage jeder Veränderung, andererseits nur an den Veränderungen ablesbar und erlebbar.

Die vorherrschende Zeit-Vorstellung der westlichen Kultur ist die objektive Zeit der klassischen Physik (Newtons "wahre, mathematische und absolute Zeit"). Sie gilt als "objektives" (subjektiv nicht veränderbares) Merkmal der Welt. Allerdings wird der Verlauf der Zeit ausgesprochen subjektiv wahrgenommen und eingeschätzt. In der Jugend verrinnt die Zeit, bis das Christkind kommt, im Alter rast sie.

Zeit ist eines der Fundamente der persönlichen Realität. Die zeitliche Einordnung von Ereignissen ist eine der wichtigsten inneren Operationen, mit denen Menschen ihre innere Realität und damit auch das Ich konstruieren. Zeit scheint für die meisten Menschen unbestreitbar real zu sein. Erstaunlich ist, dass es keinen Zeit-Sinn gibt im Gegensatz zu den Körpersinnen für das Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten.

Die neuzeitliche Zeitforschung weist darauf hin, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass der Mensch mit einem speziellen Sinn für zeitliche Wahrnehmung ausgestattet sei.

Kulturen und Individuen unterscheiden sich auch nach ihren Vorstellungen über die Zeit und die Art, wie sie Ereignisse zeitlich einordnen.

Zitate zum Thema Zeit

  • Zeit ist das, was wir von der Uhr ablesen. Albert Einstein, Relativator
  • Die moderne Physik schockiert mit einer radikalen Neuinterpretation der Realität: Die Zeit ist eine bloße Illusion. GESTERN UND MORGEN SIND EINS, Rüdiger Vaas, Bild der Wissenschaft, Heft 01/2008
  • Gegenwart ist Ewigkeit, denn Gegenwart ist immer. Oscar Frédéric Gros
  • Zeit – Es gibt kein Werden, kein Vergehen, keine Vergangenheit, keine Zukunft. Es verändert sich nichts, es lässt sich nichts wahrnehmen. Was unsere Sinne zeigen, ist Schein, Täuschung, Trug und ohne jeden Wert. Alles das, was wir wahrnehmen, mit unseren Sinnen aufnehmen, besitzt keine Wirklichkeit, ist nicht begreiflich, nicht intelligibel. Eine Veränderung des Seins müsste in einem Übergang von einem Sein zu einem Nicht-Sein gefunden werden. Eine Veränderung ist darum unmöglich, und was unsere Sinne vortäuschen, nämlich einen dauernd veränderlichen Fluss der Gestalten, dauernd wechselnde Ereignisse, ist Sinnestrug. Es ereignet sich nichts, es geschieht nichts. Nichts wird alt und nichts wird neu; es wird nichts hinweggenommen, und nichts kommt hinzu. Das Sein ist eine unangreifbare vollkommen gerundete Kugel. Parmenides von Elea


Zitate (engl.) zum Thema Zeit / Time


Gedichte / Geschichten zum Thema Zeit

* * *

Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und
von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte


Momo ist ein Mädchen, das wie eine Landstreicherin in der Ruine eines kleinen römischen Amphitheaters
am Stadtrand lebt. Menschen, die großen Wert auf Sauberkeit und Ordnung legen, erschrecken vielleicht,
wenn sie dem etwas verwahrlosten mageren Mädchen begegnen. Doch Momo versteht es, anderen zuzuhören
und sie dadurch in ihren Bann zu ziehen. Sie schütten Momo dann ihr Herz aus und spüren, dass sie selbständig,
charakterstark und mit ihrem Leben zufrieden ist.

Eines Tages tauchen in der Stadt Zigarre rauchende aschgraue Herren in spinnwebfarbenen Anzügen mit
bleigrauen Aktentaschen auf, in deren Gegenwart es die Menschen fröstelt. Die grauen Herren verstehen
sich auf die Zeit, "so wie Blutegel sich aufs Blut verstehen" und reden den Menschen ein, sie dürften nur
noch Nützliches tun, um Zeit zu sparen. Der Friseur zum Beispiel hört auf, mit seinen Kunden zu plaudern
und schneidet ihnen nun die Haare in 20 statt in 30 Minuten. Seine alte taube Mutter, für die er sich bisher
jeden Tag Zeit nahm, bringt er in ein Altenheim.

Auch mit Momo spricht einer der grauen Herren. "Man muss nur immer mehr und mehr haben, dann
langweilt man sich niemals", behauptet er. Doch als Momo ihn fragt, ob ihn jemand lieb hat, krümmt
er sich und verrät ihr, dass er und seinesgleichen ohne ein von den Menschen angespartes Zeitguthaben
nicht existieren können. Weil das vor den Menschen geheim gehalten werden muss, erinnern sich diese
nicht mehr an das Gespräch mit den grauen Herren, sobald sie anfangen, Zeit zu sparen.

Quelle: Michael Ende, MOMO, DieterWunderlich.de



Jugend und Zeit; Maler: John William Godward, 1901


* * *

Mein Reich ist klein und unabschreitbar weit.
Ich bin die Zeit.
Ich bin die Zeit, die schleicht und eilt,
die Wunden schlägt und Wunden heilt.
Hab’ weder Herz noch Augenlicht.
Ich kenn’ die Gut’ und Bösen nicht.
Ich trenn’ die Gut’ und Bösen nicht.
Ich hasse keinen. Keiner tut mir leid.
Ich bin die Zeit.

Da ist nur eins, – das sei euch anvertraut:
Ihr seid zu laut!
Ich höre die Sekunden nicht,
ich hör’ den Schritt der Stunden nicht.
Ich hör’ euch beten, fluchen, schrei’n,
ich höre Schüsse mittendrein,
ich hör’ nur euch, nur euch allein...
Gebt acht, ihr Menschen, was ich sagen will:
Seid endlich still!

Ihr seid ein Stäubchen am Gewand der Zeit, –
laßt euren Streit!
Klein wie ein Punkt ist der Planet,
der sich samt euch im Weltall dreht.
Mikroben pflegen nicht zu schrei’n.
Und wollt ihr schon nicht weise sein,
könnt ihr zumindest leise sein!
Schweigt vor dem Ticken der Unendlichkeit!
Hört auf die Zeit!

Erich Kästner


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