SpiritualWiki

Wiki / Zuhoeren

(umgeleitet von Wiki.Zuhören)

Die Kunst des Zuhörens – Lauschen


Bist Du in Eile, mach einen Umweg! Japanisches Sprichwort

Wer weise ist, der höre zu und wachse an Weisheit,
und wer verständig ist, der lasse sich raten,
dass er verstehe Sprüche und Gleichnisse,
die Worte der Weisen und ihre Rätsel.

Sprichwörter des Salomo 1, 5-6 (AT)

Der Nordwind und die Sonne II (Fabel)

Zuhören heißt, Anteil zu nehmen im wörtlichen Sinn: Ich nehme, die Teile, die (mir) mitgeteilt worden sind, an.

Anteilnehmen hat mit echtem Interesse zu tun.

Das lateinische obedere = Gehorsam / Obedience bedeutet Zuhören.

Gerufen werden, Berufung heißt im Englischen vocation. Das Wort beinhaltet Stimme (voice).

Den Kontext erlauschen lernen

Lerne, das Un-Gesagte zu hören!

Ein Mann, der die anhaltenden Streitigkeiten mit seiner Frau nicht länger ertragen wollte, bat einen Meister um Rat. Er berichtete ihm:

Kaum macht einer von uns beiden den Mund auf, unterbricht ihn der andere schon. Nach nur wenigen Worten haben wir wieder Streit miteinander. Danach sind wir beide mürrisch und schlecht gelaunt, sagte der Mann. Dabei lieben wir uns, doch so wie jetzt kann es nicht weitergehen. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll.
Lerne, deiner Frau zuzuhören, sagte der Meister. Sobald du dir sicher bist, dass du das Zuhören gelernt hast, kannst du mich wieder besuchen kommen.

Drei Monate waren vergangen, als der Mann erneut an der Tür des Meisters klopfte. Diesmal berichtete er ihm:

Inzwischen habe ich gelernt, jedes Wort, das meine Frau sagt, aufmerksam zu hören.
Gut, sagte der Meister mit einem Lächeln.
Wenn du in einer glücklichen Ehe leben willst,
lerne nun auch, auf jedes Wort, das sie nicht sagt, zu lauschen.

Inspiriert durch die Quelle: Hören, Rhetorik.ch


Learning to grasp context

Learn to listen to every un-spoken word!

A husband was fed up with the ongoing conflict with his wife. Not willing to bear the strain on his nerves any longer he went to see a master.

Asking for his counsel the puzzled man reported to the wise one:

As soon as one of us opens their mouth the other one will cut right in. Just one world and our fight wells up again. And both of us are left with a bad mood. Having said that I have to confirm that we love each other after all. However, it may not go on like this. In short, i am at my wits end and have no idea how to solve our dissent.
Learn to listen to your wife, said the master. As soon as you are sure that you have learnt to listen to her, you are welcome to consult with me again.

Three months went by until the man came knocking at the master's entrance door a second time. The student of loving shared with him:

Meanwhile I have learnt to listen attentively to every word of my wife. And our quarrels are past.
Well, replied the master smilingly, do you intend to live in a happy marriage?
Yes, he replied beamingly.
Then your next step is to 'learn to listen to every word of your wife which remains unsaid.

Such was the consent of the wise man.

Inspired by source: Hören, Rhetorik.ch


Zitate zum Thema Zuhören

Doch die Juden in Beröa waren eher bereit, Gottes Wort anzunehmen, als die in Thessalonich. Sie hörten sich aufmerksam an, was Paulus und Silas lehrten, wobei sie täglich nachforschten, ob dies mit der Heiligen Schrift übereinstimmt. Apostelgeschichte 17, 11 (NT)
  • Sich weigern, einen Menschen zu belehren, der zuhören möchte, heißt den Menschen zu verlieren.
    Einen Menschen zu belehren, der sich weigert zuzuhören, heißt Worte zu verschwenden.
    Der Weise verliert keine Menschen und verschwendet keine Worte. Konfuzius, Weiser und Stifter der chinesischen Staatsreligion, der den Sinn alles Wissens und Lernens in der sittlichen Vollkommenheit sah (552 v Chr.-479 v. Chr)
  • Der Mensch hat, neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören. Kurt Tucholsky
  • Die Vergangenheit muss reden und wir müssen zuhören. Vorher werden wir und sie keine Ruhe finden. Erich Kästner
  • Das schwierigste am Miteinander Reden ist für viele nicht das Reden, sondern das Zuhören. Ernst Ferstl
  • Ein arabisches Sprichwort besagt, dass jedes unserer Worte durch drei Tore gehen sollte, ehe wir es aussprechen.
    Am ersten Tor fragt der Pförtner: «Ist es wahr?»
    Am zweiten Tor heißt es: «Ist es notwendig?»,
    und am dritten Tor lautet die Frage: «Ist es auch freundlich?»
    Ein Meister des Wortes spricht nur das Wesentliche, und das perfekt in der Emotion, der Stimmlage, der Wortwahl. Ein Meister des Wortes ist gleichzeitig ein Meister des Zuhörens und des Schweigens. Annette Cramer, Das Buch von der Stimme, S. 29, Walter Verlag, Düsseldorf, Zürich, 1998

  • Viele der Kategorien, die man im DSM III (amerikanisches Psychiatrie-Handbuch) findet, wären viel besser unter den Rubriken Abhängigkeit und Koabhängigkeit aufgehoben. [...] Als ich aufhörte, den ausgebildeten Experten zuzuhören und statt dessen den »Laien«-Experten lauschte, die sich mit ihren aktuellen Problemen auseinandersetzten, entdeckte ich, dass auch ich eine teilnehmende Expertin sein konnte. Anne Wilson Schaef, Mein Weg zur Heilung. Jenseits von Wissenschaft und Therapie, S. 129, dtv Verlag, 1995
  • In dem Schweigen in der Mutter-Tochter-Beziehung, das die wahren Erfahrungen der Mutter verhüllt, kann auch die authentische Stimme der Tochter verstummen, denn es ist das Schweigen der Perfektion, das Mütter daran hindert, ihren Töchtern/[Mitfrauen] zuzuhören und mit ihnen zu lernen. Elizabeth Debold, Idelisse Malavé, Marie Wilson, Die Mutter-Tochter-Revolution, S. 177, Rowohlt Verlag, 1994
  • Wenn Mütter [Frauen] ihren Töchtern [Mitfrauen] zuhören, werden sie mit Dingen konfrontiert, die sie in einer sexistischen Gesellschaft zu tolerieren gelernt haben (z.B. herablassend behandelt zu werden oder keinen Zugang zu den Ressourcen zu haben) oder die sie zurückweisen (ernsthafte Auseinandersetzung mit Männern/Freunden, die starke Liebe eines Kindes, Ungerechtigkeit zu hinterfragen). Elizabeth Debold, Idelisse Malavé, Marie Wilson, Die Mutter-Tochter-Revolution, S. 189, Rowohlt Verlag, 1994
  • Das Zuhören zu erlernen, erfordert, sich maßgeblich mit dem, was gesagt wird und nicht, wie es gesagt wird, auseinanderzusetzen. Elizabeth Debold, Idelisse Malavé, Marie Wilson, Die Mutter-Tochter-Revolution, S. 190, Rowohlt Verlag, 1994
  • Die Weitergabe von Informationen ist ein Vorgang, bei dem der Sprecher per definitionem einen höheren Statusrahmen besitzt als der Zuhörer. [gilt für Kinder / Männer] ... Aber wenn Frauen Männern zuhören, denken sie nicht in Statusbegriffen. Deborah Tannen, Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden, S. 149, Mosaik Verlag, 1991
  • Zuhören kann eine Metapher für Verständnis und Anerkennung sein. Deborah Tannen, Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden, S. 152, Mosaik Verlag, 1991
  • Der größte Fehler ist zu glauben, es gäbe eine richtige Art des Zuhörens, Redens, Sich-Unterhaltens - oder eine richtige Art, eine Beziehung zu führen. Deborah Tannen, Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden, S. 331, Mosaik Verlag, 1991
  • Wenn eine Frau am Ende eines Tages ihre ganzen unausgesprochenen Wörter endlich von sich gibt, will sie nicht mit Lösungsvorschlägen zu ihren Problemen unterbrochen werden. Die gute Neuigkeit für die Männer: Sie müssen nicht antworten, sie sollen nur zuhören. Allan und Barbara Pease, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen, S. 139, Ullstein Verlag, 2000
  • Das wichtigste Element ist dabei [beim Dialog] das Hören. Dafür ist die Grundlage der gegenseitige Respekt, die hilfreiche Frage. Es kann dadurch eine Öffnung entstehen, die eine neue Geschichte ermöglicht, vielleicht die wichtigste, die jemand in seinem Leben erzählt hat. Wenn man aber glaubt, man hätte bereits die "richtige" Antwort und die Aufgabe sei es, "unsichere", "dumme" oder gar "kriminelle" Leute auf den "richtigen" Weg zu bringen, dann spielt man ein völlig anderes Spiel. Johan Galtung, Hawai und Genf, zitiert in: Martina Hartkemeyer, Johannes F. Hartkemeyer, Freeman L. Dhority, Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs, S. 220, Klett-Cotta, September 1998
  • Ich lernte daraus, dass Zuhören nicht nur Geduld erfordert, sondern auch, dass es jemand, der ein Leben lang von der Wohlfahrt gelebt hat und abhängig war, wirklich schwer fällt zu sagen, was er möchte. Meist liegt es daran, dass die Leute die Betroffenen nie wirklich fragen. Und wenn sie es tun, sind sie nicht wirklich überzeugt, dass sie die Wahrheit erfahren wollen. Ich hab auch gelernt, dass es beim Zuhören nicht nur ums Abwarten geht, sondern auch darum zu lernen, wie man besser Fragen stellt. Jacqueline Novogratz, Gründerin von Acumen, einer "unternehmerischen” philanthropischen Hilfsorganisation mit 20,000 Arbeitsplätzen in Drittweltländern, Tackling poverty with "patient capital", TED Talks, 3:38 min out of 18:35 minutes length, Video filmed June 2007, posted Aug 2007
  • Lesen Sie nur, lesen Sie immerzu, das Verständnis kommt dann von selbst. Paul Celan, mündlich gegebener Rat an einen ratlosen Leser
  • Solange man selbst redet, erfährt man nichts. Marie von Ebner-Eschenbach


Zitate (engl.) zum Thema Zuhören / Listening

  • Just read, read continously, the understanding will emerge by itself. FU Paul Celan, orally given advice to a clueless reader


Learn to listen when on a mission to save the poor

Jacqueline Novogratz, an idealist young women from Wall Street went on 'a mission to save the third world'.
The poor women from The Ivory Coast sent her away saying: "Africans don't want saving – at least not by you." This taught her the humility to start listening.
In Kenya she found a bakery run by a classic charity organization which occupied twenty prostitutes who in fact were unwed mothers struggling to survive. There Novogratz began to understand the power of language. Her insight is: What we call people so often distances them from us and makes them little.

  • 'Let's paint it [the bakery]!' [The women agreed.] I asked them: 'What color do you want to paint it?' 'You choose,' they said. 'No, I am learning to listen. You choose!' [...] They wouldn't give me an answer. One, two, three weeks went by. And finally I said: 'How about blue?' [The shop was all painted and equipped in blue.] I said [when the renovation was finished]: 'I think the color is perfect.' They all nodded their head, except for one. [...] She said: 'Well, it is pretty, but you know, our color – really – it is green.' And I learned then that listening isn't just about patience. But that when you've lived on charity and were dependent your whole life long it's really hard to say what you mean. And mostly because people never really ask you. And when they do you don't really think they really want to know the truth. I also learned that listening is not only about waiting, but it is also about learning how better to ask questions. Jacqueline Novogratz, pioneer of “market-based” philanthropy, Tackling poverty with "patient capital", TED Talks, 3:38 min out of 18:35 minutes length, Video filmed June 2007, posted Aug 2007

Jacqueline Novogratz learned three lessons in Africa:

  1. Dignity is more important to the human spirit than wealth. [...] People want to be seen and heard and given the dignity of choice.
  2. Traditional charity and aid alone will not solve the problems of poverty.
  3. Markets alone will also not solve the problems of poverty.
    [...] As people get wealthier they also get healthier. Jacqueline Novogratz, pioneer of “market-based” philanthropy, founder of Acumen raising 20,000 job, Tackling poverty with "patient capital", TED Talks, 3:38 min out of 18:35 minutes length, Video filmed June 2007, posted Aug 2007


Stillleben (im Louvre) ca. 1760; Maler: Jean-Baptiste Siméon Chardin


Zitate (engl.) zum Thema Zuhören / Listening

  • Most of the successful people I've known are the ones who do more listening than talking. Bernard M. Baruch (1870-1965), American financier and statesman


Beispiele zum Thema Zuhören

So konnte Momo zuhören!

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.

Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie sass nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hätte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur einer unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann, wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.
So konnte Momo zuhören!

Quelle: Michael Ende, Momo


Bitte höre, was ich nicht sage

Glaube mir nicht, bitte glaube mir nicht!

Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und alleine. Aber ich verberge das. Ich möchte nicht, dass es irgend jemand merkt.

Beim bloßen Gedanken an Schwäche bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen. Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: Eine lässige, kluge Fassade, die mir hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es. Wenn er verbunden wäre mit Angenommen werden, mit Liebe, das ist das einzige, das mir die Sicherheit geben würde, die ich mir selber nicht geben kann: Dass ich wirklich etwas wert bin!

Aber das sage ich dir nicht, ich wage es nicht. Ich habe Angst davor. Ich habe Angst, dass dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, du wirst gering über mich denken und über mich lachen – und dein Lachen würde mich umbringen.

Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir selbst nichts bin, nichts wert, und dass du das siehst und mich abweisen wirst. So spiele ich mein Spiel, ein verzweifeltes Spiel: Eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen.

Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem, was wirklich ist, was in mir schreit; deshalb lass dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.

Bitte höre sorgfältig hin, und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich gerne sagen möchte, was ich um des Überlebens willen rede und was ich nicht sagen kann.

Ich verabscheue Versteckspielen. Ehrlich! Ich verabscheue dieses oberflächliche Spiel, das ich da aufführe. Es ist ein unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber du musst mir helfen.

Du musst eine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das Letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur du kannst diesen leeren, toten Glanz von meinen Augen nehmen. Nur du kannst mich zum Leben rufen. Jedes Mal, wenn du freundlich und sanft bist und mir Mut machst; jedes Mal, wenn du zu verstehen suchst, weil du dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel, sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel.
Dein Gespür, dein Mitgefühl und die Kraft deines Verstehens hauchen mir Leben ein. Ich möchte, dass du das weißt.

Ich möchte, dass du weißt, wie wichtig du für mich bist, wie sehr du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin – wenn du willst.

Bitte, ich wünschte, du wolltest es. Du allein kannst mir die Maske abnehmen. Du allein kannst mich aus der Schattenwelt, aus der Angst und Unsicherheit befreien aus meiner Einsamkeit.

Übersieh' mich nicht! Bitte – bitte, übergeh' mich nicht! Es wird nicht leicht für dich sein. Die lang ausdauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall und darin liegt meine Hoffnung.

Bitte versuche, die Mauern einzureißen, mit sicheren Händen; ein Kind ist sehr empfindsam. Wer ich bin, magst du fragen. Ich bin jemand, den du gut kennst. Denn ich bin jedermann, den du triffst, jeder Mann, jede Frau, die dir begegnen.

>> * <<

Quelle: Tobias Brocher, Professor für Sozialpsychologie, Frankfurt /M. und Pittsburgh, USA (1962-1970),
Leiter der Akademie für Psychotherapie in Stuttgart und stellvertretender Direktor des Sigmund-Freund-Instituts in Frankfurt,
Von der Schwierigkeit zu lieben, Kreuz-Verlag, 12. Auflage, 2002


Ein Dorf und ein Zirkus verbrennen
Vorurteile behindern die Kommunikation

Ein Reisezirkus in Dänemark war in Brand geraten. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, dass über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clowns lediglich für einen ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten bis zu Tränen. Dem Clown war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute; er versuchte vergebens, die Menschen zu beschwören, ihnen klarzumachen, dies sei keine Vorstellung, kein Trick, es sei bitterer Ernst, es brenne wirklich. Sein Flehen steigerte nur das Gelächter, man fand, er spiele seine Rolle ausgezeichnet – bis schließlich in der Tat das Feuer auf das Dorf übergegriffen hatte und jede Hilfe zu spät kam, so dass Dorf und Zirkus gleichermaßen verbrannten.

Joseph Ratzinger, Kardinal, Einführung in das Christentum, S. 76, Kösel Verlag, München, 7. Auflage, 1968
(einer Parabel des Philosophen Sören Kierkegaard nachempfunden)


A circus proprietor discovered that the big tent was on fire, and he called one of his employees and said

Go into the middle of the circus ring and tell the people that the tent is on fire and they must get out as quickly as they can.

The man went, but in a little while he came back saying

They wouldn't listen to me. They just laughed.
Go again,

said the proprietor,

and make them listen! Say to them the circus is on fire, flee for your lives!

But again he returned, saying

They laughed at me! They refused to listen!

Because the man whom the circus proprietor had sent was the clown; and no-one took the clown seriously.
Sören Kierkegaard, Danish philosopher


Gedichte

* * *

Zuhören


Zuhören heißt:
hin-hören;
inne-werden;
den, dem man zuhört,
an-nehmen,
gelten lassen,
ernst nehmen.

Ein Mensch,
der zuhören kann,
hat Seltenheitswert.
Manchmal kann einer,
der zuhört,
wichtiger sein
als ein Stück Brot.

Unbekannt Hören, Rhetorik.ch


Literatur

  • Allan und Barbara Pease, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen, 15. Aufl. 2002, Ullstein Verlag, 2000
  • Francesco Torralba, Die Kunst des Zuhörens, Beck Verlag, Auflage 1, 19. September 2007


Externe Weblinks zum Thema Zuhören

  • Wikipedia-Einträge Ohr


Externe Audio- und Videolinks (engl.) zum Thema Zuhören


Interne Links

Hawkins