Der Löwe und das Mäuschen
Das Täter↔Opfer-Denkmodell ist so tief in die existierende Weltanschauung des Mainstreams eingegraben, dass es als Perspektive nur selten in Frage gestellt wird. Solches kann eine Google-Recherche leicht nachweisen. In Suchmaschinen lassen sich fast ausschließlich Quellen finden, die das Täter-Opfer-Modell bestätigen, indem sie ihre Argumentation darauf stützen. Sein Realitätsbezug wird nur von wenigen abgesprochen.
Das TO-Modell beruht auf dualistischem Spaltdenken und trifft nicht zu. Die Täter↔Opfer-Betrachtungsweise wirkt sich aus wie ein gesellschaftlicher Virus, denn sie schwingt bewusstseinsmäßig lediglich auf BW 135 (zwischen den Notstandsgefühlen, Angst und Wut). Eine Opferhaltung einzunehmen, ist nicht integer, sie entzieht dem Großen Ganzen Energie inkl. dem "Opfer" selbst.
Die an Tätern und (gewalttätigen) Tatkräftigen orientierte Kultur hat eine punitive Rechtsauffassung und -sprechung hervorgebracht.
Ein ultimatives OPFER, das posthum als König (in der TÄTERrolle?) eines inwendig vorhandenen Reich Gottes verehrt wird, ist der gewaltlose Avatar und Erlöser Jesus von Nazareth, der bereit war, in den Tod zu gehen, der Gottes Wille war und ihm vom Mob zugedacht und von den Machthabern vor Ort vollstreckt wurde.
Ähnlich erging es auch dem griechischen Philosophen Sokrates (BW 540). Ohne die ihm gebotene Fluchtmöglichkeit zu ergreifen, trank er willig den Schierlingsbecher aus, den ihm ein Athener Bürgergremium zugedacht hatte, um den 70-jährigen Fragesteller, der als "Volksschädling" gesehen wurde, zu beseitigen.
In beiden Fällen hat das "Opfer" mit dem Täter-Opfer-Denkmodell, so wie oben beschrieben, nichts gemein. Jesus und Sokrates gaben ihr irdisches Leben in Erfüllung ihres Seelenkontrakts in Ausrichtung auf das Göttliche. Sie handelten als Menschheitslehrer, ohne sich als Geopferte zu bemitleiden. Da sie um die Begrenztheit des menschlichen Verstandes/Gemüts ihrer "Täter" wussten, baten sie um Vergebung für sie.
Zitate von D. Hawkins zum Thema Opferbewusstsein
- Die Opferhaltung ist vergiftend. Man kann einen Menschen, der dem Opfersein verhaftet ist, nicht ändern.
- Die fehlerbehaftete Vorstellung von Kausalität stellt ein riesenhaftes "Sesam-öffne-dich" dar aus Endlosschlaufen mit Opfer-und-Täter-Geschichten, deren Protagonisten serienmäßig ihre Rollen tauschen. inspiriert übertragen aus Licht des Alls, S. 125
- In unserer Gesellschaft übernehmen die Opfer selten die Verantwortung für die Provokation, Verführung oder ausgesprochene Beleidigung. Es dient dem spirituellen Fortschritt, für alles, was einen betrifft, stets Verantwortung zu akzeptieren und die Falle zu vermeiden, Opfer zu sein. Von einem höheren Standpunkt aus gibt es keine Opfer. FU Das All-sehende Auge, S. 211
- Der Glaube an Ursache als substanzielle Realität hat tiefgreifend begrenzende und schädigende Konsequenzen. Er unterteilt alles Leben anhand einer willkürlichen Trennung in Täter und Opfer. […]
Da die Ursache ausschließlich als Gedanke in der Vorstellung existiert, kann sie von jedermann beliebig heraufbeschworen und zurechtgestutzt werden. Im äußersten Extrem fallen die Konzepte von Täter und Opfer zusammen. Durch tiefere Analyse kann man feststellen, dass tatsächlich nur durch willkürliche Auswahl bestimmt wird, wer Opfer und wer Täter sein soll. FU Das All-sehende Auge, S. 388-389
- In der Wirklichkeit gibt es weder Subjekt noch Objekt. […] Kausalität ist nicht erforderlich, was ebenfalls Zeit und Raum ausschließt sowie das Gegensatzpaar: Akteur [Täter] gegenüber Erfahrendem [Opfer]. […]
Auf seltsame Weise ist das Ego gefangen in der berühmten Zweiheit von Täter und Opfer. Als Subjekt hält man sich für die Ursache und deshalb für den Täter. Verzichtet es auf diese Definition wird es zum Objekt und damit zum Märtyrer oder Opfer. FU Das All-sehende Auge, S. 404
- Die ganze Pro-Opfer-Bewegung und die ihr angeschlossene Pop-Psychologie ist von innen heraus schädlich, indem sie die Schicksalsschläge des Lebens pathologisiert, mit denen jeder Erwachsene umzugehen lernen muss. Licht des Alls, S. 129
- In der klinischen Praxis sieht man die endlose Parade des tödlichen Duos von Täter und Opfer. Das Muster lässt sich weder erfahrungsmäßig noch psychologisch noch spirituell auflösen, ehe das Opfer die Verantwortung übernimmt für einige Aspekte seiner Persönlichkeit, in denen es, wenn auch unter Druck gesetzt, dennoch die Rolle des Provokateurs gespielt hat. Licht des Alls, S. 157
Zitate (engl.) von D. Hawkins zum Thema Opferbewusstsein
- Victimhood is intoxicating. You cannot change a person who is hooked on being a victim.
- In 50 years of psychiatry, I found that the hardest thing was to try to get people off victimhood. If you threaten that, they become very resistant. Forget other addictions; the ego thrives on injustice, martyrhood, victimhood. The only juice the ego gets is negativity, so it hates it when you try to take that away from it. You do things for love that you can't do otherwise. Sedona Seminar Identification & Illusion, bereit gestellt von Consciousnessproject.org, 14. August 2004
- By taking responsibility for his own perceptions, the observer can transcend the role of victim to an understanding that nothing 'out there' has power over you. Power vs. Force, S. 72
- The universe is totally free of victims and all eventualities are the unfolding of inner choice and decision. The Eye of the I, S. 61
Zitate von anderen Quellen zum Thema Opferbewusstsein
- Es ist wichtig, für seine Träume ein paar Kämpfe durchzustehen - nicht als Opfer, sondern als Abenteurer. Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts, Umschlagtext, Diogenes Verlag, 11. Auflage, März 2001
Zitate (engl.) von anderen Quellen zum Thema Opferbewusstsein
Gedichte von anderen Quellen über das Opferbewusstsein
Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die Wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht genug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.
Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, V. S. 589 ff
Index: Täter-Opfer-Denkmodell
- Buch 2E, Victim vs. Perpetrator S. 280
- Buch 3E, Victim vs. Perpetrator S. 99, 397
Literatur zum Thema Opferbewusstsein
Externe Weblinks zu Texten zum Thema Opferbewusstsein
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