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2·2012


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Geschichtensammlung

 

Inhaltsverzeichnis (verbergen)

  1. 1. Geschichten in Deutsch
    1. 1.1 Spirituelle Intention – eine Weisheitsgeschichte
    2. 1.2 Die siebte Kammer des siebten Himmels – die vier Rabbiner
    3. 1.3 Trugbilder – Illusionen
    4. 1.4 Auf der Suche nach dem Meer
    5. 1.5 Die Schaulustigen und der Elefant
    6. 1.6 Ein Theoretiker und ein Wassergänger
    7. 1.7 Die übervolle Tasse
    8. 1.8 Allen Recht getan – eine Kunst, die niemand kann
    9. 1.9 Ein Hund im Himmel
    10. 1.10 Wer hat Recht?
    11. 1.11 Das Paradox der Entschleunigung
    12. 1.12 Es geschehe dir nach deinem Glauben
    13. 1.13 Eine missglückte Stilleübung
    14. 1.14 Der Wanderer (Sufigeschichte)
    15. 1.15 Auftrag erfüllt – Feinde ⇔ Freunde
    16. 1.16 Der Diamant
    17. 1.17 Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen
    18. 1.18 Angst vor dem Unbekannten
    19. 1.19 Midlife-Krise – die Verjüngung des Adlers (Phoenix)
  2. 2. Lustige Geschichten
    1. 2.1 Jeder, Jemand, Irgendjemand und Niemand
    2. 2.2 Was wäre wenn? – Behalten Sie sich Ihren Hammer
    3. 2.3 Der Kalif und Knecht – Die Verabredung mit dem Tod
  3. 3. Geschichten in Englisch – English Stories
    1. 3.1 Hidden inside (a Sioux legend)
    2. 3.2 The Paradox of Deceleration
    3. 3.3 Biases hinder Communication
    4. 3.4 The Weight of a Snowflake
    5. 3.5 Skipping the commitment to silence for pride
    6. 3.6 The old woman in the cave and the black dog unraveling the woven garment
    7. 3.7 The mad and belligerent Sultan and the eloqent Lady Sheherazade
    8. 3.8 Pulled by an invisible kite
    9. 3.9 God's smell – A true story
    10. 3.10 The meditator, the mantra, and the water walking hermit
    11. 3.11 Woman from the sky – Spirit in the basket
    12. 3.12 A safe place for love
    13. 3.13 The Chicken-Eagle
    14. 3.14 Fly, eagle, fly
    15. 3.15 An economic tale – A Businessman dumbfounded by a Fisherman
    16. 3.16 Compliance to orders – Foes ⇔ Friends
    17. 3.17 It All Depends on the way You Look At Things
    18. 3.18 God brews the coffee
    19. 3.19 The seventh vault of the seventh heaven – the four rabbinim
    20. 3.20 The swan with the golden feathers
    21. 3.21 Organized truth (religion)
  4. 4. Links zu Geschichtensammlungen / Story collections
    1. 4.1 Audio- und Videolinks (engl.) – Humor / Stories
    2. 4.2 Interne Links

Königin Scheherazade erzählt König Shahryār
ihre Geschichten


 

Geschichten in Deutsch

Spirituelle Intention – eine Weisheitsgeschichte

Ein missgünstiger Prinz und ein weiser Mann

 

Vor langer Zeit lebte in einem Königreich ein weiser Mann, der vom Volk geliebt und respektiert wurde, und ein Prinz, dem die Zuneigung des Volkes nicht zuteil wurde. Der Prinz hasste den weisen Mann, den er als seinen Rivalen bezüglich der Zuteilung von Volksgunst sah, und sann darauf, ihn öffentlich in Misskredit zu bringen.

 

Morgen, dachte der Prinz, werde ich mich als Händler verkleidet auf den Markt stellen, um die Wahrsage-Prüfung mit dem Weisen zu machen. Wenn er auf dem Marktplatz mit den Volksangehörigen spricht, werde ich eine Taube in meiner Hand halten und sagen:

Weiser Mann! Ich frage dich, ist die Taube, die ich in meiner Hand halte, lebendig oder tot?

Wenn er sagt, die Taube sei tot, so werde ich meine Hand öffnen und sie davonfliegen lassen. Sagt er allerdings, die Taube sei lebendig, so werde ich sie in meiner Hand zerquetschen und tot zur Erde fallen lassen.

Einerlei, welche Antwort er gibt, der weise Mann wird vor dem Volk wie ein Narr da stehen.

 

Als der weise Mann am nächsten Tag auf dem Marktplatz erschien und mit den dort Anwesenden zu sprechen begann, nahm der Prinz die Taube aus dem Käfig, erhob seine Stimme und fragte ihn:

Weiser Mann! Ich möchte dir eine einfache Frage stellen.
Ist die Taube, die ich in dieser meiner Hand halte, lebendig oder tot?

 

Plötzlich wurde es ganz still auf dem Platz. Die Augen aller richteten sich auf den weisen Mann. Der hielt inne, sah erst in die Menge und dann zu dem verkleideten Prinzen und antworte schließlich:

 

Das, was du in deiner Hand hältst, ist das, was du daraus machst!

Die siebte Kammer des siebten Himmels – die vier Rabbiner

Eines Nachts kam ein Engel zu vier Rabbinern auf Besuch. Er weckte sie auf und trug sie auf seinen Schwingen in die siebte Kammer des Siebten Himmels. Dort erblickten die vier Neuankömmlinge mit eigenen Augen das Heilige Rad von Hesekiel.

 

Irre werden

  • Schon auf dem Rückweg zu ihrem Heimatplaneten Erde verlor der erste Rabbiner seinen Verstand, denn sein Geist war so stark vom göttlichen Glanz geblendet worden, dass er fortan nur noch brabbelnd durch die Lande irrte.

 

Verleugnung

  • Der zweite Rabbiner zeigte sich unbeeindruckt und zynisch. Er  verleugnete schlicht, was er im Siebten Himmel gesehen hatte. Abwinkend gab er gab zum Besten:
    Ach was, das haben wir doch bloß geträumt!

 

Fanatisch werden

  • Der dritte Rabbiner entpuppte sich als fanatischer Eiferer.
    Sein Terminkalender war voll. Er hielt Vorträge und Seminare über die Bedeutung und die Hintergründe seines Erlebnisses und argumentierte mit anderen Gelehrten.

 

Herzenspoesie

  • Und der vierte Rabbiner wurde ein Dichter,
    der am Fenster seines Zimmers saß und ein Danklied nach dem anderen verfasste über die Tauben im Kirschbaum, seine kleine Tochter in der Wiege und den mit Sternen übersäten Nachthimmel.

 

Er war der Einzige unter den vier Himmelsgästen, die Gott geschaut hatten, der es vermochte, sein Glück zu ertragen.

 

Nachempfunden Clarissa Pinkola Estes (*1945) US-amerikanische Jungsche Psychoanalytikerin, Posttraumaspezialistin, Dichterin,
Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte, Heyne Verlag, 8. Auflage, 1. September 1997

Trugbilder – Illusionen

In einer alten Hindu-Schrift heißt es, dass Gott und ein Weiser namens Narada eines Tages durch eine gewaltige Wüste wandern. Narada fragt Gott:

O höchster Herr, was ist das Geheimnis des Lebens und der Trugbilder dieser Welt?

Gott lächelt und schweigt. Sie marschieren weiter.

 

Mein Sohn,

sagt Gott schließlich,

die Sonne scheint heute recht heiß, und ich bin durstig. Vor dir befindet sich ein Dorf. Geh hin und hole mir einen Becher Wasser.

 

Narada macht sich auf den Weg. Er kommt in das Dorf und klopft an die Tür des ersten Hauses. Eine wunderschöne Frau öffnet die Tür. In dem Augenblick, als Narada in ihre Augen blickt, vergisst er Gottes Befehl und den Grund, warum er in das Dorf gehen sollte. Die Frau bittet Narada in das Haus, wo er von ihrer Familie auf das herzlichste begrüßt wird. Es ist, als ob jeder in diesem freundlichen Haushalt ihn erwartet hätte. Narada wird eingeladen, mit der Familie zu speisen und die Nacht über zu bleiben. Er nimmt freudig an, genießt die Gastfreundschaft der Familie und bewundert insgeheim die Schönheit der jungen Frau.

 

Es vergeht eine Woche, dann zwei. Narada beschließt zu bleiben, und schon bald übernimmt er einen Teil der Haushaltspflichten. Nach einem angemessenen Zeitraum bittet er um die Hand der jungen Frau. Die Familie hat nichts anderes erwartet. Alle sind höchst erfreut. Narada und sein junges Weib bleiben im Haus der Familie, wo sie ihm schon bald drei Kinder gebärt, zwei Söhne und eine Tochter. Jahre vergehen. Die Eltern seiner Frau sterben. Narada wird zum Hausherrn. Er eröffnet einen kleinen Laden im Dorf, der sehr gut läuft. Schon bald ist er ein angesehener Bürger der Gemeinde und ein geachtetes Mitglied des Gemeinderats. Narada geht auf diese Weise in den uralten Freuden und Sorgen des Dorfes auf und lebt viele Jahre in Zufriedenheit.

 

Eines Abends mitten in der Regenzeit bricht ein gewaltiger Sturm aus, und der Fluss steigt durch die plötzlichen Fluten so sehr an, dass er das Dorf überschwemmt. Narada sammelt seine Familie um sich und führt sie durch die dunkle Nacht auf eine Anhöhe. Aber der Wind bläst mit solcher Gewalt, und die Regenschauer sind so heftig, dass einer von Naradas Söhnen weggerissen wird. Narada will nach dem Jungen greifen und lässt dabei seinen anderen Sohn los. Kurz darauf reißt ihm ein Windstoß seine Tochter aus den Armen, dann verschwindet auch noch sein geliebtes Weib in der donnernden Dunkelheit. Narada jammert hilflos und richtet seine geballte Faust gegen den Himmel. Aber seine Schreie werden von einer haushohen Welle übertönt, die aus den Tiefen der Nacht aufsteigt und ihn kopfüber in den Fluss stürzt. Ihm wird schwarz vor Augen.

 

Viele Stunden, vielleicht Tage vergehen. Langsam und unter Schmerzen kommt Narada wieder zu sich. Er muss entdecken, dass er weit flussabwärts auf einer Sandbank gestrandet ist, fast nackt und halbtot. Es ist ein helllichter Tag und der Sturm ist vorüber. Doch nirgends entdeckt er ein Lebenszeichen von seiner Familie oder einem anderen Lebewesen. Lange Zeit liegt Narada einfach nur auf dem Sand, fast verrückt vor Kummer und Einsamkeit. Trümmer treiben auf dem Fluss an ihm vorüber, und der Wind trägt den Geruch des Todes mit sich. Alles wurde ihm genommen; alle lebensspendenden und kostbaren Dinge sind in den wirbelnden Fluten versunken. Es scheint, dass er nichts tun kann, außer zu weinen.

 

Plötzlich hört Narada hinter sich eine Stimme, die ihm das Blut in den Adern stocken lässt.

Mein Kind,

fragt diese Stimme,

wo ist mein Becher Wasser?

 

Narada dreht sich um und sieht Gott vor sich stehen. Der Fluss verschwindet, und er ist wieder mit Gott allein in der leeren Wüste. Wo ist mein Wasser? fragt Gott erneut:

Ich warte jetzt schon mehrere Minuten.

 

Narada wirft sich dem Herrn zu Füßen und fleht um Vergebung.

Ich habe es vergessen!,

ruft Narada immer wieder.

Ich habe vergessen, worum Ihr mich gebeten habt, großer Herr! Vergebt mir!

 

Gott lächelt und sagt:

Verstehst du nun das Geheimnis hinter deinem Leben und den Trugbildern der Welt?

 

Harry R. Moody, Ph.D., US-amerikanischer Professor für Philosophie,
Sinnkrisen in der Mitte des Lebens, S. 569 ff., Droemersche Verlagsanstalt, München, 1997


 

  • Sie [die Rückkehr zu Gott] dauert so lange, wie wir brauchen, um die Aufgaben zu vollenden, die uns für dieses Leben gegeben wurden. So gesehen ist die Rückkehr erst dann vollendet, wenn jeder Augenblick unseres Lebens zu einem Zeugnis für das wird, was wir vergessen haben und woran wir uns wieder erinnern müssen – für unsere spirituelle Mission. Es ist eine unendliche Geschichte, deren Mitte überall in unserem Leben und deren Enden im Nirgendwo liegen. Der Sinn hinter diesem Geheimnis kann nur erraten oder, besser noch, in Gleichnissen und Geschichten ausgedrückt werden. Harry R. Moody, Ph.D., US-amerikanischer Professor für Philosophie, Sinnkrisen in der Mitte des Lebens, Droemersche Verlagsanstalt, München, 1997

Auf der Suche nach dem Meer

Ein junger Fisch schwamm irgendwo im Meer. Als er einem anderen Fisch begegnete, fragte er ihn:

"Entschuldige bitte, du bist so viel älter und erfahrener als ich, vielleicht kannst du mir weiterhelfen. Sag mir doch, wo ich die Sache finden kann, die man Meer nennt? Ich habe bisher überall vergeblich danach gesucht."
"Das Meer",

sagte der ältere Fisch,

"ist das, worin du jetzt gerade schwimmst."
"Das? Aber das ist doch nur Wasser. Ich suche doch das Meer!"

rief der junge Fisch enttäuscht und schwamm davon, um anderswo weiterzusuchen.

 

Anthony de Mello SJ (1931-1987) indischer katholischer Jesuitenpriester, Psychotherapeut, geistiger Lehrer, Gib Deiner Seele Zeit

Die Schaulustigen und der Elefant

Man hatte einen Elefanten zur Ausstellung bei Nacht in einen dunklen Raum gebracht. Die Menschen strömten in Scharen herbei. Da es dunkel war, konnten die Besucher den Elefanten nicht sehen und so versuchten sie, seine Gestalt durch Betasten zu erfassen. Da der Elefant groß war, konnte jeder Besucher nur einen Teil des Tieres greifen und es nach seinem Tastbefund beschreiben.

  1. Einer der Besucher, der ein Bein des Elefanten erwischt hatte, erklärte, dass der Elefant wie eine starke Säule sei;
  2. ein zweiter, der die Stoßzähne berührte, beschrieb den Elefanten als spitzen Gegenstand;
  3. ein dritter, der das Ohr des Tieres ergriff, meinte, er sei einem Fächer nicht unähnlich;
  4. der vierte, der über den Rücken des Elefanten strich, behauptete, dass der Elefant so gerade und flach sei wie eine Liege.

 

Hamid Molana, iranisch-US-amerikanischer Dichter, Berater des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad

Ein Theoretiker und ein Wassergänger

Ein Theoretiker, der ES schwer merkt und
ein Wassergänger, der sich schwer was merken kann

 

Ein Derwisch spazierte an einem See entlang und hörte, wie jemand den Ruf der Derwische falsch rezitierte. Er sah es als seine Pflicht an, den Unglücklichen, der die Silben derart unstimmig betonte, zu berichtigen. Also mietete er sich ein Boot und fuhr zu der Insel hinüber, von der die lauten Misstöne kamen. Es könnte sich um ja einen Derwisch handeln, der keinen Lehrer gehabt hatte, und wahrscheinlich sein Bestes tat, um sich mit der Sinngehalt hinter den Tönen in Einklang zu bringen.

 

Auf der Insel angekommen unterrichtete und berichtigte er seinen Mitbruder in der Kunst des Derwischrufs. Dieser bedankte sich dafür. Der Hilfreiche, ganz zufrieden mit seiner guten Tat, machte sich auf den Heimweg und dachte bei sich:

"Immerhin heißt es, dass ein Mensch, der die heiligen Formeln richtig rezitiert,
sogar auf dem Wasser zu gehen vermag."

 

Während er so dachte, tauchte plötzlich eine seltsame Erscheinung vor ihm auf. Sein Derwischkollege von der Insel kam über das Wasser auf ihn zugelaufen.

"Bruder",

sagte jener zu ihm, als er nahe genug bei ihm war,

"verzeih mir, dass ich dich störe. Ich bin dir eigens nachgegangen, um dich zu bitten, mir nochmals zu erklären, wie man den Spruch richtig aufsagt. Leider kann ich mir die Wiederholungen nur schwer merken."

 

Sufi-Geschichte, orientiert an der Erzählung von
Idries Shah (1924-1996) persischer Autor der Sufitradition, spiritueller Lehrer

Die übervolle Tasse

Ein Professor wanderte weit hinauf in die Berge, um einen bekannten Zenmönch aufzusuchen. Als der Professor bei ihm eintraf, stellte er sich höflich vor, nannte seine akademischen Titel und bat den Gottesdiener um Unterweisung.

Möchten Sie Tee?,

fragte der Mönch.

Ja, gern,

sagte der Professor.
Der alte Mönch schenkte Tee ein. Als die Tasse war voll, goss der Mönch weiter ein, bis der Tee überfloss und sich als Lache auf dem Tisch ausbreitete und auf den Boden tropfte.

Genug!,

rief der Professor.

Sehen Sie nicht, dass die Tasse schon voll ist? Es passt nicht mehr in sie hinein.

 

Der Mönch antwortete:

Genau so voll wie diese Tasse sind auch Sie mit Wissen und Vorurteilen angefüllt.
Um Neues zu lernen, müssen Sie Ihre Tasse erst einmal leeren.

Allen Recht getan – eine Kunst, die niemand kann

 

Die Geschichte
vom Vater, seinem Sohn und dem Esel

 

Eines Tages wollten ein Vater und sein Sohn ihren Esel zum Markt bringen.
Der Vater ritt auf dem Esel, den der Sohn führte.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als ihnen ein Bauer begegnete
und dem Vater zurief:
Der arme Junge! Wie kannst du als Erwachsener dieses Kind mit seinen kurzen Beinen
so quälen! Hast du kein Herz, du Egoist!
,
Eigentlich hat er recht,
dachte der Vater, stieg ab und ließ den Jungen auf dem Tier sitzen.

 

Nun schritt der Vater voran und führte den Esel.
Nach kurzer Zeit trafen sie ein altes Mütterchen, das seine Stimme erhob:
So eine Unverfrorenheit!
Da sitzt der junge Bengel auf dem Esel und lässt seinen alten Vater nebenher laufen!

Der Junge nahm sich den Vorwurf sehr zu Herzen und bat seinen Vater,
ebenfalls auf den Esel zu steigen.

 

So ritten sie eine Weile gemeinsam auf dem Tier, bis ein Fußgänger zu kreischen begann:
Was für eine Tierquälerei! Da reiten zwei Nichtsnutze dem armen Tier den Rücken durch!
Der Esel wird bald eingehen, wenn ihr ihn nicht schont!

Nun war guter Rat teuer!

 

Vater und Sohn beschlossen, den Esel zu tragen,
damit er sich nach der großen Anstrengung wieder erholen konnte.
Nachdem sie ihn einige Meilen weit getragen hatten, gelangten sie endlich zum Markt.
Dort brach ein lautes Gelächter aus.
So etwas Dummes haben wir noch nicht gesehen!
Wozu tragt ihr den Esel spazieren, wenn er nichts leistet und keinen von euch trägt?
,
wollten die Leute wissen.
Führt den Esel doch am Halfter hinter euch!,
rieten die Einen,
Sie können doch auch beide darauf reiten!,
riefen die Anderen.
Nein, das hält der Esel nicht durch,
aber den Vater allein wird er wohl tragen können.

Und das arme Kind soll sich wohl die Beine aus dem Leib laufen?
Nein, das Kind muss reiten, der Vater ist doch viel kräftiger.

 

Das lautstarke Debattieren auf dem Marktplatz nahm kein Ende
und führte zu keinem brauchbaren Ergebnis.
Viele glaubten zu wissen, wie dieses Dilemma am Besten zu lösen sei.

 

Schließlich blickte der Vater nachdenklich auf seinen Sohn und sprach:
Es ist offensichtlich belanglos, wie wir es anstellen.
Es wird wohl immer jemanden geben, dem es nicht gefällt
und der deswegen Anstoß daran nimmt.

Wir machen ab nun genau das, was wir aus tiefstem Herzen
und bestem Wissen und Gewissen für angemessen halten.

 

Autor unbekannt

Ein Hund im Himmel

Ein alter Mann und sein Hund spazierten einen schmutzigen Weg entlang, der auf beiden Seiten eingezäunt war. Sie kamen zu einer Türe im Zaun und betrachteten das Grundstück dahinter. Dort gab es schöne Wiesen und Waldflecken, ein Paradies für einen Jagdhund mit Jäger.
Auf dem Schild stand zu lesen "Durchgang verboten". Daher setzten Hund und Herr ihren Weg fort.

 

Sie kamen an ein schönes Tor, unter dem ein Wesen in weißer Robe stand.

"Willkommen im Himmel", sagte es.

Der alte Mann war glücklich und wollte geradewegs mit seinem Hund eintreten, doch der Türwächter hielt ihn auf.

"Hunde sind hier nicht erlaubt. Leider darf Ihr Hund nicht herein".
""Was für ein Himmel, in dem Hunde keinen Zutritt haben? Wenn er ausgeschlossen wird, bleibe ich mit ihm draußen. Er war sein ganzes Leben lang mein treuer Begleiter, deshalb werde ich ihn jetzt nicht einfach zurücklassen".
"Sie müssen wissen, was sie tun. Ich warne Sie vor dem Teufel. Er ist auf diesem Weg und wird versuchen Sie zu überreden, bei ihm einzukehren. Er wird Ihnen allerhand versprechen, doch auch bei ihm sind Hunde nicht willkommen. Wenn Sie Ihren Hund nicht zurücklassen wollen, bleiben Sie bis in alle Ewigkeit auf dem steinigen Weg"

 

Der alte Mann ging weiter mit seinem Hund.

 

Sie kamen an einen ramponierten Zaun ohne Tor, es gab lediglich ein Loch im Zaun. Ein alter Mann stand dahinter.

"Entschuldigen Sie, mein Hund und ich sind sehr müde. Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir zu Ihnen reinkommen und uns etwas in den Schatten setzen"?
"Aber nein, kommen Sie ruhig herein. Dort unter dem Baum ist auch etwas Wasser. Machen Sie es sich ruhig bequem!"
"Macht es Ihnen wirklich nichts aus, wenn ich meinen Hund mitbringe? Ein Wesen weiter unten an der Straße hat mir gesagt, dass Hunde hier nirgends erlaubt sind."
"Würden Sie denn hereinkommen, wenn Ihr Hund draußen bleiben müsste?"
"Nein, mein Herr, deshalb bin auch nicht in den Himmel gekommen. Als ich erfuhr, dass dort Hunde nicht willkommen sind, beschloss ich, dass wir lieber bis in alle Ewigkeit auf dem Weg  bleiben. Mit etwas Wasser und Schatten sind wir schon zufrieden. Ich trete hier auf keinen Fall ein, wenn mein geliebtes Tier draußen bleiben muss."

 

Der Mann lächelte und sagte:

"Willkommen im Himmel."
"Sind Sie sicher, dass hier der Himmel ist und Hunde erlaubt sind? Wie kommt dann, dass der andere Torwächter sagte, dass Hunde nirgends erlaubt sind?"
"Das da unten war der Teufel, der alle Leute zu sich holt, die ein komfortables Leben haben möchten und bereit sind, den Begleiter ihres Lebens dafür aufzugeben. Später finden sie zwar heraus, dass sie einen Fehler begingen. Die Hunde kommen hierher, und die schlechten Menschen bleiben dort. Gott erlaubt nicht, dass Hunde aus dem Himmel verbannt werden. Er erschuf sie, um die Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Es ist Unsinn, Mensch und Tier im Jenseits zu trennen?"

 

Inspiriert durch Katzenseite, aus dem Englischen, Autor unbekannt

Wer hat Recht?

Ein Rabbi wurde gebeten, in einem Streitfall schlichtend zu entscheiden.
Der eine der beiden Streitenden kam also zum Rabbi und schilderte ihm seine Sicht der Dinge.
Der Rabbi hörte aufmerksam zu, dachte eine Weile nach und sagte:

"Du hast Recht."

 

Dann kam der zweite Mann und beschrieb dem Rabbi seine Lage. Auch ihm hörte der Rabbi aufmerksam zu, überlegte wieder etwas und sagte:

"Du hast Recht."

 

An dieser Stelle meldete sich die Frau des Rabbis zu Wort und fragte ihren Mann:

"Wie können denn beide Männer Recht haben?"

 

Wieder dachte der Rabbi einen Augenblick nach und antwortete dann:

"Liebes, du hast Recht."

 

Quelle: Orientiert an Gregory M. Corrigan (1923-2009) US-amerikanischer Autor, Die Spiritualität der Unvollkommenheit, Lüchow, 1998

Das Paradox der Entschleunigung

Till Eulenspiegel ging eines schönen Tages mit seinem Bündel an Habseligkeiten zu Fuß zur nächsten Stadt.
Auf einmal hörte er, wie sich schnell Hufgeräusche näherten und eine Kutsche neben ihm anhielt.
Der Kutscher hatte es sehr eilig und rief:

"Sag schnell – wie weit ist es bis zur nächsten Stadt?"

Till Eulenspiegel antwortete:

"Wenn Ihr langsam fahrt, dauert es wohl eine halbe Stunde. Fahrt Ihr schnell, so dauert es zwei Stunden, mein Herr."
"Du Narr",

schimpfte der Kutscher und trieb die Pferde zu einem schnellen Galopp an und die Kutsche entschwand Till Eulenspiegels Blick.

 

Till Eulenspiegel ging gemächlich seines Weges auf der Straße, die viele Schlaglöcher hatte. Nach etwa einer Stunde sah er nach einer Kurve eine Kutsche im Graben liegen. Die Vorderachse war gebrochen und es war just der Kutscher von vorhin, der sich nun fluchend daran machte, die Kutsche wieder zu reparieren.

 

Der Kutscher bedachte Till Eulenspiegel mit einem bösen und vorwurfsvollen Blick, worauf dieser nur sagte:

"Ich sagte es doch: Wenn Ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde."

 

Quelle: Lothar J. Seiwert (*1952) deutscher Ratgeberautor, Wenn du es eilig hast, gehe langsam,
Campus Fachbuch Verlag, Amazon.de Sonderausgabe, S. 21, 17. April 2003

Es geschehe dir nach deinem Glauben

Einst fragte ein Schüler den arabischen Weisen Abd es Salam:

Was meinst du, wird aus mir werden?

Dieser antwortete ihm:

Alles, woran du glaubst, wird in Erfüllung gehen.

Der Schüler zog leichten Herzens von dannen,
erlaubte sich einige Husarenstücken. Leider hat er so oft gefehlt,
so dass er schließlich zum Tode verurteilt wurde.

 

Als er auf dem Schafott stand, kam Abd es Salam des Weges.

Du hast mich falsch beraten!,

rief der Verurteilte.

Ich glaubte, ich würde Kalif werden.
Das ist nicht in Erfüllung gegangen!

Der Weise fragte:

Hast du wirklich daran geglaubt?

Der Verurteilte gab ungern zu, dass er es nicht geglaubt,
sondern es sich gewünscht hatte. Er habe es jedoch
im Innersten gar nicht für möglich gehalten.

Aber erst recht nicht habe ich geglaubt,
dass ich auf dem Schafott enden würde
,

rief er.

 

Abd es Salam antwortete:

Doch, du hast es geglaubt.
Nur hast du offenbar nicht bemerkt, dass du es geglaubt hast!

 

Die Moral von der Geschicht':
Nicht, was der Mensch sich wünscht, trifft eines Tages ein,
sondern das, was er im Innersten glaubt.

Eine missglückte Stilleübung

Vier Mönche beschlossen, zwei Wochen lang gemeinsam in Stille zu meditieren.
In der Abenddämmerung des ersten Tages fing die Kerze an zu flackern
und schließlich verlöschte sie.

1.Der erste Mönch brach das Schweigen, indem er feststellte: "Oh nein! Die Kerze ist erloschen."Faktischer Hinweis
2.Der zweite Mönch brach das Schweigen, indem er fragte: "Hatten wir nicht beschlossen, nicht zu sprechen?" Suggestivfrage
3.Der dritte Mönch brach das Schweigen, indem er sich beklagte: "Warum habt ihr beide das Schweigen brechen müssen?" Warum-Frage
4.Der vierte Mönch brach das Schweigen, indem er lachte und sagte: "Ha! Und ich bin der Einzige, der nicht gesprochen hat."Hochmut s(t)inkt.

Der Wanderer (Sufigeschichte)

Ein Wanderer ist auf Zimmersuche in einer neuen Stadt. Er befragt den örtlichen Weisen:

Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Der Meister stellt ihm eine Gegenfrage:

Wie sind die Menschen in der Stadt, aus der du gezogen kommst?
Oh, dort waren alle Gesindel, Tagediebe und Hungerleider.

Der Weise rät dem Fremden:

Freund, ziehe weiter. Die Städter hier sind auch so.

 

Stunden später erscheint ein anderer Wohnungssuchender bei dem Weisen, um ihn zu fragen:

Meister, wie sind die Menschen in dieser Stadt?

Entgegnet der Weise:

Wie sind die Menschen dort, wo du bisher gelebt hast?

Antwortete der Wanderer:

Oh, Ich bin ungern weggezogen, weil sie alle so freundlich, hilfsbereit, herzensgut und zuvorkommend sind.

Rät ihm der Meister:

Freund, bleibe hier. Wir sind ebenso!

Auftrag erfüllt – Feinde ⇔ Freunde

Ein König schickte seinen Feldherrn mit einem Trupp Soldaten
auf ein Schlachtfeld außer Landes. Sein Befehl an ihn lautete:

Vernichte meine Feinde!

 

Feldherr und Heer waren ausgezogen. Doch niemand im Reich hatte erfahren, was sie in der Ferne ausgerichtet hatten. Als der König nach vielen Monaten noch immer ohne Nachricht geblieben war, schickte er einen Kundschafter aus, um die Lage im Kriegsgebiet zu überprüfen und ihm Bericht zu erstatten.

 

Im Feindesland stieß der Bote auf ein Lager, aus dem schon von Weitem das fröhliche Stimmengewirr eines Festes zu hören war. Der Feldherr und seine Soldaten saßen gemeinsam mit den Feinden des Königs an einem Tisch und feierten.

 

Der Kundschafter stellte den Feldherrn seines Königs zur Rede:

Ihr habt den Auftrag des Königs nicht ausgeführt!
Statt die Feinde zu vernichten, habt ihr euch mit ihnen verbrüdert.

 

Gelassen erwiderte der so gescholtene Feldherr:

Den Befehl des Königs haben wir sehr wohl ausgeführt.
Der Feind ist vernichtet UND
wir haben neue Freunde gewonnen!

 

Inspiriert durch den Beitrag Der Befehl des Königs, Zeitzuleben.de, 1. Juni 2007


 

Um deine Feinde auszumerzen, befreunde dich mit ihnen. Chinesische Weisheit

Der Diamant

Ein weiser Mann hatte den Rand seines Dorfes erreicht und ließ sich unter einem Baum nieder, um dort die Nacht zu verbringen, als ein Dorfbewohner angerannt kam und sagte:

„Der Stein! Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!"
„Welchen Stein?"

fragte der weise Mann.

„Letzte Nacht erschien mir Gott Shiwa im Traum",

sagte der Dörfler,

„und erzählte mir, ich würde bei Einbruch der Dunkelheit am Dorfrand einen weisen Mann finden, der mir einen kostbaren Stein geben würde, so dass ich für immer reich wäre."

Der weise Mann durchwühlte seinen Sack und zog einen Stein heraus.

„Wahrscheinlich meinte er diesen hier",

sagte der Weise, als er dem Dörfler den Stein gab.

„Ich fand ihn vor einigen Tagen auf einem Waldweg. Du kannst ihn natürlich haben."

Staunend betrachtete der Mann den Stein. Es war ein Diamant. Wahrscheinlich der größte Diamant der Welt, denn er war fast so groß wie ein menschlicher Kopf.
Er nahm schnell den Diamanten und ging weg. Die ganze Nacht wälzte er sich im Bett und konnte nicht schlafen. Am nächsten Tag weckte er den weisen Mann bei Anbruch der Dämmerung und sagte:

„Gib mir den Reichtum, der es dir ermöglicht, diesen Diamanten so leichten Herzens wegzugeben."

 

Günther Hager, österreichischer Dichter, Facebook-Eintrag, 20. August 2010

Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen.
Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller.
Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel ihn fragte,

"Warum tust du das?",

antwortete der ältere Engel:

"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

 

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen.
Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können?

"Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm",

meinte er anklagend.

"Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben."

 

Der ältere Engel sagte:

"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen",
"Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden konnte.
Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.

Angst vor dem Unbekannten

Die schwarze Tür zur Freiheit
Ein Minister hatte seinem König lange Jahre treu gedient. Eines Tages wurde er wegen Hochverrats angezeigt und überführt, ihn erwartete die Todesstrafe. Der König gewährte ihm wegen seiner langjährigen Dienste die Gnade, seine Todesart zu wählen. Er führte ihn in einen Saal, wo die Hinrichtungswaffen lagen. Dort zeigte er ihm auch eine schwarze Tür. Der Minister wählte eine der Todesarten.
Die Königin fragte:

Was ist denn hinter der schwarzen Tür?

Der König antwortete:

Das große weite Land der Freiheit.
Da die Menschen Angst haben vor dem Unbekannten, öffnen nur ganz wenige die schwarze Tür.

Inspiriert durch Hildegunde Wöller (*1938) deutsche evangelische Theologin, kirchliche Rundfunkredakteurin, Lektorin, Autorin,
Meine Uhr geht nach dem Mond, S. 23

Midlife-Krise – die Verjüngung des Adlers (Phoenix)

Der Adler wird normalerweise dreißig bis fünfzig Jahre alt. Der Legende nach kann er auch siebzig Jahre alt werden, wenn er in seinem vierzigsten Lebensjahr eine schwere, äußerst wichtige Entscheidung trifft.

 

Als der Adler vierzig Jahre alt war, began die Schärfe seiner Krallen nachzulassen, weswegen er nicht mehr so gut Tiere erbeuten konnte. Sein Schnabel sah aus  wie eine Sichel. Lang und krumm geworden, berührte er beim Fressen beinahe seine Brust und störte. Sein Federkleid war dicht geworden, so dass seine Flügel schwer wogen und das Fliegen ihm Mühe machte.

 

Der Adler konnte entweder auf den Tod warten oder sich entscheiden, eine schmerzliche Phase der Erneuerung zu durchlaufen.

 

Um sich zu verjüngen, musste er mühsam zu einem überhängenden Felsen fliegen, wo sich keine anderen Vögel oder Tiere aufhielten. Dort sollte er etwa 150 Tage lang bleiben.

 

Zuerst musste er seinen Schnabel am Felsen abwetzen, bis er mit Haut und Horn vollständig abfiel. Dann wartete er, bis ihm ein neuer Schnabel nachgewachsen war. Diesen benutzte er als Meißel, um sich damit die Krallen von seinen Zehen auszuklopfen. Nachdem ihm neue Krallen nachgewachsen waren, rupfte er seine alten Federn aus. Nach fünf Monaten war ihm ein neues Federkleid gewachsen.
Nun konnte er wieder unbehindert fliegen, jagen und fresen. Er lebte noch weitere dreißig Jahre.

 

Seine Vergangenheit und überalterte Dinge und Gewohnheiten abzulegen, ist ein schmerzhafter Vorgang von Tod und Geburt, Erneuerung und Wiederbelebung.

 

Die Geschichte ist eine Internet-Ente; sh. Rebirth Of The Eagle Hoax (engl.)

Lustige Geschichten

Jeder, Jemand, Irgendjemand und Niemand

Vier Kollegen namens JEDER, JEMAND, IRGENDJEMAND und NIEMAND waren beauftragt,
eine wichtige Arbeit zu erledigen.

JEDER war sicher, dass sich JEMAND darum kümmert. IRGENDJEMAND hätte es tun können,
aber NIEMAND tat es.

JEMAND wurde wütend, weil es JEDERS Arbeit war. JEDER
dachte, IRGENDJEMAND könnte es machen, doch NIEMAND wusste,
dass JEDER es nicht tun würde.

Schließlich beschuldigte JEDER JEMAND, weil NIEMAND tat,
was IRGENDJEMAND hätte tun können.

 

Quelle unbekannt

Was wäre wenn? – Behalten Sie sich Ihren Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel:
Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und da bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich.
Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er «Guten Tag» sagen kann, schreit ihn unser Mann an:
Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!

 

Paul Watzlawick (1921-2007) österreichisch-US-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Soziologe, Philosoph, Autor, Anleitung zum Unglücklichsein, S. 37 f., Piper Verlag, München, 1984

Der Kalif und Knecht – Die Verabredung mit dem Tod

Ein reicher und angesehener Kalif schickte einen seiner Knechte auf den Markt zum Einkaufen. Kurze Zeit später stand der Knecht mit leeren Händen, bleich und am ganzen Leib zitternd vor ihm. Er warf sich vor seinem Herrn auf die Knie und flehte ihn an:

"Herr, ich muss fliehen! Leih mir bitte dein schnellstes Pferd! Ich muss schleunigst fort! Ich muss weg von hier, diesem schrecklichen Ort!"
"Bei Allah, was ist geschehen?",

entgegnete ihm der Kalif.

"Er ist mir begegnet. Mitten auf dem Marktplatz traf ich ihn. Groß und schwarz stand er vor mir, mit einem breiten schwarzen Hut, der TOD! Angesehen hat er mich, und ich glaube, er wollte mich packen. Er hat es auf mich abgesehen. Ich bin gerannt, so schnell ich konnte, um zu dir zu gelangen. Du allein kannst mir helfen. Leih mir dein schnellstes Pferd! Ich will nach Ashdod fliehen! Das ist eine Hafenstadt. Da gibt es Millionen Menschen. Da sind enge Gassen. Da werde ich mich verstecken."

Der Kalif empfand großes Mitleid mit seinem verstörten Diener. Er lieh ihm sein schnellstes Pferd. Sein Diener jagte davon. Noch vor Einbruch der Dunkelheit wollte er Ashdod, die ferne Hafenstadt, erreichen. Dort konnte er vor dem Tod sicher sein.

 

Der Kalif aber war neugierig geworden. Ihn wunderte die Beschreibung des Todes, mehr aber noch die Vorstellung, dass der Tod seinen Diener absichtlich erschreckt habe. So entschloss er sich, zum Markt zu gehen, um den Tod zu treffen. Das bunte und geschäftige Treiben des Marktes nahm ihn augenblicklich gefangen. Es dauerte nicht lange, bis ihm Zweifel an der Schilderung seines Knechtes kamen.
Was sollte der Tod wohl mitten in der Hektik des alltäglichen Marktgeschreis?
Doch dann sah er die Gestalt. Wie beschrieben, groß und schwarz, mit einem breiten schwarzen Hut. Er folgte der Gestalt. Bald standen sie sich gegenüber. Es gab keinen Zweifel mehr, das war der TOD.
Der Kalif sah ihn an und fragte:

"Du hast heute morgen meinen Knecht erschreckt. Warum? Hattest du eine Verabredung mit ihm?"

Der Tod sah den Kalifen an, zuckte kurz mit den Achseln und sprach mit ruhiger Stimme:

"Nein Kalif, ich wollte deinen Knecht nicht erschrecken. Ich habe keinen Grund dafür. Eine Verabredung habe ich wohl mit ihm. Jedoch nicht heute, erst morgen. Allerdings nicht hier, sondern weit weg von hier in der Hafenstadt Ashdod. Es hatte mich sehr verwundert, deinen Knecht heute hier antzutreffen. Denn wie will es gelingen, bis morgen nach Ashdod zu kommen?"



 

Geschichten in Englisch – English Stories

Hidden inside (a Sioux legend)

The Creator gathered all of creation and said,

"I want to hide something from the humans until they are ready for it.
It is the realization that they create their own reality".
The eagle said,
"Give it to me, I will take it to the moon".

The Creator said,

"No. One day they will go there and find it".

The salmon said,

"I will hide it on the bottom of the ocean".
"No. They will go there, too".

The buffalo said,

"I will bury it on the great plains".
"They will cut into the skin of the earth and find it even there".

Then Grandmother Mole, who lives in the breast of Mother Earth, and who has no physical eyes but sees with spiritual eyes, said,

"Put it inside them".

To which the Creator replied,

"It is done".

The Paradox of Deceleration

One day Till Eulenspiegel was leisurely strolling to town.
All over sudden he heard the noise of a nearing vehicle on a road behind him. Soon after a coach came to a halt next to him on a road with pot-holes here and there. The coachman, in a hurry, asked Till:

"Tell me urgently – how long will it take me to get to town?"

Till replied:

"If you go slowly, it will take half an hour. If you go fast, it will take two hours, sir."
"You fool",

scolded the coachman churning the horses to a fast gallop. Not long after that the coach was out of sight.
About an hour later Till turned around a corner where he saw a coach lying in the ditch. Its leading axle was broken. Sure enough it was the hurried coachman from before bitching while trying to repair his coach. Addressed with a scornful glance the easygoing passenger repeated to the driver:

"As I've said: If you go slowly, it will take half an hour."

Biases hinder Communication

A Village and a Circus burn down

 

A circus proprietor discovered that the big tent was on fire, and he called one of his employees and said

Go into the middle of the circus ring and tell the people that the tent is on fire and they must get out as quickly as they can.

The man went, but in a little while he came back saying

They wouldn't listen to me. They just laughed.
Go again,

said the proprietor,

and make them listen! Say to them the circus is on fire, flee for your lives!

But again he returned, saying

They laughed at me! They refused to listen!

Because the man whom the circus proprietor had sent was the clown; and no-one took the clown seriously.

 

Soren Kierkegaard (1813-1855) Danish philosopher, theologist, author

The Weight of a Snowflake

Tell me the weight of a snowflake,

a coal-mouse asked a wild dove.

Nothing more than nothing,

was the answer.

''In that case, I must tell you a marvelous story,

the coal-mouse said.

''I sat on a branch of a fir, close to its trunk, when it began to snow – not heavily, not in a raging blizzard – no, just like in a dream, without a wound and without any violence.
Since I did not have anything better to do, I counted the snowflakes setting on the twigs and needles of my branch. Their number was exactly 3,741,952.
When the 3,741,953rd dropped onto the branch – nothing more than nothing, as you say – the branch broke off.

Having said that the coal-mouse flew away.

 

The dove, since Noah's time, an authority on the matter, thought about the story for a while and finally said to herself,

Perhaps there is only one person’s voice lacking for peace to come to the world.

 

Kurt Kauter (1913-2002) German author

Skipping the commitment to silence for pride

Four monks decided to meditate silently without speaking for two weeks.
By nightfall on the first day, the candle began to flicker and then went out.

1.The first monk said: "Oh, no! The candle is out."Fact based statement
2.The second monk said: "Aren't we supposed not to talk?" Suggestive question
3.The third monk said: "Why must you two break the silence?" Why question
4.The fourth monk laughed and said: "Ha! I'm the only one who didn't speak."Pride sucks.

The old woman in the cave and the black dog unraveling the woven garment

A tale from the Native Americans

In a hidden cave an old woman is weaving a garment up to the trim. Bitten and chewed on porcupine quills are to hold the hem. She removes into the back of the cave to the ever burning fire to stir the seeds of life in the cauldron above the fire.
Meanwhile the black dog in the cave unravels the entire garment which was the result of the work of eons.
Upon her return the old woman finds the chaos. She stands there for a moment and picks up the weaving of the garment again. [...]
Be thankful for the black dog.
If something (the world) would be perfect(ed) it is dead. The world would be over once it is perfected.

 

The beautiful new design had become necessary because the black dog had unraveled both nature and culture.
The old woman knew enough to begin weaving culture and nature, to combine imagination and hard work again so that both are less opposing and less destructive.

 

We are living in the black dog times, in the times of unraveling – and we can choose to weave the loose threads again – back into the world. We are invited to reweave of ourselves and the world. (by the wise one in us)

 

Audio interview with Michael Meade, US American storyteller, mythologist, author of the book The world behind the world. Living at the ends of time on Mythic storytelling and the ends of time, presented by web radio station New Dimensions, Program #3243, host Michael Toms, minute 28:35-32:55, aired 25. February 2008

The mad and belligerent Sultan and the eloqent Lady Sheherazade

  

The name Sheherazade means "born of noble people".
Sheherazade is innate in each woman and each man as the womb to give birth to itself.
As an ardent student of the mysteries Sheherazade was a great storyteller and weaver.
She was an erudite woman who owned 1001 books [which are the background to the [ 1001 Arabian Nights ].

 


Sultan Schahrayar pardons Scheherazade
One Thousand and One Nights

A maddened sultan is broken to pieces due to the betrayal by his wife.
The fragmented token man kills her and weds maidens of the country night after night and sleighs them in the morning.
Thereby the bloodthirsty leader is bleeding out and decimating the female side of the world.

 

Sheherazade offers herself to be the next bride of death. And she takes her sister along as a witness and as a safe guard. At dawn Sheherazade starts to tell one of 1001 stories about other people who had been betrayed. However, she does not finish telling them.
She risks her life, her sister's life, the lives of all other women in the country. Night after night it is to be seen if the king decides to keep on listening to her unfinished story.
After 1001 nights they had two children and the king was healed. He had become sane again, and the couple married in love.

  • The Sultan was blessed with wisdom and grace and could finally surrender, drop the sword of doom [...] and transcend his ingrown belligerence.
  • Sheherazade had succeeded in weaving the broken king back into his own love and then loved him herself.

 

* * *

 

  • Sheherazade represents the mythological feminine, the Isis who recombined her fragmented mate.
  • She insisted on the importance of sisterhood (and informed witnesses).
  • She is the one of first feminists aware of the web of ancient stories.
  • She insisted on facing off with the Sultan who was wearing the sword of doom.
  • She looked like she would be the queen of death, whereas she became the victorious queen of life.
  • She was so feminine that she saved the lives of all her sisters and the masculine of itself (which sometimes is needed).

 

The story plays in ancient Iraq. In modern Iraq the "Arabian Nights" have been banned and burned for being evil (i.e. pornographic). The book is filled with love stories. People think it was in a harem where the old timeless folk tales were being told among the women.

 

The only way to love the world is to love the eternity in it.
Human beings are tied to the eternal unending song.

 

Audio interview with Michael Meade, US American storyteller, mythologist,
author of the book The world behind the world. Living at the ends of time
on Mythic storytelling and the ends of time,
presented by web radio station New Dimensions, Program #3243, host Michael Toms,
minute 32:50-41:26, aired 25. February 2008

Pulled by an invisible kite

When Alexander the Great came to conquer India, he met a master whose name was Dandamis. Alexander questioned the master,

‘Do you believe in God? If I cannot see anything, so how can I believe? How do you believe without seeing him?’

The master laughed.
He took Alexander by the hand and walked down the beach. Alexander followed – maybe Dandamis  was taking him where he could show him God.
A small boy was flying a kite at the seashore. His kite had gone so far away that it was impossible to see it with bare eyes. The sage smiled secretly and stopped there while Alexander waited impatiently.
The master asked the little boy,

‘Where is your kite? We cannot see it. Without seeing it, how can we believe it is actually in existence? So where is that kite of yours? How do you still believe it even exists?’

The boy laughed merrily and looked pityingly at the master for asking such an absurd question. He said,

‘I can feel the pull of it.’

And the master smiled and said to Alexander,

‘I can also feel the pull of it.’

God's smell – A true story

Dallas. As the doctor walked into the small hospital room of Diana Blessing, she was still groggy from surgery. Her husband, David, held her hand as they braced themselves for the latest news.
That afternoon of March 10, 1991, complications had forced Diana, only 24-weeks pregnant, to undergo an emergency Cesarean to deliver the couple's new daughter, Dana Lu Blessing.
At 12 inches long and weighing only one pound nine ounces, they already knew she was perilously premature.
Still, the doctor's soft words dropped like bombs.

"I don't think she's going to make it,"

he said, as kindly as he could.

"There's only a 10-percent chance she will live through the night, and even then, if by some slim chance she does make it, her future could be a very cruel one."

 

Numb with disbelief, David and Diana listened as the doctor described the devastating problems Dana would likely face if she survived. She would never walk, she would never talk, she would probably be blind, and she would certainly be prone to other catastrophic conditions from cerebral palsy to complete mental retardation, and on and on.

"No! No!"

was all Diana could say. She and David, with their 5-year-old son Dustin, had long dreamed of the day they would have a daughter to become a family of four. Now, within a matter of hours, that dream was slipping away.
As those first days passed, a new agony set in for David and Diana. Because Dana's underdeveloped nervous system was essentially 'raw', the lightest kiss or caress only intensified her discomfort, so they couldn't even cradle their tiny baby girl against their chests to offer the strength of their love.
All they could do, as Dana struggled alone beneath the ultraviolet light in the tangle of tubes and wires, was to pray that God would stay close to their precious little girl. There was never a moment when Dana suddenly grew stronger. But as the weeks went by, she did slowly gain an ounce of weight here and an ounce of strength there. At last, when Dana turned two months old, her parents were able to hold her in their arms for the very first time.
And two months later, though doctors continued to gently but grimly warn that her chances of surviving, much less living any kind of normal life, were next to zero, Dana went home from the hospital, just as her mother had predicted.
Five years later, when Dana was a petite but feisty young girl with glittering gray eyes and an unquenchable zest for life, she showed no signs whatsoever of any mental or physical impairment. Simply, she was everything a little girl can be and more. But that happy bending is far from the end of her story.

 

One blistering afternoon in the summer of 1996 near her home in Irving, Texas, Dana was sitting in her mother's lap in the bleachers of a local ball park where her brother Dustin's baseball team was practicing.
As always, Dana was chattering nonstop with her mother and several other adults sitting nearby when she suddenly fell silent. Hugging her arms across her chest, little Dana asked,

"Do you smell that?"

Smelling the air and detecting the approach of a thunderstorm, Diana replied,

"Yes, it smells like rain."

Dana closed her eyes and again asked,

"Do you smell that?"

Once again, her mother replied,

"Yes, I think we're about to get wet. It smells like rain."

 

Still caught in the moment, Dana shook her head, patted her thin shoulders with her small hands and loudly announced,

"No, it smells like Him.
It smells like God when you lay your head on His chest."

 

Tears blurred Diana's eyes as Dana happily hopped down to play with the other children.
Before the rains came, her daughter's words confirmed what Diana and all the members of the extended Blessing family had known, at least in their hearts, all along.

The meditator, the mantra, and the water walking hermit

A devoted meditator, after years concentrating on a particular mantra, had attained enough insight to begin teaching. The student's humility was far from perfect, but the teachers at the monastery were not worried.

 

A few years of successful teaching left the meditator with no thoughts about learning from anyone; but upon hearing about a famous hermit living nearby, the opportunity was too exciting to be passed up.

 

The hermit lived alone on an island at the middle of a lake, so the meditator hired a man with a boat to row across to the island. The meditator was very respectful of the old hermit. As they shared some tea made with herbs the meditator asked him about his spiritual practice. The old man said he had no spiritual practice, except for a mantra which he repeated all the time to himself. The meditator was pleased: the hermit was using the same mantra he used himself -- but when the hermit spoke the mantra aloud, the meditator was horrified!

 

"What's wrong?" asked the hermit.

 

"I don't know what to say. I'm afraid you've wasted your whole life! You are pronouncing the mantra incorrectly!"

 

"Oh, Dear! That is terrible. How should I say it?"

 

The meditator gave the correct pronunciation, and the old hermit was very grateful, asking to be left alone so he could get started right away. On the way back across the lake the meditator, now confirmed as an accomplished teacher, was pondering the sad fate of the hermit.

 

"It's so fortunate that I came along. At least he will have a little time to practice correctly before he dies." Just then, the meditator noticed that the boatman was looking quite shocked, and turned to see the hermit standing respectfully on the water, next to the boat.

 

"Excuse me, please. I hate to bother you, but I've forgotten the correct pronunciation again. Would you please repeat it for me?"

 

"You obviously don't need it," stammered the meditator; but the old man persisted in his polite request until the meditator relented and told him again the way he thought the mantra should be pronounced.

 

The old hermit was saying the mantra very carefully, slowly, over and over, as he walked across the surface of the water back to the island.

Woman from the sky – Spirit in the basket

An African farmer found out that his cows gave less milk than they used to.

Who had stolen their milk?

 

As it turned out a woman from the sky who came down from a bright star admitted that she and her sisters had taken from it as they liked the milk so much.

 

He fell in love with the starry woman and proposed to marry her who had come from the sky.
He suggested to her that she might look after his cows and get plenty of milk that way.
Under one condition she was willing to agree to his proposition. He was never to take a look into her basket.
He, eager to have her as a companion at his side, accepted her condition.
They got married and things went well with them.

 

One day, after half a year had passed, his wife was out tending the cows.
The farmer decided to open her basket and take a look inside.
He started to laugh and kept on laughing, stating:

There is NOTHING in the basket.

 

She came home following his commotion. Without hesitation she told him that he had broken their agreement:

You have opened the basket! Now I have to leave from here.

He begged her not to go.
She said:

What I brought with me in the basket was SPIRIT, but human beings perceive it as NOTHING.

And she was gone.

 

This story was first told by Robert Bly (*1926) US American poet, author, activist, leader Mythopoetic Men's Movement.
Audio interview with John O'Donohue (1956-2008) Irish poet, author, priest, Hegelian philosopher, storyteller,
Anam Cara, Eternal Echoes, and Beauty,
presented by CBC Radio Tapestry, host Mary Hynes, 2004, minute 43:30, 45:28 minutes duration, aired 13. January 2008

A safe place for love

Millennia of years ago, when God was creating life, He inquired with the angels,

“Where on Earth should we put love? It’s so precious I intend to put it someplace safe.”

 

The angels thought for awhile.
The first one said,

“Put it in the food. Surely the humans will find it there and cherish it.”

 

Another angel suggested,

“Put it in the ground. Every time the humans walk they will feel it.”

 

A third one offered,

“Put it in the sky. That way it will be everywhere.”

 

Finally God concluded,

“I know — I’ll put it in their hearts. Right there inside of them. It will be safe there, but it will be the last place they look.”

The Chicken-Eagle

A man found an eagle's egg and put it in a nest of a barnyard hen.
The eaglet hatched with the brood of chicks and grew up with them.
All his life the eagle did what the barnyard chicks did, thinking he was a barnyard chicken.
He scratched the earth for worms and insects. He clucked and cackled.
And he would thrash his wings and fly a few feet into the air.

 

Years passed and the eagle grew very old. One day he saw a magnificent bird above him in the cloudless sky.
It glided in graceful majesty among the powerful wind currents, with scarcely a beat of its strong golden wings.

 

The old eagle looked up in awe.

"Who's that?" he asked.

 

"That's the eagle, the king of the birds," said his neighbor.
"He belongs to the sky. We belong to the earth – we're chickens."

So the eagle lived and died a chicken, for that's what he thought he was.

 

Source: Anthony de Mello SJ (1931-1987) Indian Catholic Jesuit priest, psychotherapist, spiritual leader,
Awareness, Center for Spiritual Exchange, published by Doubleday, 1990

Fly, eagle, fly

I must tell you this story. [...]
There was a farmer. The farmer had chickens in his back yard. But he had a strange looking chicken.
And the farmer wondered, I mean, this strange looking chicken, it does behave like the other chickens, it pecks away, but it doesn't – it doesn't look quite like the others.
And then a traveler comes along who knows about this and he says to the farmer,

"No, no, no, man, that's no chicken there. That's an eagle."

And the traveler says,

"Please, give it to me."

And the farmer gives him this strange looking chicken. And he takes this chicken and he goes, up, up, up, to the top of the mountain. And he waits for the sun to rise. And as the sun glides through, this man says,

"Fly, eagle, fly."

And this strange looking chicken spreads out its pinions, shakes itself, and lifts off.
And it soars and disappears way, way into the rising sun.
And God says to us,

"Hey, you are no chicken. You are an eagle. Fly, eagle, fly."

And God expects you, us, to spread out our pinions, shake ourselves, and lift off and soar, and soar towards goodness, soar towards transcendence, towards beauty, towards laughter, towards caring, towards sharing.

"Fly, eagle, fly."

 

Source: Audio presentation by Desmond Tutu (*1931) South African anti-apartheid activist, first black now retired Anglican Archbishop of the Anglican Church of Southern Africa, Soar toward goodness, Raoul Wallenberg Lecture, Hill Auditorium, 10:00 minutes duration, posted 29. October 2008

An economic tale – A Businessman dumbfounded by a Fisherman

* * *

 

An American businessman was at the pier of a Mexican fishing village when a small boat with just one fisherman docked.
Inside the small boat were several large yellow fin tuna. The American complimented the Mexican on the quality of his fish and asked how long it took to catch them.

 

The Mexican replied,

"Only a little while."

The American then asked why he didn't stay out longer and catch more fish.
The Mexican said he had enough to support his family's immediate needs.
The American then asked,

"But what do you do with the rest of your time?"

The Mexican fisherman said,

"I sleep late, fish a little, play with my children, take siesta with my wife, Maria, stroll into the village each evening where I sip wine and play guitar with my amigos, I have a full and busy life, senor."

 

The American scoffed,

"I am a Harvard MBA and could help you. You should spend more time fishing and with the proceeds buy a bigger boat. With the proceeds from the bigger boat you could buy several boats, eventually you would have a fleet of fishing boats. Instead of selling your catch to a middleman you would sell directly to the processor, eventually opening your own cannery. You would control the product, processing and distribution. You would need to leave this small coastal fishing village and move to Mexico City, then LA and eventually NYC where you will run your expanding enterprise."

 

The fisherman asked,

"But senor, how long will this all take?"

To which the American replied,

"15-20 years."
"But what then, senor?"

The American laughed and said,

"That's the best part. When the time is right you would announce an IPO and sell your company stock to the public and become very rich, you would make millions."
"Millions, senor? Then what?"

The American said,

"Then you would retire. Move to a small coastal fishing village where you would sleep late, fish a little, play with your kids, take a siesta with your wife, and stroll to the village in the evenings where you could sip wine and play your guitar with your amigos."

 

Animated movie by Dr. Mark Albion, author, More Than Money – What Is "The Good Life" Parable,
presented by Berrett Koehler, 3:06 minutes duration, posted 8. August 2008

 

* * *

Compliance to orders – Foes ⇔ Friends

A king sent out his commander with a troop of soldiers to a foreign battle field.
His command to the general was:

Vanquish my foes!

 

After the general and the army had left the kingdom the regent had not received any news about what had resulted on the battle ground. After many months had passed the king, disquieted, sent out a scout to search for the commander and to report back.

 

On assumed war territory the scout came across a camp, out of which one could hear gay babble of voices. Coming closer he found the commander and his soldiers sitting together with the king's foes at a table and having a good time.

 

The scout took the commander in charge to task:

General, you have failed to execute the king's order!
Instead of eliminating your king's foes you are fraternizing with them.

 

The chided commander serenely replied:

Certainly, we have executed the king's command.
The enemy is vanquished AND we have made new friends!

 

To vanquish your enemies, make friends with them. Chinese proverb

  It All Depends on the way You Look At Things

One day a rich father took his son on a trip to the country with the firm purpose to show him how poor people can be. They spent a day and a night on the farm of a very poor family.

 

When they got back from their trip the father asked his son,

"How was the trip?"
"Very good Dad!"

The father asked again:

"Did you see how poor people can be?"
"Yeah! And what did you learn?"

 

The son answered,

"I saw that
- we have a dog at home, and they have four.

- We have a pool that reaches to the middle of the garden, they have a creek that has no end.
- We have imported lamps in the garden, they have the stars.
- Our patio reaches to the front yard, they have a whole horizon."

 

When the little boy was finishing, his father was speechless. His son added,

"Thanks Dad for showing me how poor we are!"

Source: Author Unknown, Rich Or Poor – How Rich Are You?


 

God brews the coffee

A group of alumni, highly established in their careers, got together to visit their old university professor. Conversation soon turned into complaints about stress in work and life.

 

Offering his guests coffee, the professor went to the kitchen and returned with a large pot of coffee and an assortment of cups – porcelain, plastic, glass, crystal, some plain looking, some expensive, some exquisite – telling them to help themselves to the coffee.

 

When all the students had a cup of coffee in hand, the professor said:

"If you noticed, all the nice looking expensive cups were taken up, leaving behind the plain and cheap ones. While it is normal for you to want only the best for yourselves, that is the source of your problems and stress. Be assured that the cup itself adds no quality to the coffee. In most cases it is just more expensive and in some cases even hides what we drink. What all of you really wanted was coffee, not the cup, but you consciously went for the best cups... and then you began eyeing each other's cups.
Now consider this: Life is the coffee; the jobs, money and position in society are the cups. They are just tools to hold and contain Life, and the type of cup we have does not define, nor change the quality of Life we live.
Sometimes, by concentrating only on the cup, we fail to enjoy the coffee God has provided us.
God brews the coffee, not the cups. Enjoy your coffee!
The happiest people don't have the best of everything. They just make the best of everything.
Live simply. Love generously. Care deeply. Speak kindly. Leave the rest to the Universe."

 

Inspirational video movie Life Is Like A Cup of Coffee, YouTube film, 3:31 minutes duration, posted 6. February 2009
Chocolate Wisdom, YouTube film, 4:15 minutes duration, posted 27. December 2009


 

A force driven life focuses on sheer needs and contents.(cups)
A life filled with true power views content ... (cups) plus context,(coffee)
A life filled with true love and true power views context ... (coffee) plus content.(cups)
A life filled with peace, true love and true power rests in context.(coffee)

 

  1. First we are stirred by the beauty of the young body … (cup)
  2. Then we begin to see the beauty in all bodies. … (cups)
  3. At this point we look to the beauty of the soul. … (coffee)
  4. Then we begin to see the beauty in all souls. … (coffeeness)
  5. Lastly we discover the beauty of the divine ideas. … (essence)

The seventh vault of the seventh heaven – the four rabbinim

One night four rabbinim were visited by an angel who awakened them and carried them to the Seventh Vault of the Seventh Heaven. There they beheld the Sacred Wheel of Ezekiel.

 

Madness

  • Somewhere in the descent from Paradise to Earth, one Rabbi, having seen such splendor, lost his mind and wandered frothing and foaming until the end of his days.

 

Denial

  • The Second Rabbi was extremely cynical:
"Oh i just dreamed of Ezekiel's Wheel, that was all. Nothing really happened."

 

Fanaticism

  • The third Rabbi carried on and on about what he had seen, for he was totally obsessed. [...] He lectured and would not stop with how it was all constructed and what it all meant. [...] And this way he went astray and betrayed his faith.

 

Heartfilled poetry

  • The fourth Rabbi, who was a poet, took a paper in hand and a reed and sat near the window writing song after song praising the evening dove, his daughter and her cradle and all the stars in the sky. And he lived his life better than before.
    Comment: He was the only one of the four heavenly visitors who had seen God (had an epiphany) and was able to bear this grace in a dignified manner.

 

Clarissa Pinkola Estés (*1945) US American Jungian psychoanalyst, post-trauma specialist, poet, Women Who Run With the Wolves. Myths and Stories of the Wild Woman Archetype, Ballantine Books, 1st edition November 1992, updated with new material 1996

The swan with the golden feathers

The father of a poor family is reborn as a swan with golden feathers. He invites his former family members to pluck and sell a single feather from his wings to support themselves, returning occasionally to allow them another. The greedy mother of the family eventually plucks all the feathers at once. However, they turn to ordinary feathers. When the swan recovers its feathers they too are no longer gold. The moral drawn there is:

Contented be, nor itch for further store.
They seized the swan – but had its gold no more.

Suvannahamsa Jataka, 4th section of the Buddhist book Vinaya

Organized truth (religion)

The devil and a friend of his were walking down the street, when they saw ahead of them a man stoop down and pick up something from the ground, look at it, and put it away in his pocket.
The friend said to the devil,

"What did that man pick up?"
"He picked up a piece of Truth,"

said the devil.

"That is a very bad business for you, then,"

said his friend.

"Oh, not at all,"

the devil replied,

"I am going to let him organize it."  

 

Jiddu Krishnamurti [Fallen LoC 175] (1895-1986) Indian spiritual teacher, philosopher, author, theosophist,
Lecture on the dissolution of The Order of the Star of the East, Ommen, Holland, 2. August 1929, Krishnamurti Foundation of America

 

Links zu Geschichtensammlungen / Story collections

Audio- und Videolinks (engl.) – Humor / Stories

  • Video presentation by storyteller Irving Rothstein, Nasrudin's "Perfect Woman", YouTube movie, 1:20 minutes duration, posted 15. October 2006

 

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