Wiki / Gluecksforschung
Erst die Erinnerung muss uns offenbaren
die Gnade, die das Schicksal uns verlieh.
Wir wissen stets nur, dass wir glücklich waren,
doch dass wir glücklich sind, wissen wir nie.
Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Universalgelehrter und Dichter (1749-1832)
Der Seinszustand von Glück und Freude entstammt dem Inneren eines Menschen. Er lässt sich – von außen – weder erkaufen noch erzwingen.
Einzigartig in der Welt sieht die die US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, entstanden 1776 unter Leitung von Thomas Jefferson, für alle Menschen das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück als unveräußerliches Menschenrecht vor.
Der Wiener Psychoanalytiker Sigmund Freud hingegen erachtete die Deutschen als unbegabt für Glück. Freud münzte Glück unter anderem als "laues Behagen".
Glück kann so intensiv sein, dass es als Eustress oder schlimstenfalls als Distress empfunden wird. Der Glücksforscher Csikszentmihalyi hat mit dem denglischen Begriff "Flow" die fließende Qualität des Glücks gewürdigt.
In den 60er Jahren fand der US-amerikanische materialistisch-humanistische Psychologe Abraham Maslow in seiner Glücksstudie heraus: Es gibt nur 5 % wahrhaft glückliche Menschen auf der Erde. 1954 brachte er die berühmte Maslowsche Bedürfnispyramide heraus, wonach der entwickelte Mensch nach Wissen, Schönheit und höherer Ordnung strebt, was schließlich in Selbstverwirklichung mündet, wobei der Eigenwillen aufgehoben wird.
Das Wort Glück stammt von dem mittelniederdeutschen Wort Gelucke (ab 12. Jhdt.) und dem mittelhochdeutschen Gelücke ab. Das Glück geht auf das Verb „gelingen” zurück, das sich von leicht ableiten lässt. Glück ist ... das Gelingende, das Leichtgängige, die günstige W-Endung.
Die deutsche Sprache kennt "Glück haben" (umgangssprachlich Schwein haben) und "glücklich sein". Die englische Sprache hat zwei Begriffe dafür: “luck” (im Sinn von 'Glück haben') und “happiness” (im Sinn von 'Glücklichsein').
Die Quintessenz der internationalen Glücksforschung aus mehr als zehn Jahren lautet: Auffallend glückliche Menschen bestätigen übereinstimmend, dass das Glück aus ihnen selbst kommt und nicht abhängig ist von äußeren Bedingungen wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Wohnort, Reichtum, Bildung oder einem besonderen Glücksereignis.
Glückliche Menschen ...
Zu obigem Ergebnis kamen sowohl die Studien der international bekanntesten Glücksforscher:
Auffallend glückliche Menschen...
...hadern nicht mit ihrem Schicksal
und machen ihr Glück auch nicht davon abhängig, ob sie ein bestimmtes Ziel erreichen oder nicht. Sie sind in der Lage, die Überraschungen des Lebens anzunehmen und wissen, dass sich das Leben ohnehin nicht exakt kalkulieren lässt. Dazu meint Professor Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania: »Glückliche Menschen haben genauso viel Pech wie andere, sie gehen nur anders damit um. Sie fragen beispielsweise nicht »Warum passiert mir das?«, sondern »Wozu ist das gut?« Das gilt selbst bei tragischen Ereignissen.
Kevin Smith, Professor am New England Research Institute, befragte Menschen, deren Leben sich durch einen schweren Unfall oder eine Krankheit komplett verändert hatte. Das Ergebnis war verblüffend: Alle Befragten erklärten, dass sie durch diese Erfahrung sogar an Glück, Liebesfähigkeit und innerem Frieden dazugewonnen hatten. Die Erklärung der Forscher: »Wer aus seinem gewohnten Leben herausgerissen wird, kann seine bisherigen Gewohnheiten nicht mehr aufrechterhalten und muss umdenken. Dazu gehört auch, das Glück nicht mehr im Außen zu suchen, sondern in sich selbst zu finden.«
...leben in der Gegenwart
und sind in der Lage, ihre Aufmerksamkeit weitgehend von Vergangenheit und Zukunft zu lösen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Sie sind präsent im Hier und Jetzt, grübeln weniger über Vergangenes nach und machen sich weniger Sorgen über das, was kommen mag. Das Eintauchen in die Gegenwart gelingt laut Prof. Mihaly Csikszentmihalyi vor allem durch Konzentration: »Wer in dem aufgeht, was er gerade tut, bewegt sich in einer Sphäre der Zeitlosigkeit.« Glückliche Menschen erleben solche zeitlosen Momente häufiger und können sie auch bewusst herbeiführen.
»Diese Fähigkeit lässt sich trainieren«, so meint Jean Claude Kaufmann, Soziologie-Professor an der Pariser Sorbonne: »Indem wir bewusst versuchen, das zu lieben, was gerade ist, wo wir gerade sind und was wir gerade tun.«
...führen ein einfaches Leben
und umgekehrt: Menschen, die ihr Leben vereinfachen, werden glücklicher. Damit ist nicht gemeint, ein Leben in Askese führen zu müssen. Entscheidend ist, sich immer mehr von überflüssigem Ballast zu befreien. Professor Robert Frank von der Cornell Universität in New York führte dazu ein Experiment mit mehreren tausend Menschen durch. Schritt für Schritt vereinfachten diese ihr Leben, indem sie Wohnung, Keller oder Dachboden entrümpelten, ihr Papierchaos ordneten, ihre finanziellen Probleme regelten, aufgeschobene Projekte beendeten und sich auch von unglücklichen Beziehungen trennten. Bereits nach wenigen Wochen verspürten die Studienteilnehmer mehr Leichtigkeit, und nach einem Jahr bestätigten fast alle, dass sie kein Verlangen mehr haben, immer mehr Besitz anzuhäufen und sich dadurch wesentlich freier fühlen.
...reduzieren ihren Medienkonsum
Jeff Davidson, Psychologie-Professor an der Cornell University New York, der die Vereinfachungs-Studie von Professor Frank begleitete, fand heraus: Menschen, die nur noch selten oder gar keine Fernsehnachrichten mehr sehen, spürten schon nach kurzer Zeit deutlich mehr Lebensfreude. Dazu sagt der Forscher: »Das gebündelte Unglück, das dem Zuschauer in den Nachrichten präsentiert wird und an dem er selbst nichts ändern kann, verstärkt zunehmend das Gefühl, in einer feindlichen Welt zu leben, der er hilflos ausgeliefert ist.« Dass zu viel TV-Konsum generell das Wohlbefinden negativ beeinflusst, haben auch andere Studien ergeben. Wer täglich mehrere Stunden vor dem Fernseher sitzt, wird träge und lustlos.
...gehen Risiken ein und stellen sich Problemen
Prof. Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania fand in Studien heraus, dass glückliche Menschen immer wieder die so gennante Komfortzone des Lebens verlassen: »Wachstum zum Glück findet außerhalb der Komfortzone statt. Wer nie Risiken eingeht und nie scheitert, entwickelt sich nicht und erfährt auch nie seine eigene Stärke.« Das bestätigt auch der Hirnforscher Gerald Hüther: »Wer es schafft, eigene Unsicherheiten oder Ängste zu überwinden und ein Problem selbst zu bewältigen, empfindet dadurch Freude.«
...treffen Entscheidungen schneller
und gehen lieber das Risiko falscher Entscheidungen ein, anstatt sie hinauszuzögern und aufzuschieben. Sie erledigen das, was ansteht, statt es anzuhäufen. Dazu meint Professor Ed Diener von der Universität von Illinois: »Wer aufräumt und Liegengebliebenes anpackt, fühlt sich nicht als Opfer von Umständen, sondern als Gestalter – und das ist eine wesentliche Voraussetzung für Glück.«
...pflegen Freundschaften
von sich aus und tun dies auch regelmäßig. Studien haben ergeben, dass gute Beziehungen zu anderen Menschen das Glücksempfinden in hohem Maße stärken. Dabei kommt es jedoch nicht darauf an, möglichst viele Menschen zu kennen, sondern vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen.
...gehen einer erfüllenden Tätigkeit nach
bei der sie ihre Fähigkeiten und Talente ganz einbringen können. Konzentrierte und erfüllende Arbeit mobilisiert das körpereigene Glückshormon Serotonin – was auch bei jeder anderen Tätigkeit passiert, die wir mit Hingabe ausüben.
Professor Mihaly Csikszentmihalyi von der Universität Chicago, der seit über 30 Jahren in der Glücksforschung arbeitet, hat dafür den Begriff Flow definiert. Flow beschreibt einen Zustand, in dem unser Fühlen, Wollen und Denken in vollkommener Übereinstimmung sind. Wir vergessen Zeit und Raum, sogar uns selbst, und das Handeln geht mühelos vonstatten. Solche Flow-Zustände können bei allen Tätigkeiten entstehen: bei der Arbeit, beim Ausüben eines Hobbies, beim Sport, bei Unternehmungen mit Freunden und sogar bei der Hausarbeit.
...tun sich ich selbst Gutes
und nehmen sich auch regelmäßig die Zeit dafür. Das müssen keine großen Unternehmungen sein. Auch »Kleinigkeiten« wie Musik zu hören, ein Buch zu lesen, zu meditieren, sich massieren zu lassen, ein heißes Bad zu nehmen, gehören dazu. Professor Ed Diener von der Universität von Illinois sagt: »Jeder Mensch sollte sich eine Liste anlegen mit allem, was ihm gut tut, damit er sich dann, wenn die Gedanken einmal im Düsteren kreisen, selbst motivieren kann.«
...sind dankbar
»Dankbarkeit ist der schnellste Weg zum Glück«, so die Erkenntnis des Psychologie-Professors Barry Neil Kaufmann aus Massachussetts, die von zahlreichen Untersuchungen über glückliche Menschen bestätigt wird. Menschen, die das Schöne in ihrem Leben bewusst wahrnehmen und wertschätzen, erkennen die ganze Fülle des Lebens (und nicht nur jenen Teilausschnitt, der unerfreulich ist). Dadurch empfinden sie das Leben auch insgesamt als schöner. Die Tiefenpsychologin Dr. Elisabeth Mardorf empfiehlt deshalb, ein Dankbarkeits-Tagebuch zu führen. Denn: »Sich schriftlich aufzuzählen, was im Leben gut ist, verändert innerhalb weniger Wochen die gesamte Wahrnehmung. Ganz von selbst entdecken wir immer mehr Dinge, die uns glücklich machen.«
...haben eine Lebensvision
und wissen, wofür sie leben. Dazu meint Professor Ed Diener: »Glückliche Menschen setzen sich selbst immer wieder langfristige Ziele, die sich in kleinen Schritten erreichen lassen. Oft überschätzen wir, was sich kurzfristig erreichen lässt, und unterschätzen, was auf lange Sicht möglich ist.« Wichtig ist jedoch, sich nicht an seine Ziele zu klammern, sondern offen zu bleiben für neue Möglichkeiten. Und vor allem: nicht erst beim Erreichen des Ziels glücklich sein zu wollen, sondern bereits auf dem Weg dahin.
...glauben an einen übergeordneten Sinn ihres Lebens
Zahlreiche Studien haben ergeben, dass Menschen, die auch an einen übergeordneten Sinn ihres Lebens glauben, glücklicher sind als jene, die das nicht tun. Ob es sich dabei um einen speziellen religiösen Glauben handelt oder nicht, ist zweitrangig.
Quelle: Glücksgespräche Download pdf-Datei, 65 KB
The Satisfaction with Life Index is an attempt to show the average self-reported happiness (subjective life satisfaction) in different nations. This is an example of a recent trend to use direct measures of happiness, such as surveys asking people how happy they are, as an alternative to traditional measures of policy success to GDP or GNP. Some studies suggest that happiness can be measured effectively.
Grün = Höchstes Glück *⇒ Blau *⇒ Violett *⇒ Orange *⇒ Rot = Geringstes Glück; Grau = Keine Daten vorhanden.
Wenn man die Weltbevölkerung von über 6,8 Milliarden Menschen proportional auf ein Dorf mit 100 Einwohnern verkleinert, so ergibt sich folgende Zusammensetzung der Dorfgemeinschaft:
In diesem Dorf leben
Betrachtet man die Welt aus dieser Perspektive, wird offenbar, dass das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit, Verständnis, Akzeptanz und Bildung unumgänglich ist.
Quellen: Internet-kolportierte Statistik, bezogen von David Smith, If the World Were a Village. A Book about the World's People, 32 Seiten, Kids Can Press, Ltd., 10. Februar 2002
Englische Quellen:
Literatur (engl.):
Die Stadt Serendip liegt auf der Insel Ceylon, die heute Sri Lanka heißt. Der König von Serendip hatte drei Söhne. Eines Tages schickte er sie hinaus in die Ferne, um den Schlüssel zum Glück zu finden. Jeder der drei Brüder geriet unterwegs wie im Vorübergehen, in Situationen, die ihn dazu bewegten, seine Vorstellung über das wertvollste Gut im Leben zu ändern. Den begehrten Schlüssel hatte keiner der Prinzen gefunden, doch sind sie wiederkehrend auf Dinge von hohem Wert gestoßen, die sie ursprünglich außer Acht gelassen hatten.
Als die drei Brüder schließlich in ihr Elternhaus zurückkehrten, berichteten sie ihrem Vater, dass ihre Suche nach dem Inbegriff des Glücks ihnen eine Reise voller unerwarteter Glücksfälle beschert hatte. Der König, der gern auf Nebenwegen ging, um dort die Geheimnisse des Lebens zu würdigen, die sich vor dem offenen, aufmerksamen Blick auftun, teilte ihnen mit, dass er das Kostbarste auf der Welt bereits vor den Mauern des Palastes gefunden habe. Gesegnet damit, jene Freude in sich zu spüren, die ihn in ganz alltäglichen Dingen etwas Neues entdecken ließ, schloss er damit:
Die Kunst ist, deine Sinne zu erweitern.
So kannst du immer wieder unerwartet auf Erfreuliches stoßen.
Serendipität bedeutet die Gabe,
zufällig (d.h. absichtslos) jenen Dingen zu begegnen,
die freudige Aufmerksamkeit erwecken und den Geist mit kreativen Ideen beflügeln.
Zusammenfassung eines 700 Jahre alten persischen Märchens
Hawkins