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Laotse BW 610

Der Sinn, den man ersinnen kann, ist nicht der ewige Sinn;
der Name, den man nennen kann, ist nicht der ewige Name.
Laotse

Der große chinesische Weise und Philosoph Laotse lebte voraussichtlich im 6. Jahrhundert vor Christus. Als der Begründer des Taoismus lehrte er das Tao, das Unbenennbare, den Sinn.

Gedichte von Laotse

Wer andere [er]kennt, ist gelehrt. [BW 400+)
Wer sich selbst erkennt, ist weise. [BW 500+]
Wer andere besiegt, hat [Muskel]kraft. [Erleben von Zwang], Überleben]
Wer sich selbst besiegt, ist stark. [Erleben von Macht]
Wer sich durchsetzt, hat Willen.
Wer genügen lässt, ist reich. [600+]
Wer seinen Platz [seine Mitte] nicht verliert, überdauert.
Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt. [bis 1000]
Laotse, Tao te king, Übers. Richard Wilhelm, S. 73, Diederichs Verlag, München, 1998

Zufrieden sein heißt, reich zu sein.
Mit Nachdruck etwas durchführen bedeutet Wille.
Seinen Platz nicht zu verlieren, heißt Bestand zu haben.
Sterben und doch weiterleben, bedeutet Unsterblichkeit.

Andere zu kennen, bedeutet Weisheit,
sich selbst zu kennen, bedeutet Einsicht.
Andere zu bezwingen, erfordert Kraft,
sich selbst zu bezwingen, erfordert Stärke.

Macht der Liebe
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Macht ohne Liebe macht grausam.
Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch.
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.

Willst Du etwas schmaler machen,
musst Du es sich zuvor ausweiten lassen.
Willst Du etwas loswerden,
musst Du es zuvor aufblühen lassen.
Willst Du etwas nehmen,
musst Du zuvor erlauben, dass es gegeben wird.
Das nennt man die subtile Wahrnehmung des Soseins der Dinge.
Das Weiche überwindet das Harte.
Das Langsame überwindet das Schnelle.
Lass Dein Wirken ein Geheimnis bleiben.
Zeig den Menschen bloß das Ergebnis.

Was noch ruhig ist, lässt sich leicht ergreifen.
was noch nicht hervortritt, lässt sich leicht bedenken.
Was noch zart ist, lässt sich leicht zerbrechen.
Was noch klein ist, lässt sich leicht zerstreuen.
Man muss wirken auf das, was noch nicht da ist.
Man muss ordnen, was noch nicht in Verwirrung ist.
Tao Te King

Ton knetend formt man Gefäße.
Doch erst ihr Hohlraum, das Nichts, ermöglicht die Füllung.
Aus Mauern, durchbrochen von Türen und Fenstern, baut man ein Haus.
Doch erst sein Leerraum, das Nichts, gibt ihm den Wert.
Das Sichtbare, das Seiende, gibt dem Werk die Form.
Das Unsichtbare, das Nichts, gibt ihm Wesen und Sinn.


Zitate von Laotse

  • Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling. Tao te King
  • Wer seine Mannheit kennt und seine Weibheit wahrt, der ist die Schlucht der Welt.
  • Wer mir schmeichelt, ist mein Feind. Wer mich tadelt, ist mein Lehrer.
  • Die Wahrheit, die man benennen kann ist nicht die wirkliche Wahrheit.
  • Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr.
  • Nur der Liebende ist mutig.
    Nur der Genügsame ist großzügig.
    Nur der Demütige ist fähig, zu herrschen.
  • Alle sind sich immer so sicher [...] und mir selbst scheint es, als wandele ich auf dünnem Eis.
  • Beginnen können ist Stärke. Vollenden können ist Kraft.
  • Was ist ein wahres Geheimnis? Etwas, das für jeden offen da liegt – und der eine erkennt es, der andere jedoch nicht.
  • Nichtstun ist besser als mit aller Mühe nichts zu schaffen.
  • Beim Nichtstun bleibt nichts ungetan.
  • Der Weise tut nichts, doch bleibt nichts ungetan.
  • Ich betrachte Untätigkeit als das wahre Glück, während die Welt sie als großes Unglück ansieht. Es ist gesagt worden: "Vollkommenes Glück ist das Nichtvorhandensein des Strebens nach Glück; vollkommenes Ansehen ist das Nichtvorhandensein des Strebens nach Ansehen."
  • Das Elend ist nur der Schatten des Glücks, das Glück nur der Mantel des Elends.
  • Übe die Regungslosigkeit, beschäftige dich mit Untätigkeit, finde im Verzicht Genuss, und du siehst das Große im Kleinen, das Viele im Wenigen.
  • Darum sind die Harten und Starken Gesellen des Todes; die Weichen und Schwachen sind Gesellen des Lebens.
  • Der Weg ist wichtiger als das Ziel.
  • Auch ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt.
  • Wenn ich auch nur ein bisschen Verstand habe, will ich den großen Weg gehen, und meine einzige Furcht wäre abzuweichen. Der große Weg ist schlicht. Die Menschen ziehen Ablenkungen vor.
  • Das Allerweichste im Universum durchdringt das Allerhärteste. Das, was nicht stofflich ist, kann auch dort eindringen, wo kein Raum ist.
  • Ein guter Wanderer hinterlässt keine Spuren!
  • Farbenpracht blendet das Auge.
  • Wer das Lernen übt, vermehrt täglich. Wer den Sinn [= Tao] übt, vermindert täglich. Er vermindert und vermindert, bis er schließlich ankommt beim Nichtsmachen. Beim Nichtsmachen bleibt nichts ungemacht. Tao te King, Übersetzung von Richard Wilhelm, S. 61, Diederichs Verlag, München, 1998
  • Der Wissende redet nicht. Der Redende weiß nicht. Tao Te King, S. 99, Übers. Richard Wilhelm, Diederichs Verlag, München 1998
  • Das Tao, von dem man sprechen kann, ist nicht das wahre Tao.
  • Das Namenlose ist der Anfang von Himmel und Erde. Das Namen-Habende ist die Mutter der abertausend Wesen.
    Darum: Beständiges Nichtbegehren schaut das Geheimste. Beständiges Begehren schaut nur das Begrenzte.
    Diese beiden sind desselben Ursprungs und nur durch Namen verschieden.
    In ihrem Ineinssein sind sie ein Geheimnis. Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis ist aller Geheimnisse Pforte. Tao te king, Neu übertragen von Zensho W. Kopp, Kapitel 1, Schirner Verlag, Darmstadt, 2005
  • Die Nichtwissenheit wissen, ist das Höchste. Nicht wissen, was Wissen ist, ist ein Leiden. Nur wenn man unter diesem Wissen leidet, wird man frei von Leiden. Dass der Berufene nicht leidet, kommt daher, dass er an diesem Leiden leidet; darum leidet er nicht. Tao Te King, Übers. Richard Wilhelm, S. 114, Diederichs Verlag, München 1998
  • Wenn man sein Ziel kennt, so gibt das Festigkeit. Festigkeit allein führt zur Ruhe. Die Ruhe allein führt zum inneren Frieden. Der innere Friede allein ermöglicht ernstes und besonnenes Nachdenken, ernstes und besonnenes Nachdenken allein führt zum Gelingen.
  • Namenlose Einfalt bewirkt Wunschlosigkeit, Wunschlosigkeit macht still, und die Welt wird von selber recht. Tao te King
  • Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden.
  • Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man unterlässt.
  • Der Weise kennt keine unumstößlichen Grundsätze: Er passt sich anderen an.
  • Der Weise erfüllt seinen Teil, verlangt das aber nicht von anderen.
  • Wen der Himmel bewahren will, den erfüllt er mit Güte.
  • Je mehr du es versteckst, desto deutlicher wird es zum Vorschein kommen.


Zitate (engl.) von Laotse / Lao Tzu

  • In pursuit of knowledge, every day something is acquired. In pursuit of wisdom, every day something is dropped.
  • Those who know do not talk. Those who talk do not know.
  • The Tao which can be named is not the true Tao.
  • Conquering others requires force. Conquering oneself requires strength.
  • The myriad creatures in the world are born from Something, and Something from Nothing.


Zitate von anderen Quellen über Laotse

  • Dialektik resultiert aus der Erfahrung, dass nichts ist und alles wird. Zu den größten Dialektikern der Philosophiegeschichte zählen Heraklit, Laotse und Hegel. Andreas Tenzer, Therapeut, Köln
  • Warum Laotse die Moral verurteilt, das ist zunächst ihr formales Prinzip. Die Moral befiehlt. Sie kennt kein Sollen. Sie will Gesetze und Maßstäbe. Aber durch Gesetze und Maßstäbe wird gerade das Gegenteil von dem erreicht, was man will. Je mehr die Gesetze prangen, je lästiger das Sollen sich breit macht, desto mehr gibt es Diebe und Räuber; denn es ist ein Gesetz der Menschennatur, jedem Zwang zu widerstreben. Und der moralische Zwang ist der schlimmste. Darum ist die Moral das Dürftigste und Äußerlichste von allem, was den Menschen als Motiv vorgehalten wird. Sie kämpft mit stumpfem Schwert und bewirkt das Gegenteil von dem, was sie will. Richard Wilhelm, Laotse, Tao te king, S. 151 f., Diederichs Verlag, München, 1998


Zitate (engl.) von anderen Quellen über Laotse


Literatur


Literatur (engl.)

  • Tao te King, Laotse, Das Buch vom Sinn und Leben, Übersetzt von Richard Wilhelm, HTML Herausgabe von Dan Baruth, e-book


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