Lernen besteht in einem Erinnern von Informationen,
die bereits seit Generationen in der Seele des Menschen wohnen.
Sokrates, griechischer Philosoph im Dialog mit seinem Kollegen Platon
Das Umfeld des Lernens
Da das menschliche Gehirn […] nicht wie ein Feststoff-Computer, sondern wie ein elektrisch-kolloidaler Computer arbeitet, folgt es auch den gleichen Gesetzen wie andere tierische Gehirne. Das heißt, die Programme gelangen […] als elektrisch-chemische Verbindungen ins Gehirn.
Jeder Programmsatz besteht aus drei grundlegenden Teilen:
- Prägungen: Dies sind mehr oder weniger eingeschweißte Programme, die das Gehirn von seiner Anlage her nur in bestimmten Stadien seiner Entwicklung verarbeiten kann. Diese Stadien werden in der Ethologie als Zeiten besonderer Prägungs-Empfindlichkeit bezeichnet.
- Konditionierungen: Diese Programme bauen sich auf den Prägungen auf. Sie sitzen loser und lassen sich mit Hilfe von Gegen-Konditionierungen ziemlich leicht verändern.
- Lernen: Dies ist noch lockerer und durchlässiger als die Konditionierungen.
Robert Anton Wilson, Der neue Prometheus, Kapitel 2, Hardware und Software: Das Gehirn und seine Programme, Hugendubel, 1983, Neuaufl., August 2003
Zitate zum Thema Lernen
- Niemand kann euch etwas offenbaren, das nicht schon im Dämmern eures Wissens schlummert. Der Lehrer, der zwischen seinen Jüngern im Schatten des Tempels umhergeht, gibt nicht von seiner Weisheit, sondern eher von seinem Glauben und seiner Liebe. Wenn er wirklich weise ist, fordert er euch nicht auf, ins Haus seiner Weisheit einzutreten, sondern führt euch an die Schwelle eures eigenen Geistes. Khalil Gibran
- Bewältigbarer Stress funktioniert, wenn man Menschen bis an die Grenze ihrer Fähigkeiten belastet, aber nicht darüber hinaus. Dann kommt Neues zum Vorschein. […] komme ich auf den Gedanken zurück, dass es das Umfeld ist, das einen dazu bringt, sich zu entwickeln. Wir brauchen ein Umfeld, das uns wirklich fordert, jedoch auf handhabbare, langfristige Art. Problematisch war an vielen der Experimente der Sechziger- und Siebzigerjahre, dass es hingepfuschte ‚Urknall'-Experimente waren. Aber eine wirkliche Veränderung gibt es nur, wenn man gewillt ist, auf dem, was ich „Plateau” nenne, zu verharren. […] Das nenne ich die „Meisterschaftskurve”, und das heißt, dass man, wenn man eine neue Fähigkeit erwirbt, lange Zeit auf einem Plateau verweilt, wobei es dann immer wieder mal einen kleinen Aufschwung gibt. Selbstverständlich verläuft biologische Evolution nach demselben Muster. Steven J. Gould sagt in seiner Theorie des interpunktierten Gleichgewichts dasselbe. Die Entwicklung einer Gattung verläuft eine Weile mit wenig Veränderung, und dann gibt es einen Sprung. Wenn das jemandem passiert, der eine neue Fertigkeit erwirbt, dann heißt es oft: „OK, jetzt lerne ich etwas.” Was wir den Leuten beibringen müssen, ist, dass sie gerade dann nicht lernen. Auf dem Plateau lernen sie. Und das braucht geduldiges, hingebungsvolles, langfristiges Üben. Dort erfolgt die Programmierung. Und wenn schließlich alles greift, dann haben sie diesen Aufschwung, den sie für das Lernen halten. Aber das ist es nicht. Wir lernen auf dem Plateau. Wenn Sie sich nicht verändern, haben Sie nichts gelernt, Interview mit George Leonhard, Craig Hamilton, WIE-Magazin, Ausgabe 9
Kerzenflamme
- Das nichtlineares Lernen geschieht eher durch die Anlagerung an Vertrautes als durch den logisch fortschreitenden prozessorientierten Einsatz des Intellekts. Das Bewusstsein neigt dazu, sich als automatische Folge des Erwerbs neuer Informationen weiter zu entwickeln. Rückblickend kann es dann Informationen einordnen, die womöglich gefehlt haben oder nicht verstanden worden sind. Jede Enthüllung bringt die Integration voran und führt demnach weiter zu neuen Einsichten. Dr. David R. Hawkins, FU Das All-sehende Auge
- Lernen heißt, neue Fähigkeiten verinnerlichen, mit denen man Ziele erreichen kann, die bisher unerreichbar waren. Fred Kofman, Metamangament
- Es gibt ein Lernen, das uns verstehen lässt, was wir sind. Aus diesem Verständnis entsteht eine völlig neue Art des Handelns WU WEI. Das heisst handeln durch Nichteingreifen, durch Geschehen lassen. Es ist die Fähigkeit, das Steuer des Lebens jener Macht zu überlassen, die eine Dimension von uns selbst ist und die Laotse einst das Tao genannt hat. Theo Fischer, WU WEI. Die Lebenskunst des TAO, S. 1, Rororo Verlag
- Anfänger-Geist ist unser ursprünglicher Geist, ein wirklich leerer und unvollkommener Geist.
Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit, ist er für alles offen.
Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten, in dem des Experten wenige. Shunryu Suzuki-roshi, Zenmeister
- Lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet. Richard David Precht, deutscher Philosoph, Wer bin ich. Und wenn ja, wieviele?, Goldmann Verlag, September 2007
- Lernen ist Erfahrung – alles andere ist Information. Albert Einstein
- Das Lernen niemals erschöpft den Verstand. Leonardo DaVinci, italienisches Universalgenie
- Man kann einen Menschen nichts lehren. Man kann ihm aber helfen, es in sich selbst zu finden. Galileo Galilei
- Die einzige Form zu lernen, besteht in der Begegnung. Martin Buber, Das dialogische Prinzip
- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. Sokrates, griechischer Philosoph
- Wir verstehen nicht Verstehen, es entzieht sich uns, entschlüpft uns, denn wir merken nicht das Unglaubliche, das Rätselhafte, das Erstaunliche, das Wunderbare, das in alltäglichem Gespräch und Reflexion vor sich geht. Erst wenn dieser Strom von Selbstverständlichkeit gestört wird, stehen wir staunend vor diesem Wunder. Heinz v. Foerster
Without the pain
there'd be no learning,
without the hurting
we'd never change.
Kate Bush
He who learns must suffer
And even in our sleep pain that cannot forget
Falls drop by drop upon the heart,
And in our own despair, against our will,
Comes wisdom to us by the awful grace of God.
Aeschylus, Agamemnon
Schule von Athen
Maler: Raffaello Sanzio, 1509
Zitate (engl.) zum Thema Lernen / Learning
- At 15, I set my heart on learning.
At 30 I had planted my feet firmly on the ground.
At 40, I was never led astray from my goal.
At 50, I knew the will of heaven.
At 60, I heard the bidding of heaven with a docile ear.
At 70, I could do as my heart pleased, for what I desired no longer conflicted with the will of heaven. Confucius
- By observation, one will see that the good / bad dichotomy is merely the reflection of an overall contextualization based on unexamined presumptions. With deep humility, one realizes that unaided, the mind is really unauthorized, unequipped, and incapable of making such judgmental discernment. By what authority would it even be able to discern good from bad? It can make this discovery by just beginning to ask, for whom is it good, for whom is it bad, when, and under what circumstances. This eventually leads to examining one's overall contextualization of the significance and meaning of human life itself as a transitional learning experience. Dr. David R. Hawkins, Transcending Levels of Consciousness, S. 337
- That's what learning is, after all; not whether we lose the game, but how we lose and how we've changed because of it and what we take away from it that we never had before, to apply to other games. Losing, in a curious way, is winning. Richard Bach, The Bridge Across Forever
- Man is an imitative animal. This quality is the germ of all education in him. From his cradle to his grave he is learning to do what he sees others do.Thomas Jefferson, Writings
- Learning is remembering. Socrates
- Learning never exhausts the mind. Leonardo DaVinci, Universal genius
- Man's most human characteristic is not his ability to learn, which he shares with many other species, but his ability to teach and store what others have developed and taught him. Margaret Mead, US-American cultural anthropologist (1901-1978)
- Our humanity rests upon a series of learned behaviors, woven together into patterns that are infinitely fragile and never directly inherited. Margaret Mead, US-American cultural anthropologist (1901-1978)
Divine Edification
- The knowledge of men of external sense is a muzzle to stop them sucking milk of that sublime knowledge. But God drops into the heart a single pearl-drop which is not bestowed on oceans or skies! Mevlana Rumi, Masnavi Book 1, Story 5
- The most important part of life is the relationship with others. The analogy of the chrysalis and the butterfly teaches us to meet others and to hold our ground when we meet them. And I think the important, the essential, word there is 'teaches'. It takes a lifetime to learn how to be able to hold your own ground, to go out to the others, to be open to them without losing your ground. And to hold your ground without shutting others out. Martin Buber
- I always like to learn, but I don't always like being taught. Winston Churchill
- We do what we do until we know better. When we know better, we do better. Maya Angelou, poet, educator, historian, best-selling author, actress, playwright, civil-rights activist, producer and director
- We shall not cease from exploration, and the end of all our exploring, will be to arrive where we started and know the place for the first time. T. S. Eliot, Quartets
- The educated person is one who knows how to find out what he does not know. Georg Simmel, German sociologist
There's a Hole in My Sidewalk
* * *
Autobiography in Five Chapters
1) I walk down the street.
There is a deep hole in the sidewalk
I fall in.
I am lost — I am helpless.
It isn't my fault.
It takes forever to find a way out.
2) I walk down the same street.
There is a deep hole in the sidewalk.
I pretend I don't see it.
I fall in again.
I can't believe I'm in the same place.
But it isn't my fault.
It still takes a long time to get out.
3) I walk down the same street.
There is a deep hole in the sidewalk
I see it is there.
I still fall in — it's a habit
My eyes are open
I know where I am
It is MY RESPONSIBILITY.
I get out immediately.
4) I walk down the same street.
There is a deep hole in the sidewalk
I walk around it.
5) I walk down a D I F F E R E N T street.
Portia Nelson (1920-2001), author, singer, composer, lyricist, painter, photographer, and actress,
excerpted from her autobiography There's a Hole in My Sidewalk. The Romance of Self-Discovery,
originally published in the 1970's
This poem is used in numerous 12-step substance-abuse programs.
Externe Weblinks zum Thema Lernen
Externe Audio und Videolinks (engl.)
- Daniel H. Pink, How Half Your Brain Can Save Your Job, The Library of Economics and Liberty ECONTALK, host and interviewer Russ Roberts, length 1:07 hour, mp3 format, 11. Juni 2007
- Malcolm Gladwell, staff writer with The New Yorker magazine since 1996, author of two books, The Tipping Point. How Little Things Make a Big Difference (2000) and Blink: The Power of Thinking Without Thinking (2005), Genius: 2012, 2012: Stories from the Near Future Conference, sponsored by the New Yorker magazine, introduced by David Remnick, presentation on the importance of stubbornness and collaboration in problem-solving, and that it takes 10,000 hours to master any challenge, role model Andrew Wiles, Video Newyorker.com, May 7, 2007
Interne Links
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