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2·2012


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MärchenGeschichten erzählen

 

The Boyhood of Raleigh by Sir John Everett Millais, 1870
A seafarer tells the young Sir Walter Raleigh and his brother the story of what happened out at sea.

 


 

Wortherkunft

Das althochdeutsche Wort Mär heißt „Botschaft aus übersinnlichen Welten“. Luthers Weihnachtslied Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär drückt genau das aus. Märchen enthalten symbolische Inhalte und erfahren eine so genannte Verschränkung, eine paradoxe Lösung aus dem Dilemma.

Sieben Handlungsschemen

Nach 34 Jahren Recherche legt Christopher Booker in seinem Buch The Seven Basic Plots. Why We Tell Stories? (736 Seiten) in Anlehnung an die Archetypen-Lehre von Carl Gustav Jung dar, welche sieben grundlegenden archetypischen Kennzeichen in Geschichten auftauchen, die dem Leben dienlich sind:

  1. Die Lebens- oder Heldenreise als Visionssuche (Queste) – Fall des Helden
  2. Die Lebens- oder Heldenreise als Reise und Rückkehr – Moralische Wiedergutmachung
  3. TragödieRache
  4. Komödie – Immerwährende Liebe
  5. Von Armut zu Reichtum – "Barfuß oder Lackschuh"
  6. Überwindung des Ungeheuers – Widrige Umstände überstrahlen
  7. Wiedergeburt – Erlösung aus irrtümlicher Identität

 

Christopher Booker, The Seven Basic Plots. Why We Tell Stories, Continuum International Publishing Group, January 2006

Zitate zum Thema Märchen, Mythen, Geschichten, Gleichnisse, Übergangsphasen / Fairy tales, myths and legends

Zitate allgemein

  • Märchen sind keine Schäume. Märchen sind wahr. Wünsche werden durch Schlüssel erweckt. Der Schlüssel möchte erschließen. Das Schloss möchte erschlossen werden. Das Ziel der Suche ist der Inhalt des Kästchens. Ihn zu verwahren und offenkundig zu machen, dienen Schlüssel und Schloss.
    Am Anfang steht die Vereinigung der Teile. Aus Erkenntnis erschließt sich die Einheit in ihren Teilen. Das eine – unteilbar als Individuum – ist das Ende des menschlichen Lebens. Erschließender Schlüssel und erschlossenes Schloss lassen die köstlichen und wunderbaren Sachen erschließen, die in dem Kästchen sind. Zwischen Anfang und Ende liegt das Leben des Menschen – in Beziehung. Ottokar Graf Wittgenstein, deutscher Autor, Märchen, Träume, Schicksale, S. 14 f., Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1988, 2. Auflage, März 1990

 


Froschkönig
  • Viele Märchen wurden im Laufe der jahrhundertelangen Überlieferung von den Geschichtenerzählern aus religiösen Gründen so bereinigt, dass ihre eigentliche Grundsubstanz kaum noch durch die späteren Überlagerungsschichten hindurch scheint. […] So ging den Frauen ein unermesslicher Schatz an alten lehrreichen Geschichten über Sex, Liebe, Eheleben, Schwangerschaft, Gold und Geld, die weibliche Transformation und den Tod verloren. […] Aber keine Sorge, das Verlorene lässt sich rekonstruieren. […] Nichts vom Urwissen ist uns endgültig verloren gegangen. Durch Träume und gelegentliche Ausflüge in außergewöhnliche Bewusstseinszustände, durch intuitive Forschungen und direktes Sehen und Lernen sammeln wir die alten Knochen wieder zusammen. Je mehr Geschichtsknochen wir haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir unsere Geschichte eines Tages ganz verstehen können. Je vollständiger die Geschichte, desto subtiler auch die Art, wie uns die unterschwelligen Schleichwege der Psyche nahegebracht werden. Das nennt man Seelenarbeit, Seelen-Ur-Erinnerung. Wenn wir diese Arbeit leisten, zeigt uns die Seele mehr, immer mehr von sich selbst. Clarissa Pinkola Estes (*1945) US-amerikanische Jungsche Psychoanalytikerin, Posttraumaspezialistin, Schriftstellerin, Dichterin, Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte, S. 31, Heyne Verlag, 8. Auflage, 1. September 1997

 

  • Sei nie wie die Welt. Sei immer wie ein Märchen, das sich selbst erzählt. Hans Kruppa (*1952) deutscher Dichter, Schriftsteller

 

  • Der Bezug der Märchen, Sagen und Legenden auf die Mythologie ist der, dass in christlicher Zeit aus heidnischen Mythen harmlose Märchen geworden sind, wie sie sich auch wohl in örtlichen oder geschichtlichen Sagen lokalisiert und historisiert, gelegentlich selbst in Legenden christianisiert haben, weil sie nur in solcher Gestalt ihr Dasein zu fristen wussten. Karl Simrock (1802-1876) deutscher Dichter, Philologe, christlicher Mythologe

 

  • Das Unmögliche ist die Regel im Märchen. Nur unser Verstand kann die Ganzheit des Lebens, die paradox ist, nicht begreifen, indem er immer nur entweder-oder kennt. [...] Wer hat schließlich wen erlöst? Wieder haben zwei Hälften zusammengearbeitet. Die Seele spielt Schicksal, das Bewusstsein muss reagieren. Ulla Wittmann, deutsche Autorin, Ich Narr vergaß die Zauberdinge. Was Märchen für das eigene Leben bedeuten, Herder Verlag, S. 157, 1995

 

  • Die Botschaft des Dornröschen-Märchens: Vertraue auf dein Schicksal, lass dich ein in dein Inneres, in dem du alles findest, was du für ein erfülltes Leben brauchst, dessen Aufgabe heißt: werde ganz du selbst, werde die und der, als die und der du gemeint bist.
    Die »Geburt« eines »göttlichen Kindes« findet immer dann statt, wenn ein altes Muster nicht mehr in die Zeit passt, wenn es auslaufen und einem neuen Platz machen muss. Die Geburt eines »göttlichen Kindes« bedeutet auf der menschlichen Ebene einen Wandel der Werte, eine neue Sicht der Welt!   Angela Seibert, deutsche Autorin, Dornröschen. Auch des Vaters liebste Tochter wandelt sich zur Frau, S. 124, Kreuz Verlag, 1987

 

  • In der Wortverbindung «Tiefenpsychologie» hat «Tiefe» auch einen zeitlichen Sinn: Die Urgründe der Menschenseele sind zugleich auch Urzeit, jene Brunnentiefe der Zeiten, wo der Mythos zu Hause ist und die Urnormen, Urformen des Lebens gründet. Denn Mythos ist Lebensgründung; er ist das zeitlose Schema, die fromme Formel, in die das Leben eingeht, indem es aus dem Unbewussten seine Züge reproduziert. Karl Kerényi (1897-1973) ungarischer klassischer Philologe, Religionswissenschaftler, Die Mythologie der Griechen. Band 1 Die Götter- und Menschheitsgeschichte, S. 7, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1988, Neuauflage, 1. April 1992

Zitate (engl.) allgemein

Personal avowals

  • If you want your children to be intelligent, read them fairy tales.
    If you want them to be more intelligent, read them more fairy tales. Albert Einstein [LoC 499] (1879-1955) German-born US American theoretical physicist, developer of the theory of general relativity, Nobel laureate in physics

 

  • In wise stories, love is seldom a romantic tryst between two lovers. [...] In order to create this enduring love one invites a third partner to the union [...] Skeleton Woman [...] Lady Death [...] another Lilfe/Death/Life figure in one of its many guises. Clarissa Pinkola Estés (*1945) US American Jungian psychoanalyst, post-trauma specialist, poet, writer, Women Who Run With the Wolves. Myths and Stories of the Wild Woman Archetype, Ballantine Books, 1st edition November 1992, updated with new material 1996

 

  • The ultimate aim of the quest must be neither release nor ecstasy for oneself, but the wisdom and the power to serve others. Joseph Campbell, Ph.D. [LoC 410] (1904-1987) US American mythologist, expert in comparative mythology and comparative religion, interviewed by Bill Moyers, The Power of Myth, 1987

 

 

  • If a person doesn't know the story inside them already it is unlikely that they catch the story of the world that is ongoing. CD Audio presentation by Michael Meade, US American storyteller, author, mythologist, The Light Inside Dark Times, presented by MosaicVoices.org

 

  • The world is a story that is telling itself to itself. [...] The mystery is inside each person [waiting to be unraveled]. Michael Meade Mosaicvoices.org, US American storyteller, mythologist, ritualist, spokesman in the Men's Movement, author

 

 

  • What’s Truer than Truth? – The Story. Isabelle Allende (*1942) Chilean American writer of the "magic realist" tradition

 

  • The story of life is our story, not our life. John Barnes (*1957) US American science fiction author

 

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It took Michaels 10-12 years to write her book on trauma healing.

  • If the listener is supporting what was said, that is a very healing thing. A story that is spoken is less dangerous than a story unspoken – no matter how frightening. Anne Michaels (*1958) Canadian novelist, poet, author of Fugitive Pieces, Vintage, 26. May 1998, live remark, Intl. Trauma Conference, Vorarlberg, Austria, 26. October 2002

 

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On hidden stories

  • All you need is two for it not to be safe. Anne Michaels (*1958) Canadian novelist, poet, author of Fugitive Pieces, Vintage, 26. May 1998, live remark, international Trauma Conference, Vorarlberg, Austria, 26. October 2002

 

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The soul draws us near to reveal the shadow in stories.

  • There is no story we are safe from. We can't always choose how we will hear it. Stories by their nature [...] something lurks in them. That is why we are interested in them. Anne Michaels (*1958) Canadian novelist, poet, author of Fugitive Pieces, Vintage, 26. May 1998, live remark, international Trauma Conference, Vorarlberg, Austria, 26. October 2002

 

  • To follow Story is to understand the path of healing. Each of our stories is a universe. Each one of us is living a story. To discover its shape and essence is essential to soul making. Deena Metzger, writer, storyteller and healer

 

  • Is there anything truer than truth?
    Yes, Legend. Nikos Kazantzakis (1883-1957) Greek writer

 

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[+Wacker suggests that it is essential to ask [[Hawkins.Fragen

questions]] in a story telling format instead of giving answers.+] |

 

  • Myths are not true stories. Myths are truth stories. Video lecture by Watts Wacker, US American futurist, Sodexho, Annual Meeting, Paris, on futurism, the difference between futuring and visioning, 53:33 minutes duration, 6. June 2006

 

  • Question: What is truer than truth?
    Answer: The story. Jewish saying

 

  • There are not truths, there are just stories. Saying of the Zuni Indians

Englische Texte – English section on Fairy tale

Fairy tales


Fairy tales

enchantment
in the green skin of the frog
in the glass slipper
in the naked foot
in the midas touch
in the face reflected
in the shining armor
in the dragon's eye
large as a pool of clear green water
large enough to drown one's reason in.

 

Indira Parsons, The Clear and Simple Way,
24. November 2008

Taming of violent young elephants / Die Zähmung von wilden Jungelefanten

How to tame wild young elephants?

Young bull elephants [in Africa] were acting strangely out of character – antisocial and aimlessly vio­lent; they were stomping on VWs, pushing over trees for no reason, and even killing other small animals and baby elephants. [*]

 

Park rangers came in to study the problem [...] they discovered that there were no older bull elephants in that area. By some accident, all the older bulls had either died or been poached for their ivory, which left the teenage males to roam and forage out of control.

 

Their solution?1

 

They brought in some older bulls from other areas by helicopter, lowered them onto the scene, and in a mat­ter of weeks, amazingly, the whole situation had changed. Apparently, all the old bulls did was wave their ears and make various sounds or small charges, and somehow the younger male elephants understood through these com­munications that their behavior was not exactly the way growing up elephant boys should act. It seemed to be just that simple. Things soon returned to normal once the elders operated as elders.

 

[*] The violent acting out of young elephant bulls is due to the so called musth.

 

Father Richard Rohr O.F.M. (*1943) US American Franciscan friar,
Adam's Return. The Five Promises of Male Initiation, chapter 2, The Crossroad Publishing Company, 2004

Seventeen Stories in Life

 

  • Twelve basic archetypesExplorer, Outlaw, Lover, Sage, Trickster, Clown, Wizard (magician), Shaman, Seer, Mystic, Visionary, Saboteur, Provocateur, Monk, Hermit, Mendicant, Fool (combining elements of the clown, the provocateur, the saboteur, the magician, and the trickster)

 

  • Seven basic emotions of the human [The only animal that shows the same emotions is the panda bear.]

 

  • Seven basic plots
    1. The Quest [Soul's journey] – Fall of the person
    2. Soul's journey and return – Moral redemption
    3. Overcoming the monster – Overcoming adversity
    4. Comedy – Everlasting Love
    5. Tragedy – Revenge
    6. Rags to riches
    7. Rebirth – Recovering from a mistaken identity

 

  • Five basic passions [of world art] – Love, Anguish, Awe, Triumph, Joy

 

 

Source: Video lecture by Watts Wacker, US American futurist, Sodexho,
Annual Meeting, Paris, on futurism, the difference between futuring and visioning, 53:33 minutes duration, posted 6. June 2006

 

Links zum Thema Märchen, Mythen, Geschichten, Gleichnisse, Übergangsphasen / Fairy tales, myths, parables

Literatur

Literatur (engl.)

Externe Weblinks


  • Grimms Märchen (Audio) angeboten von vorleser.net, herunterladbare vorgelesene bekannte Märchen
  • Chinesisches Rosenmärchen, Die blaue Rose, entnommen aus: Lisa Tetzner, 365 Märchen (4 Bände), Büchergilde Gutenberg um 1950

Externe Weblinks (engl.)


Audio- und Videolinks

  • Evangelische Perspektiven, BR-online, Über die Geschichte vom Adler, der sich mit 40 Jahren wandeln muss, will er weiterleben

Audio- und Videolinks (engl.)

 

Interne Links

Hawkins

 

 

1 Ear flapping elders

2 Derived by Mortimer J. Adler, the main editor/publisher of The Great Books of the Western World