Der führende theoretische Quantenphysiker David Bohm ist nach Ansicht des Theologen Adolf von Harnack einer der wahren Philosophen des 20. Jahrhunderts. Bohm entwickelte aus den revolutionären Erkenntnissen der Quantenphysik die Theorie, dass neben dem manifestierten Anteil des Universums (explizite Ordnung) auch ein nicht manifestierter Anteil existiert, den er implizite Ordnung (Leerheit, die zugleich Fülle beinhaltet) oder Holomovement (altgriech. "holos" = ganz und lat. "movere" = bewegen) nannte. Alles irdisch Manifeste, was sich mit den Sinnen wahrnehmen lässt, ist die Folge einer ganzheitlichen Bewegung. Materie ist nach Bohm prädisponiertes, kondensiertes Licht und lediglich ein Tropfen im Meer der Energie und der impliziten Ordnung. Nach Bohm basiert Licht (Bewusstsein) weder Zeit noch Raum noch Geschwindigkeit. Es ist gleichzeitig Potential, Energie und Information, Kontext, Inhalt und Form.
Jeder gegenwärtige Augenblick ist zeitlos (atemporal). Einzelne Momente erfolgen nicht aufeinander und werden nicht zeitlich verknüpft, sondern innerhalb der impliziten Ordnung.
Bei den Interferenzversuchen schickt man Lichtstrahlen durch eine bestimmte Anzahl von Schlitzen. Lichtüberlagerung ist die Quelle für die Verdunklung von Punkten, die ansonsten hell erscheinen. Die interferierenden schattenhaften Lichtstrahlen werden Photonen genannt, die nicht instrumentell messbar, jedoch durch ihre Störwirkung wahrnehmbar sind. Forschung hat festgestellt, dass die Anzahl der schattenhaften Photonen wesentlich größer ist als die der fassbaren sichtbaren Photonen. Jedes fassbare Photon wird von mindestens einer Billion schattenhafter Photonen begleitet. Somit wurde die Theorie Bohms von der impliziten Ordnung bestätigt, der sagt, dass die wahrnehmbare Welt im Verhältnis zum Urgrund allen Seins nur die Spitze des Eisbergs darstellt.
Quantenphysiker des 3. Jahrtausends sprechen nicht mehr von impliziter Ordnung, sondern von Paralleluniversen oder von einem Multiversum. Der britische Physiker David Deutsch konstatiert, dass die Quantentheorie die Wechselwirkung des Wirklichen und des Möglichen beschreit. Deutsch meint, dass es auf der Quantenebene nur so genannte Schnappschüsse gibt in einem raum- und zeitlosen Kontinuum (implizite Ordnung), das unendliche Möglichkeiten für unendliche Wirklichkeiten bereithält, die in der expliziten Ordnung Realität werden, wenn man sie aufsucht. Aus der Sicht des Absoluten ist jeder erlebte Augenblick ein Ausdruck der raumzeitlosen Ewigkeit.
In der Welt der Erscheinungen nehmen Menschen aufgrund der Struktur des menschlichen Denk- und Fühlvermögens Geschehnisse als fortlaufende Geschichte (Nacheinander) und Räume und Gegenstände als nebeneinander liegend wahr.
Zitate zum Thema Philosophie
- Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemühen.
Da steh' ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor! Johann Wolfgang Goethe, Faust, Fausts Monolog, 1. Szene
- [...] wahre Erkenntnis ist immer liebende Erkenntnis und wo sie nicht liebt, ist sie nicht wahr. Max Weber, deutscher Physiker und Philosoph (1986)
- Das WARUM des Kindes ist der Beginn der Philosophie. Sprichwort aus Italien
- Philosophie wie Kunst zielen darauf, Staunen lebendig zu halten. Theodor W. Adorno
- Philosophie ist die Vorbereitung auf den Tod. Sokrates
- Wahre Philosophie ist nichts anderes als Meditation über den Tod, ist es doch nötig, ihn zuerst viele Male zu bestehen, um ihn dann ein einziges Mal gut zu bestehen. Baltasar Gracian
- Die wahre Philosophie wird sich dadurch bewähren, dass die unzählbaren Widersprüche, von denen die Welt (aus jedem anderen Standpunkt gesehen) voll ist, in ihrem Lichte sich auflösen und verschwinden, hingegen Zusammenhang und Übereinstimmung überall zu finden sind. Arthur Schopenhauer
- Das Denken ist das Selbstgespräch Seele. Platon, griechischer Philosoph, Begründer der abendländischen Philosophie
- Wir sind vervollkommbar, aber wir werden nie vollkommen. zitiert nach Proudhon, Philosophie du Progrès, S. 27-30, 1946
- "Statt mich aber im Hafen der Philosophie umzuschauen, welche Schaluppen oder Dampfer ich besteigen soll, [...] bleibt mir nichts anderes übrig, als mein eigenes Floß zu besteigen, um so mehr als ich mich mit ihm schon längst in diesem Ozean herumtreibe, ohne Ruder und ohne Segel. %quelle Friedrich Dürrenmatt, Turmbau
- Auf meinen Reisen in Asien sind mir vielerlei Menschen begegnet – Heilige und Halunken. Ich muss sagen, noch jetzt staune ich darüber, wie sehr die Halunken mir weitergeholfen haben. Dorothea Berndt-Söffker, Philosophie der Straße, Ch. Falk Verlag
- Esoterische Philosophie verbindet die drei Möglichkeiten des menschlichen Bewusstseins – Wissenschaft, Religion und Philosophie''' – zu einem ganzheitlich fundierten Denksystem, das auf die größten Denker der Geschichte zurückgeht. Demzufolge ist sie die durch Jahrtausende gewachsene überlieferte 'Weisheit der Zeitalter'. http://www.sopos.org/aufsaetze/3a2c5b72ea07e/1.phtmllEsoterische Philosophie, Studiengesellschaft (Broschüre), Hannover 2000
- Diejenigen, welche von der Philosophie nichts verstehen, schlagen zwar die Hände über den Kopf zusammen, wenn sie den Satz vernehmen: Das Denken ist das Sein. Dennoch liegt allem unserem Tun die Voraussetzung der Einheit des Denkens und des Seins zugrunde. Diese Voraussetzung machen wir als vernünftige, als denkende Wesen. Es ist jedoch wohl zu unterscheiden, ob wir nur denkende [mentierende Wesen] sind oder ob wir uns als denkende [erkennende Wesen] auch wissen. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, Kapitel "Das Denken"
- Mit dem Philosophieren soll man getrost schon in der Jugend beginnen, aber im Alter auch nicht müde davon ablassen. Denn um für seine seelische Gesundheit etwas zu tun, ist keiner zu jung oder zu alt, und wer etwa meint, für ihn sei es zum Philosophieren noch zu früh oder schon zu spät, der könnte ebensogut behaupten, der richtige Zeitpunkt für seine Glückseligkeit sei noch nicht da oder schon vorbei. Epikur, Philosophie der Freude, S. 39, Kröner Verlag, Stuttgart, 1973
- Philosophie erweist sich also als umfassende Seinswissenschaft. Diese Wissenschaft vom Seienden und vom Sein wurzelt in den verschiedenen Schichtungen der Menschennatur, und so wenig die Katze das Mausen lassen kann und der Bach das Rauschen, so wenig wird der Mensch – auf weite Sicht gesehen – das Philosophieren lassen können. Wenn auch immer wieder Meinungen aufkommen, dass man das reduzieren müsse auf das streng Rationale und Zweckmäßige, so werden doch immer wieder Zeiten kommen, wo man wieder erwacht zu der Notwendigkeit eines umfassenden Wissens vom Seienden, und das heißt eben der Philosophie. Wolfgang Schadewaldt, Anfänge der Philosophie bei den Griechen, S. 30, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1979
Zitate (engl.) zum Thema Philosophie / Philosophy
- All sciences are now under the obligation to prepare the ground for the future task of the philosopher, which is to solve the problem of value, to determine the true hierarchy of values. Friedrich Nieztsche, deutscher Philosoph
- Alas, I can see that you do not know what it means to be alone. Wherever there have been powerful societies, governments, religions, or public opinions – in short, wherever there was any kind of tyranny, it has hated the lonely philosopher; for philosophy opens up a refuge for man where no tyranny can reach: the cave of inwardness, the labyrinth of the breast; and that annoys all tyrant. Fredrick Nietzsche, Schopenhauer as Teacher
- Know that the philosopher has power over the stars, and not the stars over him. Paracelsus
Literatur
- Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, 1783
- Peter Sloterdijk, deutscher Philosoph, (* 26. Juni 1947, Karlsruhe), Kritik der zynischen Vernunft Amazonlink, 2 Bände, 17. Auflage, Suhrkamp Verlag, Januar 1983
- Wilhelm Weischedel, Die philosophische Hintertreppe. Vierunddreißig große Philosophen in Alltag und Denken, Anekdoten Dtv Tb, Januar 2002
- Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein Klassiker, Piper, München, 1986-2007
- Rüdiger Safranski, Das Böse. Oder Das Drama der Freiheit, Führung durch die Philosophiegeschichte, Fischer Tb, Frankfurt, 1. Aufl., 1999
- Diogenes Laertios, altgriech. Philosophiehistoriker, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, Zitate von antiken Philosophen, Reclam, Ditzingen, 1998
- Malte Hossenfelder, Antike Glückslehren, Kröner Verlag, 1996
- Hubert Schleichert, Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken, C.H. Beck Verlag, 1999
- Paul K. Feyerabend, Die Torheit der Philosophen. Dialoge über die Erkenntnis, Fischer TB-Verlag, Frankfurt, [1992] April 2001
- Jürgen Kuczynski, Wirtschaftsphilosph, Was wird aus unserer Welt? Betrachtungen einen Wirtschaftswissenschaftlers, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1997
Externe Weblinks
Interne Links
Hawkins