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Lehre von den vier Elementen


Der Kosmos, die vier Tiere, die vier Elemente entströmen dem Tao; Künstler: Roger Garland, 2001

Geschichtliches

Die Lehre von den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer – und der zusätzlichen “fünften Essenz”, der Quintessenz – ist eine sehr altes, traditionelles kosmologisches Modell.

Einer der ersten Vertreter der Vier-Elemente-Lehre war der griechische Philosoph, Arzt und Alchemist Empedokles, der im fünften Jahrhundert vor Christus lebte. Diese Lehre wurde aufgenommen und verfeinert von Platon, der jedem der Elemente einen regelmäßigen geometrischen Körper zuordnete, und von Aristoteles, der als fünftes Element den Äther hinzufügte und den einzelnen Elemente die Qualitäten heiß/kalt und trocken/feucht zuordnete.

Bis in die europäische Neuzeit arbeiteten Ärzte, Alchemisten und Philosophen intensiv auf der Basis der Vier-Elemente-Lehre.

Kurze Darstellung der vier Elemente

Erde

In den Hawkins'schen Ebenen 1-199 ist das beherrschende Thema der Körper und die Sorge für sein Wohlergehen. Dies gilt im engeren Sinn, dass Menschen Nahrung, Flüssigkeit, Atemluft, einen geschützten Ort und Kleidung brauchen, aber auch in einem weiteren, in die Zukunft gedachten Sinn: Altersvorsorge, das Erwerben von Reichtum, soziales Prestige und Erfolg im Beruf (Erfolg im Sinne von Lohnerhöhungen und Beförderungen und finanzieller Anerkennung) gehören in diesen Bereich.

Die Lernaufgabe, die die Erde bietet, ist die Sicherung der Existenz; wer diesen Bereich abgeschlossen hat, ist fähig, die Verantwortung für sein Leben auf der materiellen Ebene zu übernehmen, bezahlt seine Rechnungen rechtzeitig, gestaltet eine angenehme Wohnung und pflegt seinen Körper.

Das Symbol der Erde ist das Skelett, jener Teil, der vom Menschen auch lange nach dem physischen Tod übrig bleibt; als besonderer Teil des Skeletts sind die Zähne zu nennen, die auch während des Lebens für den Erhalt des materiellen Körpers eine äußerst wichtige Rolle spielen. Wer die Zähne fletscht und Biss hat, ist ein Mensch oder Wesen, das äußerst geeignet ist, den eigenen Körper so lange wie möglich zu erhalten, während zahnlose Lebewesen – seien es Menschen, Tiere oder abstrakte Wesen wie Gesetze und staatliche Verordnungen – wenig Chancen haben, zu überleben und wirksam zu sein. Zähne sind ein formidables Ausdrucksmittel von "force [Zwang] nach Hawkins Verständnis.

Wasser

Wenn sich ein Mensch bevorzugt im Wasser bewegt, so ist das Materielle gesichert und deshalb nicht mehr das vorherrschende Thema. Das Schwergewicht liegt nun bei den Emotionen; Es geht um das Bedürfnis, sich wohl zu fühlen, und wie man dieses Wohlbefinden erreicht. Die Themen dieses Bereichs drehen sich um die Rolle des Menschen in der Gesellschaft, um die Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft, und darum, wie eine gute Balance zwischen den beiden hergestellt werden kann.

Das Symbol des Wassers sind die Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Urin und Tränen; sie kommen zum Ausdruck, wenn Menschen emotional stark bewegt sind, sei es, dass sie sich "vor Angst in die Hose machen", oder aus starker Bewegung – Freude oder Trauer – Tränen weint. Wenn wir etwas als "rührend" empfinden, so wird damit unser inneres Wasser aufgerührt; und der berühmte "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt", bewirkt in aller Regel heftige emotionale Ausbrüche. Die Qualität ist anders, wenn man sich dem Wasser hingibt und vollständig in es eintauchen; ein Bad oder das Schwimmen vermittelt ein Gefühl von Getragenheit und Geborgenheit; allerdings können uns beim Tauchen in der Tiefe schreckliche Monster begegnen, und wir können eine der schlimmsten Ängste überhaupt, die Angst vor dem Ersticken, empfinden.

Luft

Der Anspruch steigt. Wer sich in der Luft bewegt, dem genügt ein ruhiges und friedliches Leben nicht, das das Ideal der Wasser-Ebene ist, sondern es erwacht der Durst nach Wissen und Erkenntnis. Auf diesen Ebenen erwirbt man die Fähigkeit, eine Sache nach logischen Kriterien zu beurteilen, ohne in ein emotionales Drama zu fallen, und man hat den Mut, Gedanken konsequent zu Ende zu denken, unabhängig davon, ob sie gefallen oder nicht. In der Bewusstseinsskala von Hawkins gibt es einen wesentlichen Schnitt zwischen den Ebenen 499 und 500; bis 499 und darunter befindet sich der irdische Bereich, wo das Wichtigste die Bewältigung des Alltags auf bestmögliche Weise ist; ab 500 beginnt der Bereich der Liebe, und spirituelle Themen werden immer präsenter. Man verlässt den Bereich der Dualität und bekommt erste Eindrücke von der Nicht-Dualität, obwohl dies in vollem Ausmaß erst im Feuer realisiert wird.

Der Luft zugeordnet sind unsere Atmungs- und Sprechorgane, und damit verbunden die Worte, das Singen, die Kommunikation, das in-Beziehung-Treten mit anderen Menschen und Wesen – denn wir alle atmen die gleiche Luft und sind durch die Luft miteinander verbunden. Zu der Luft gehört auch der Traum vom Fliegen, den wir immer mehr realisiert haben, und dessen Umsetzung einen großen Einsatz aller mentalen Kräfte erforderte; es ist nicht einfach, ein Flugzeug zu konstruieren, es braucht viel Verständnis der Naturgesetze.

Die Gefahren eines Übermaßes von Luft sind eindringlich dargestellt in der alten griechischen Sage vom Naturphilosophen und Ingenieur Dädalus und seinem hochfliegenden Sohn Ikarus. Dädalus, der geniale Kenner der Natur, konstruiert Flügel, mit deren Hilfe er und Ikarus aus der Gefangenschaft einer Insel fliehen können. Dädalus bleibt sich immer bewusst, dass der Intellekt, der es ihm ermöglich, Flügel zu bauen, immer nur ein Werkzeug sein kann, und er ermahnt Ikarus, nicht zu hoch zu fliegen. Ikarus allerdings, berauscht vom Höhenflug, strebt immer höher, der Sonne entgegen, […] bis die Hitze der Sonne seine Flügel schmilzt und er abstürzt und stirbt. Es ist das Bild eines Egos, das sich selbst für das große SELBST, die Sonne hält, und den Versuch macht, sie zu erobern – ein leider alltäglicher Vorgang. Wer den Intellekt mit Gott verwechselt, läuft in Gefahr, sich allzu hoch zu erheben und als Folge davon in die tiefsten Bereiche, bis zur Erde zurück, abzustürzen. Das kann zu verschiedenen psychischen Krankheiten, zu Verzweiflung und Verbitterung führen, und in Extremfällen auch dazu, dass jemand seinen Lebenswillen völlig verliert.

Wer allerdings wie Dädalus die Grenzen des Intellekts erkennt und der Versuchung des Höhenrauschs widersteht, kann weiterkommen […] in die Bereiche der bedingungslosen Liebe, die ab 500 beginnt, in die reifere und vollständigere Form des Luft-Elementes.

Feuer

Ab der Ebene 600 treten die Menschen ein in den über-dualen Bereich, in dem die Welt nicht mehr als eine Sammlung von verschiedenen, voneinander getrennten Qualitäten gelebt wird, sondern als Manifestationen der Einheit.

Das Feuer des Menschen sieht man in seinen Augen; in der chinesischen Tradition heißt es, dass man "shen", den Geist, an klaren, lebendigen Augen erkennt, und die Bibel sagt "das Auge ist das Licht des Leibes". Ein weiterer Ausdruck des Geistes ist die Körperwärme der warmblütigen Tiere; Hoimar von Ditfurth hat eine kluge Analyse darüber geschrieben, was es bedeutet, den Schritt von den wechselwarmen Tiere zu den warmblütigen Tieren zu machen; ein Aspekt davon ist, dass die wechselwarmen Tiere nie die Nacht erleben, da sie in der Kühle der Nacht erstarren und in eine Art Kälteschlaf fallen, während die warmblütigen Tiere, die ihr Feuer in sich tragen und aus sich selbst erzeugen, die Nacht erobern können. Ebenfalls zum Feuer gehört das Blut als Träger der Energie (Sauerstoff), und als Träger des Lebens.

Quintessenz

Dies ist der Bereich der Essenz, des Wesentlichen, der Identität mit dem Göttlichen; der Bereich der großen Menschheitslehrer wie Jesus und Buddha. Hier wird die irdische Erfahrung in ihrer Vollständigkeit abgeschlossen und integriert; alle Themen werden noch einmal betrachtet, und es wird aufgelöst, was es noch aufzulösen gibt. Das Wesen Gottes wird erkannt, und im Bereich um Tausend ist der Mensch ein vollkommenes Werkzeug Gottes, seine Taten ein vollkommener Ausdruck des SELBST.

Die Quintessenz hat keinen Ausdruck im materiellen Körper; sie ist schwerer fassbar und wird als Charisma oder Ausstrahlung einer Person wahrnehmbar, als den ganzheitlichen Ausdruck von allem; die Quintessenz ist das organisierende Prinzip, das die Ausbildung von Formen und Verhaltensweisens eines Wesens bestimmt.

Zitate zum Thema Vier-Elemente-Lehre

Nicolai Hartmann unterscheidet zwischen

  1. einer anorganischen,
  2. einer organischen,
  3. einer seelischen und
  4. einer geistigen Seinsschicht.

Analog gilt bei B. Heim eine vierfache Konturierung, in der alle Teilstrukturen miteinander in Wechselwirkungen stehen:

  1. Physis – mineralische Ebene
  2. Bios – vegetative Ebene
  3. Psyche – animalische emotionale Ebene
  4. Pneuma – mentale, geistige Ebene


Externe Weblinks : Vier-Elemente-Lehre


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