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Wüstenväter und Wüstenmütter
In der einsamen Askese verfolgten die Wüstenväter (Abba) und bald darauf auch die wenigen Mütter (Amma) der Wüste den Weg des ora et labora, des Betens und Arbeitens, sowie der Hesychia, des inneren Friedens. Der Hauptgrundsatz der Wüstenväter lautete, sich in seine Hütte (Zelle) setzen und dann den Weg des effektiven spirituellen Übens von innen heraus zu erspüren. Sie nannten es "deine Hütte wird es dich lehren."

Heiligkeit entstehe grundsätzlich durch den Weg der Ruhe, Liebe und Gedankenarbeit. Gott sei in der Stille zu finden. Mit der modernen Glücksforschung könnte man sagen, dass Ruhe glücklich macht. Die Kunst auf dem spirituellen Weg ist es, genau das persönlich richtige Maß an Ruhe zu finden. Ein Übermaß an Ruhe macht träge. Die Wüstenväter empfahlen deshalb nicht nur in der Hütte zu sitzen und auf den Geist Gottes zu warten, sondern auch regelmäßig etwas zu arbeiten. Andererseits warnten sie vor zuviel Arbeit. Wenn man einen Bogen überspannt, bricht er. Wenn ein Eremit oder Mönch äußerlich zu sehr aktiv ist, könne sich Gott, der Ruhe bräuchte, nicht in ihm entfalten. Die Ruhe müsse so groß sein, dass sie von sich aus den Körper und den Geist von den inneren Verspannungen heilt.
Bei den Eremiten in der Wüste wurde das ausreichende Mass an Ruhe grundsätzlich bereits durch ihr abgeschiedenes Leben erreicht. Viel Ruhe fühlt sich unerträglich an, und genau dadurch kommen die inneren Prozesse in Gang, die zur inneren Heilung (Heiligkeit) führen. Probleme mit der ausreichenden Ruhe ergeben sich eher im Kloster. Hier besteht die Gefahr zu viel zu arbeiten, sich durch das Miteinander von sich abzulenken (die eigenen inneren Prozesse nicht mehr zu spüren) oder sich in äußeren Regeln zu verlieren. Ein Grundsatz der Wüstenväter war, jeden Tag nur so viel zu arbeiten wie der Körper, wenn er liegt, Raum einnimmt. Gott sei der Mittelpunkt und nicht die Arbeit. Die Arbeit diene nur dazu, das Leben in Gott (im Licht) zu verwirklichen und zu bewahren. Ein Eremit müsse sensibel erspüren, wie viel Arbeit ihn dabei voran bringe.

Entscheidend auf dem Weg zur Göttlichkeit ist der Umgang mit den Gedanken. Michael Cornelius rät, sich hinzusetzen, zu schweigen und still zu werden und dann seine Gedanken zu beobachten, zu untersuchen und zu bearbeiten.
Die Wüstenväter haben sich mit der Frage beschäftigt, ob es wichtiger sei, einem Mitmenschen zu helfen oder zu beten. Was ist heiliger? Das Helfen oder sich im Gebet auf Gott zu konzentrieren? Grundsätzlich ist beides wichtig. Der Helfende gelange über die Liebe zu seinen Mitmenschen in die umfassende Liebe Gottes. Er könne sich beim Helfen allerdings verbrauchen und seine innere Ruhe verlieren. Daher bräuchte auch ein helfender Mensch Ruhe und das Gebet, wenn er zu Gott finden will.
Wie gelingt ein Leben als Mönch oder Eremit?
Thomas Merton ist der Ansicht, dass moderne Menschen nicht genau das tun können, was die Wüstenväter taten, um das wahre Selbst zu finden.
Anselm Grün lehrt, dass es darum gehe, das eigene Hauptproblem zu finden (welches einen an einem lichtvollen Leben hindert) und dann systematisch daran zu arbeiten. Dort, wo die größte Gefährdung ist, sei auch die größte Chance. Er rät, seinen Typ zu erkennen und zu beobachten, was einen bindet und blockiert und es mit geeigneten Mitteln aufzulösen. Dann könne die Gnade Gottes sich in einem Menschen entfalten.

Ein bedeutendes Problem der Wüstenväter war der Umgang mit der Sexualität. Sie haben offen darüber geredet und versucht, eine innere Lösung und Loslösung zu finden. Wer seine Sexualität verdrängt, blockiert die innere Heilung in sich. Andererseits kann das Ausleben der Sexualität Süchte verstärken und einen Menschen vom spirituellen Weg abbringen. Die Wüstenväter haben versucht, sensibel den persönlichen Weg der Auflösung von sexuellen Süchten und Beziehungssehnsüchten zu finden.
Ein Wüstenvater überzeugte sich vom Alleinleben mit dem Gedanken, dass er für eine Beziehung viel arbeiten müsse. Das Leben als Eremit sei ruhiger und angenehmer. Ein anderer Wüstenvater versuchte sich dahin zu bringen, Frauen nur noch als Menschen (Schwestern, Töchter, Mütter, Göttinnen) und nicht als sexuelle Wesen zu sehen. Ein dritter Wüstenvater hatte eine Freundin in einem nahegelegenen Ort. Als er von seinen Mitmönchen besucht wurde, versteckte er sie in einem geflochtenen Korb. Ein heiliger Vater entdeckte sie, verschwieg es jedoch vor den anderen Mönchen. Sanft nahm er nur nach dem Besuch den Eremit zur Seite und ermahnte ihn besser auf sich Acht zu geben. Es lässt sich auch so verstehen, dass man eine Beziehung leben kann, ohne jedoch seinen spirituellen Weg zu verlieren. Es gilt, das persönlich angemessene Maß zwischen körperlich-seelischen Bedürfnissen und spiritueller Sehnsucht finden.
Die Wüstenmutter Amma Synkletika wusste, dass den Eremiten, die ein Leben in Gott führen möchten, viel innere Arbeit und harte Kämpfe bevorstehen. Am Ende gäbe es eine unaussprechliche Freude. Der Gedanke an ein Leben im dauerhaften inneren Glück und an ein Leben im Licht nach dem Tod gibt einem spirituellen Menschen die Kraft, seinen Weg diszipliniert zu gehen.
Andererseits solle man sich nicht überfordern. Thomas Merton schreibt in Die Weisheit der Wüste, dass die Wüstenväter lehrten:

Der heilige Antonius, Schutzpatron der Yogis und Begründer der christlichen Wüstenväter, rang hart mit den Dämonen in seinem Geist. Er stellte sich seinen Ängsten und Süchten. Durch klares Nachdenken und durch spirituelle Übungen wie Beten und Meditation gelang es ihm, innere Spannungsmomente zu lösen. Die Teufel ließen von ihm ab und das Licht Gottes erwachte in ihm.
Besonders half ihm dabei die Besinnung auf den Tod und die Vergänglichkeit des Lebens. Ein Lehrspruch der Wüstenväter besagt:
Empfehlung für geistig Suchende:
- Visualisiere die Segnung durch den Heiligen Antonius.
- Verbinde dich geistig mit dem heiligen Antonius oder allen Wüstenvätern und Wüstenmüttern.
- Stärke dich so auf deinem spirituellen Weg.
- Sieh dich als Überwinder aller weltlichen Probleme.
- Erkenne, dass auch in einer äußeren Wüste innerlich ein glückliches Leben möglich ist.
Links zum Thema Wüstenväter / Desert fathersLiteratur
Externe Weblinks
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