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Wiki / ZenGeschichten

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2·2012


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Zen Geschichten

 

Am Anfang sind Berge Berge, und Flüsse sind Flüsse.
In der
Mitte sind Berge keine Berge, und Flüsse sind keine Flüsse.
Am
Ende sind Berge wieder Berge, und Flüsse sind Flüsse.

Zen-Weisheit

FormLeerheit. Leerheit – Form. Form ist nichts anderes als Leerheit, und Leerheit ist nichts anderes als Form.
Herz-Sutra Klassische Formel zur Auflösung des Widerspruchs von Vielfalt und Einheit

Die wahre Natur ist ewig, freudig, selbstlos und rein.
Kanzeon Sutra. Japanisches Zen

Wenn Ihr ganz ungezwungen dahergeht, so geht ihr in der Harmonie des Ungeborenen.
Meister Bankei, Zen-Lehrer, Die Zen-Lehre vom Ungeborenen, Hg. Norman Waddell, O.W.Barth Verlag, Bern, 1988

Es ist zu nah, um es erkennen,
es ist zu tief, das Denken fasst es nicht.
Es ist zu leicht, dass wir es glauben könnten,
es ist einfach zu schön, um wahr für uns zu sein.

Kalu Rinpoche, Der Dharma, der wie Sonne und Mond alle Wesen erleuchtet, S. 141, Kagyu Dharma, Wachendorf, 1990


 

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Ein Schwarm Schwarzdrosseln fliegt in den Sonnenuntergang.

Zitate zum Thema Zen-Geschichten / Zen stories

Zitate allgemein

  • Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser holen,
    nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser holen!
    Weisheit des Zen-Buddhismus

 

  • Zen ist eine praktische Lehre und keine Sache intellektueller Erklärungen. Würde man mich fragen, was Zen eigentlich lehrt, so müsste ich der Wahrheit gemäß antworten: «Zen lehrt, dass es nichts zu lehren gibt.» Zen ist die allereinfachste und zugleich allerschwierigste Sache der Welt. Aber da die Menschen alles mit dem Kopf machen wollen, haben sie sich den Zugang zu dieser Einfachheit selbst verbaut. Hinter jeder Antwort, die wir mit den Mitteln des unterscheidenden, begrifflichen Denkens gefunden haben, erhebt sich eine neue Frage, und je mehr wir auf das Ziel zugehen, umso mehr entfernen wir uns von ihm. Zensho W. Kopp, Zen und die Wiedergeburt der christlichen Mystik, S. 109 f., Schirner Verlag, Darmstadt, 2004

General quotes

  • In the beginning mountains are mountains, rivers are rivers.
    In the middle mountains are not mountains, rivers are not rivers.
    In the end mountains are again mountains, rivers are again rivers.
    Old ZEN wisdom

 

Sammlung von Zen-Geschichten

Ablenkung

Geh' zum Fluss und hole mir eine Tasse Wasser, sagte der Zen-Meister zu seinem Schüler.

 

Als der Schüler am Fluss die Tasse mit Wasser füllte, sah er flussaufwärts eine wunderschöne Frau in seinem Alter. Die Frau nahm ihn ebenfalls in Augenschein, und mit einem Mal verliebten sie sich unsterblich ineinander. Er zog zu ihr auf das Gut ihrer Familie in einem ruhigen Dorf, und sie bauten ein Haus. Über die Jahre wurden ihnen Kinder geboren. Sie waren glücklich miteinander und ernährten sich von der Landwirtschaft, die sie betrieben.

 

Eines Tages kam eine Flut. Das Dorf wurde überschwemmt, und er musste sich mit seiner Familie auf das Dach des Hauses retten. Da zog ein großer Sturm auf. Seine Kinder wurden eins nach dem anderen vom reißenden Wasser fortgerissen und schließlich ertranken sie darin. Auch seine Frau wurde fortgespült und kam in den Fluten um. Als der Sturm sich legte, saß er einsam und verzweifelt zusammengekauert auf dem Dach seines Hauses. Er starrte in die Luft. Ein Alptraum - nach all den glücklichen und schönen Jahren!

 

Da legte sich von hinten eine Hand auf seine Schulter. Es war die Hand seines Meisters, der ihn fragte: Wo bleibst du so lange? Wolltest du nicht bloß eine Tasse Wasser holen?

 

Frei nach OM Cedric Parkin (*1962) deutscher Advaita-Lehrer, Mystiker, Geschäftsmann, Autor,
Die Geburt des Löwen, S. 102-103, Lüchow, Taschenbuch, 1. Auflage, 1998

Der Mönch, der übers Wasser lief

Ein eifriger Schüler des Buddhismus bestand sein Studium und durfte sich fortan Geshe nennen. Gewissenhaft hatte er die Schriften, ihre richtige Lesart und die exakte Aussprache aller Mantren gelernt. Er zog in die Welt, um zu lehren.
Unterwegs kam er an ein Seeufer, wo seit vielen Jahren ein betagter Mönch wohnte. Er führte ein Leben der Meditation. Der junge Geshe hörte, wie er sein Mantra sang und stellte dabei fest, dass der Alte es fehlerhaft intonierte. Er setzte sich zu dem Mönch und wartete, bis dieser ihn bemerkte und freundlich begrüßte. Anschließend erklärte er ihm behutsam, wie das Mantra richtig auszusprechen sei. Der Mönch bedankte sich für die Lektion.

"Welch eine Freude, dass mir nach langen Jahren des Übens ein Lehrer zur Hilfe geschickt wurde."

Zufrieden wanderte der junge Geshe weiter. Als er am anderen Ufer des Sees eine Rast einlegte, sah er, wie der alte Mönch eilig übers Wasser auf ihn zugelaufen kam. Gleich darauf hörte er ihn rufen:

"Verzeiht mir, werter Geshe, ich bin schon alt und vergesslich.
Erklärt mir doch noch einmal, wie man das Mantra richtig ausspricht."

Theoretiker und Wassergänger

Ein Theoretiker, der ES schwer merkt und
ein Wassergänger, der sich schwer was merken kann

 

Ein Derwisch spazierte an einem See entlang und hörte, wie jemand den Ruf der Derwische falsch rezitierte. Er sah es als seine Pflicht an, den Unglücklichen, der die Silben derart unstimmig betonte, zu berichtigen. Also mietete er sich ein Boot und fuhr zu der Insel hinüber, von der die lauten Misstöne kamen. Es könnte sich um ja einen Derwisch handeln, der keinen Lehrer gehabt hatte, und wahrscheinlich sein Bestes tat, um sich mit der Sinngehalt hinter den Tönen in Einklang zu bringen.

 

Auf der Insel angekommen unterrichtete und berichtigte er seinen Mitbruder in der Kunst des Derwischrufs. Dieser bedankte sich dafür. Der Hilfreiche, ganz zufrieden mit seiner guten Tat, machte sich auf den Heimweg und dachte bei sich:

"Immerhin heißt es, dass ein Mensch, der die heiligen Formeln richtig rezitiert,
sogar auf dem Wasser zu gehen vermag."

 

Während er so dachte, tauchte plötzlich eine seltsame Erscheinung vor ihm auf. Sein Derwischkollege von der Insel kam über das Wasser auf ihn zugelaufen.

"Bruder",

sagte jener zu ihm, als er nahe genug bei ihm war,

"verzeih mir, dass ich dich störe. Ich bin dir eigens nachgegangen, um dich zu bitten, mir nochmals zu erklären, wie man den Spruch richtig aufsagt. Leider kann ich mir die Wiederholungen nur schwer merken."

 

Sufi-Geschichte, nachempfunden einer Erzählung von
Idries Shah (1924-1996) persischer Autor der Sufitradition, spiritueller Lehrer

Tragend – nachtragend

Zwei Mönche waren unterwegs auf der Wanderschaft. Eines Tages gelangen sie ans Ufer eines Flusses, dessen Ufer durch eine Regenperiode aufgeweicht waren.

 

Dort stand eine junge Frau in schönen, teuren Kleidern. Offenbar war sie im Begriff, den Fluss zu überqueren. Da das Wasser sehr tief war, hätte sie ihn nicht durchwaten können, ohne dabei ihre Kleider zu schädigen.

 

Ohne zu zögern ging der ältere Mönch auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf dem gegenüber liegenden Flussufer setzte er sie trockenen Fusses ab.

 

Nachdem der jüngere Mönch ebenfalls den Fluss überquert hatte, setzten die beiden ihre Wanderung fort.

 

Eine Stunde später fing Jüngere an, den seinen älteren Kameraden zu kritisieren: Bist du dir im Klaren, dass du nicht korrekt gehandelt hast, denn wie du weißt, ist es untersagt, näheren Kontakt mit Frauen zu haben oder mit ihnen zu sprechen. Und du hast sie sogar berührt. Wieso hast du gegen diese Regel verstoßen?

 

Der Mönch, der die Frau über den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen mit Bedacht an. Dann antwortete er ruhig: Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt. Wie erklärst du dir, dass du sie noch immer mit dir herumträgst?

 

Frei nachempfunden Irmgard Schlögl, Die Weisheit der Zen-Meister, Verlag Werner Kristkeitz, September 2011

Stets anwesender Gänseschwarm

Eines Tages machte ein Zen-Lehrer in Begleitung seiner Schüler einen Spaziergang auf dem Land. Einer der Mönche trödelte und blieb zurück. Plötzlich sah er einen Wildgänseschwarm auf- und vorbeifliegen. Er genoss die farbenprächtige Szene, den Anblick ihrer Schnelligkeit und ihr Flügelrauschen.

 

Der entzückte Mönch rief:

Meister, Meister sieh die Gänse!

Als der Lehrer sich umwandte, war der Vogelschwarm bereits am Horizont verschwunden.

Oh, sagte der Mönch,
sie sind verschwunden.

 

Der Meister kam auf ihn zu, hob seinen Stock und sagte:

Oh, du Unwissender,

und schlug ihn mit dem Stock.

Sie sind immer hier, sie sind niemals hier.

 

Frei nachempfunden Jorge Silva-Garcia, Erich Fromm in Mexiko. 1950-1973

Der Dieb und der Zen-Meister

Eines Tages drang ein Dieb in die Hütte des Zen-Meisters Shichiri Kojun ein:

Geld her oder ich werde dich töten!, drohte er.

Kojun erwiderte ruhig:

Mein Geld ist dort drüben in der Schublade. Nimm es dir, aber vielleicht bist du so nett und lässt mir noch ein klein wenig übrig, da ich morgen noch etwas Reis einkaufen möchte.

Der Dieb war zwar sehr erstaunt, nahm sich dann aber doch fast das ganze Geld. Als er schon an der Tür war, sagte Kojun:

Wenn man etwas erhalten hat, sollte man sich auch dafür bedanken.
Danke, erwiderte der Dieb kopfschüttelnd und verschwand.

Wenig später wurde der Mann bei einem anderen Einbruch verhaftet, und er gestand, unter anderem auch den Zen-Meister bestohlen zu haben, der daraufhin zur Polizeiwache gerufen wurde.

Er hat auch euer Geld gestohlen, nicht wahr?, fragte der Polizist.
Oh nein, er hat mir nichts gestohlen. Ich gab ihm das Geld, und er bedankte sich dafür,

sagte Kojun. Als der Mann seine wegen der anderen Vergehen gegen ihn verhängte Strafe verbüßt hatte, kam er zu Zen-Meister Kojun und bat darum, sein Schüler werden zu dürfen.

 

Marco Aldinger, Was ist die ewige Wahrheit? Geh weiter!, S. 70, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1998

Der General und der Zen-Meister

In Korea gab es zur Zeit der Bürgerkriege einen ganz besonders grausamen General, der Menschen wahllos niedermetzelte und vor dessen Truppen alle flohen.
Nur ein Zen-Meister machte keine Anstalten zu fliehen, als der General mit seinen Männern das Dorf einnahm. Der General ging in das Kloster, zog vor dem Meister sein Schwert und drohte:

Weißt du nicht, wer ich bin? Ohne mit den Wimpern zu zucken kann ich dich töten.

Der Zen-Meister erwiderte sanft:

Und du, weißt du nicht wer ich bin? Ich bin ein Mann, den man töten kann, ohne dass er mit der Wimper zuckt.

Da verneigte sich der General und untersagte seinen Männern, das Dorf zu plündern.

 

Marco Aldinger, Was ist die ewige Wahrheit? Geh weiter!, S.144, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1998

Auf Leiden verzichten

Ein bereits älterer Mönch kam zu einem Zen-Meister und sagte:

Ich habe in meinem Leben eine Vielzahl von spirituellen Lehrern aufgesucht und nach und nach immer mehr Vergnügungen aufgegeben, um meine Begierden zu bekämpfen. Ich habe lange Zeit gefastet, jahrelang mich dem Zölibat unterworfen und mich regelmäßig kasteit. Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, und ich habe wahrhaft gelitten, doch die Erleuchtung wurde mir nicht zuteil. Ich habe alles aufgegeben, jede Gier, jede Freude, jedes Streben fallengelassen. Was soll ich jetzt noch tun?

Der Meister erwiderte:

Gib das Leiden auf!

 

Marco Aldinger, Was ist die ewige Wahrheit? Geh weiter!, S. 20, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1998

Weg zur Befreiung

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf, um ihn zu fragen:

Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangen werde?
Vielleicht zehn Jahre,

entgegnete der Meister.

Und wie lange dauert es, wenn ich mich besonders anstrenge?,

fragte der Schüler.

In diesem Fall kann es zwanzig Jahre dauern,

erwiderte der Meister.

Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen und bin bereit, wirklich jede Härte auf mich zu nehmen,

beteuerte der Mann.

Dann kann es bis zu vierzig Jahren dauern,

erwiderte der Meister.

 

Inspiriert durch: Marco Aldinger, Was ist die ewige Wahrheit? Geh weiter!, S. 117, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1998

Lernwilliger Schachspieler

Ein leidenschaftlicher Schachspieler wünschte Befreiung von seiner Neigung, sich als Versager zu fühlen, jedesmal wenn er eine Partie Schach verloren hatte, der Meinung.

  1. Nachdem er zwei Jahre bei einem berühmten Rabbi in die Lehre gegangen war, glaubte er, versagt zu haben, jedesmal wenn er gewonnen hatte.
  2. Anschließend war er drei Jahre lang der Schüler eines Sufi-Weisen, von dem er lernte, dass er versagt hatte, jedesmal wenn er sich als Verlierer gut fühlte.
  3. Immer noch unbefriedigt, ging er vier Jahre lang in die Himalayaberge, wo er  von einem bekannten Yogi lernte, dass er versagt hatte, jedesmal wenn er sich  schuldig fühlte, weil er gewonnen hatte.
  4. Schließlich begegnete er einem Zen-Meister.
  5. Innerhalb weniger Wochen lernte er endlich, wie man die Bauern geschickt platziert.

 

Inspiriert durch: Marco Aldinger, Was ist die ewige Wahrheit? Geh weiter!, S. 38, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1998

Entspannung – Konzentration

Was machst du, um dich zu entspannen?,

fragt der Schüler seinen Meister.

Nichts,

erwiderte der Meister.

Wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich esse, esse ich,
und wenn ich schlafe, schlafe ich.
Das tun doch alle,

meinte der Schüler darauf.

Eben nicht!,

antwortete der Meister.

 

Inspiriert durch: Wolfgang Schömbs, Entspannt Konzentriert, S. 133, Econ Verlag, Düsseldorf, Wien 1991

Der Schuss löst sich von selbst

Unterlass' es, an den Abschuss zu denken. Sonst muss er misslingen!,

riet der Meister.

Ich kann nicht anders, die Spannung bereitet mir Schmerzen,

gestand ich.

Nur deshalb, weil du nicht wirklich von sich selbst losgelöst bist, spürst du die Spannung. Du kannst von einem gewöhnlichen Bambusblatt lernen, worauf es ankommt. Es wird durch die Schneelast es herabgedrückt, immer tiefer. Plötzlich rutscht die Schneelast ab, ohne dass das Blatt sich gerührt hätte. Verweile wie das Blatt in der höchsten Spannung, bis der Schuss fällt.
So ist es in der Tat: wenn die Spannung erfüllt ist, muss der Schuss fallen. Er muss vom Schützen abfallen, wie die Schneelast vom Bambusblatt, noch ehe er daran gedacht hat.

 

Inspiriert durch: Eugen Herrigel, Zen in der Kunst des Bogenschießens, S. 60, O.W. Barth Verlag, Bern, München, Wien, 1986

Angst

Einst saß ein alter, weiser Mann unter einem Baum und sah den Seuchengott des Wegs kommen. Der Weise fragte ihn:

Wohin gehst Du?

Der Seuchengott antwortete ihm:

Ich gehe in die Stadt und werde dort hundert Menschen töten.

Auf seiner Rückreise kam der Seuchengott wieder bei dem Weisen vorbei. Der Weise sprach zu ihm:

Du sagtest mir, Du wolltest hundert Menschen töten. Reisende haben mir allerdings berichtet, dass zehntausend gestorben seien.

Der Seuchengott erwiderte:

Ich tötete nur hundert. Die übrigen hat ihre eigene Angst umgebracht.

Den Augenblick meistern

In den Raum eines Zen-Meisters tropfte der Regen durch das undichte Dach. Der Meister forderte seine Diener auf:

Bringt mir etwas, das die Strohmatten trocken hält.

Ohne einen Augenblick zu zögern, griff der erste Mönch zu einem Bambuskorb. Sein Bruder hingegen suchte nach einem geschlossenen Behälter.
Der Meister war hocherfreut über den Diener, der den undichten Korb gebracht hatte, denn dieser hatte den Geist des Zen ('Nicht-Unterscheidung' nach Daisetz Teitaro Suzuki) erfasst. Die 'Schule des Augenblicks' fragt nicht nach dem "praktisch angemessenen" Eimer, sondern legt Wert auf spontanes "richtiges" Handeln.

Schwertprobe

Schwertmeister Bokuden hatte seine drei Söhne zur Ausbildung zu einem Schwertmeister geschickt und wollte nun aufgrund ihres Könnens entscheiden, wem der drei nun ein Schwert überlassen werden könne. Bokuden schickte seine Söhne aus dem Raum und legte für diese unsichtbar ein kleines Kissen auf die Vorhangstange des Eingangs, sodass, wenn der Vorhang beim Betreten des Raumes berührt wurde, das Kissen leicht herunterfiel.

  • Dann rief er seinen ersten Sohn in den Raum. Als dieser den Vorhang zur Seite schob, fiel das Kissen zu Boden. Er hob es auf und legte es dann wieder an seine Stelle.
  • Daraufhin rief Bokuden den zweiten Sohn. Dieser bemerkte das Kissen, als er den Vorhang zur Seite schieben wollte, nahm das Kissen, trat ein und legte es wieder an seinen Platz.
  • Dann kam der dritte Sohn. Der kam rasch herein, zog schnell den Vorhang zur Seite, so dass das Kissen herunterfiel. Bevor dieses jedoch den Boden erreichte, hat der Sohn sein Schwert gezogen und das Kissen in zwei Hälften geteilt.

Die drei Söhne standen nun im Raum und warteten, dass die Probe beginnen sollte. Da lächelte Bokuden und sagte, dass diese bereits beendet sei und sie nur einer bestanden habe.

 

  • Zum ersten Sohn gewandt, sagte er: „Du, mein Sohn musst noch fleißig üben.“
  • Zum zweiten, der das Kissen bemerkt hatte, sagte er dagegen: "Du mein Sohn bist würdig ein Schwert zu führen."
  • Zum dritten Sohn jedoch sagte er in ernstem Ton: „Dir, mein Sohn, sollte niemals erlaubt werden, ein Schwert zu führen, denn Du bist das Unglück der Familie.“

 

Daisetz Teitaro Suzuki (1870-1966) japanischer Zen-Philosoph, Zen und Kultur Japans, Rowohlt, Hamburg, S. 36, 1958

Einsicht des Samurai

Es gab einmal einen stolzen, aber jähzornigen Samurai, der es sich zur Angewohnheit gemacht hatte,
Bauern schon beim kleinsten Anzeichen von Respektlosigkeit erbarmungslos niederzustrecken.
In jenen Tagen standen die Samurai über dem Gesetz und ein solches Verhalten war durchaus akzeptiert und nicht unüblich.
Eines Tages allerdings, als er wieder einmal einen Bauern getötet hatte und gerade dabei war,
das Blut von der Klinge zu wischen und das Schwert wieder einzustecken, kamen dem jungen Samurai Zweifel,
ob die Götter sein Tun guthießen oder ob sie ihn in das Reich der höllischen Wesen schicken würden.
Da ihn diese Frage nicht mehr losließ, suchte er einen Zen-Meister namens Kanzaki auf.
Mit vollendeter Höflichkeit legte der Samurai sein rasiermesserscharfes Schwert ab, verbeugte sich tief und bat:
"Bitte erzähl mir von Himmel und Hölle."

Meister Kanzaki sah den jungen Mann an und lächelte.
Dann begann er immer lauter zu lachen, als ob der Krieger etwas völlig lächerliches gefragt hätte.
Er zeigte mit dem Finger auf den verwirrten Samurai, lachte noch lauter und schrie:
"Du hohlköpfiger Sohn eines Hohlkopfs, du wagst es, mich, den weisen Meister Kanzaki,
nach Himmel und Hölle zu fragen? Verschwende nicht meine Zeit, du Idiot!
Du bist viel zu dumm, um diese Dinge verstehen zu können!"

Der Samurai saß mit hochrotem Kopf da. Jeden anderen hätte er für solche Worte auf der Stelle getötet,
aber er bemühte sich, Haltung zu bewahren.
Meister Kanzaki war noch nicht fertig. Etwas leiser sagte er:
"Es ist doch offensichtlich, dass weder du noch deine stinkenden Vorfahren jemals
über irgendetwas nachgedacht haben.
Deine gesamte Ahnenreihe besteht doch nur aus Taugenichtsen und Narren, die so etwas niemals verstehen..."

Nun überkam den Samurai eine mörderische Wut.
Er sprang auf die Füße, riss das Schwert aus der Scheide und hob es,
um es auf den Kopf des Zen-Meisters niedersausen zu lassen.
In diesem Augenblick wies Kanzaki mit dem Finger auf ihn und sagte ganz gelassen:

"Jetzt öffnen sich die Tore der Hölle."
Der Krieger erstarrte. Augenblicklich wurde er erleuchtet und verstand das Wesen der Hölle.
Die Hölle war kein Ort, an den man nach dem Tode geschickt wurde, sondern ein innerer Zustand.
Er fiel auf die Knie, legte das Schwert neben sich und verbeugte sich tief.
"Meister, meine Dankbarkeit für diese Unterweisung ist grenzenlos. Danke. Danke."
Der Zen-Meister aber lächelte nur, zeigte wieder auf ihn und sagte gelassen:

"Und nun öffnen sich die Tore des Himmels."

 

Quelle: Dan Millman, Socrates

 

Sufi Geschichten / Sufi stories

Unbesonnene Fragen

Ein Sufi wurde gefragt:

Wieso dulden Sie unbesonnene Fragen?

Lächelnd antwortete er:

Um uns allen die Gelegenheit zu bieten, Fragen der Art kennenzulernen, wie Sie sie soeben gestellt haben.

Der Schlüssel im Herzen

Als Gott die Welt erschuf, waren die Menschen noch alle bei ihm in seinem himmlischen Reich. Es war Gottes Wille, dass sie sich auf die Erde begäben, die Er für sie bestimmt hatte.

Was können wir tun, fragte der Erzengel Gabriel,
damit sie nicht immer hierher zu uns in den Himmel kommen? Sie sollen dort leben, wo sie hingehören – auf der Erde.

Granatapfel

Gott und die Erzengel berieten.
Der Engel Michael sagte:

Wir müssen den Himmel verschließen.
Aber wo lassen wir den Schlüssel?, fragte Gabriel.
Michael:
Wir müssen ihn verstecken. An einem Ort, wo ihn die Menschen nicht finden.

Einer der Engel schlug vor:

Wir könnten den Schlüssel im Meer versenken.

Darauf Gott:

Ich kenne die Menschen, sie werden Ihn finden.''

Ein anderer Engel:

Dann verstecken wir Ihn im Schnee der höchsten Berge.

Gott:

Sie werden ihn finden.

Der Engel Esekiel, der auch ein moderner Engel ist:

Wir schießen ihn in den Weltraum.

Gott:

Sie werden ihn finden.

Da meldete sich Gabriel:

Ich hab's gefunden. Wir verstecken den Schlüssel im Herzen der Menschen.

Darauf Gott:

Ja, lass uns das tun, sie finden ihn leichter im Meer und im Weltraum als in ihrem eigenen Herzen, aber wenn sie ihn dort finden, dann sollen sie ihn auch benutzen dürfen.

 

Collection of Zen stories

Full cup – empty cup

Nan-in, a Japanese master during the Meiji era (1868-1912), received a university professor who came to inquire about Zen.
Nan-in served tea. He poured his visitor's cup full, and then kept on pouring.
The professor watched the overflow until he no longer could restrain himself.

"It is overfull. No more will go in!"
"Like this cup,"

Nan-in said,

"you are full of your own opinions and speculations. How can I show you Zen unless you first empty your cup?"

 

101 Zen Stories, compilation of Zen koans, 1919

Bodhidharma – Lots of space

  • When one of the emperors of China asked Bodhidharma (the Zen master who brought Zen from India to China) what enlightenment was, his answer was,
    “Lots of space, nothing holy.”
Meditation is nothing holy. Therefore there’s nothing that you think or feel that somehow gets put in the category of “sin.” There’s nothing that you can think or feel that gets put in the category of “bad.” There’s nothing that you can think or feel that gets put in the category of “wrong.” It’s all good juicy stuff – the manure of waking up, the manure of achieving enlightenment, the art of living in the present moment.

 

Pema Chödrön [Deirdre Blomfield-Brown] (*1936) US American ordained nun in the Tibetan Buddhist Shambhala Buddhist lineage founded by Chögyam Trungpa Rinpoche, teacher, author, Start Where You Are. A Guide to Compassionate Living, S. ?, Shambhala, 1st edition 9. March 2004

The solution to pollution is dilution.

An aging Hindu master grew tired of his apprentice complaining, and so, one morning, sent him for some salt. When the apprentice returned, the master instructed the unhappy young man to put a handful of salt in a glass of water and then to drink it.

“How does it taste?” the master asked.
“Bitter,” spat the apprentice.

The master then asked the young man to take another handful of salt and put it in the lake nearby. Once the apprentice swirled his handful of salt in the water, the old man said,

“Now drink from the lake.”

As the water dripped down the young man’s chin, the master asked,

“How does it taste?”
“Fresh,” remarked the apprentice.
“Do you taste the salt?” asked the master.
“No,” said the young man.

 

At this, the master took the young man’s hands, offering the advice,

“The pain of life is pure salt; no more, no less. The amount of pain in life remains exactly the same. However, the amount of bitterness we taste depends on the container we put the pain in. So when you are in pain, the only thing you can do is to enlarge your sense of things.
Stop being a glass. Become a lake.”

 

Author Unknown

The song of the bird

A girl in the fishing village became an unwed
mother and after several beatings finally revealed
who the father of the child was:
the Zen master living on the outskirts of the village.

 

The villagers trooped into the master’s house,
rudely disturbed his meditation, denounced him
as a hypocrite, and told him to keep the baby.
All the master said was,
“Very well. Very Well.”

 

He picked the baby up
and made arrangements
for a woman from the village to feed and clothe
and look after it at his expense.

 

The master’s name was ruined
and his disciples all abandoned him.

 

When this had gone on for a year, the girl
who had borne the child could stand it no longer
and finally confessed that she had lied.
The father of the child was the boy next door.

 

The villagers were most contrite.
They prostrated themselves at the feet of the master
to beg his pardon and to ask for the child back.
The master returned the child.
And all he said was,
“Very well. Very Well”

 

Anthony de Mello SJ (1931-1987) Indian Catholic Jesuit priest, psychotherapist, spiritual leader

My last guru

There was a monk who, on his travels from place to place, had abandoned each of his possessions until he was left with nothing but a pottery bowl. One day when he was crossing a stream the bowl slipped from his fingers and lay broken on the pebbles. The monk looked at the bowl and said, ‘That was my last guru.’

Squabbling

Once upon a time there were two monks who had lived together for forty years and never had a squabble. Not even once.
One day, one monk said to the other:
"Don't you think it's about time we had a squabble, even if it's just once?"
"Sure," replied the other monk.
"Let's get started right away. About what shall we squabble?"
"About this piece of bread perhaps?" the first monk offered.
"OK, let's have a squabble over this bread. How are we going to go about this?" asked the other again.
"This bread is mine, and mine alone," said the first monk.
"Oh yeah? Well you can keep it," said the second monk.

 

Anthony de Mello SJ (1931-1987) Indian Catholic Jesuit priest, psychotherapist, spiritual leader

Ambition

A martial arts student went to his teacher and said earnestly,

"I am devoted to studying your martial system. How long will it take me to master it?"

The teacher's reply was casual:

"Ten years."

Impatiently, the student answered,

"But I want to master it faster than that. I will work very hard.
I will practice everyday, ten or more hours a day if I have to. How long will it take then?"

The teacher thought for a moment:

"Twenty years."

Acquiring patience

A zealous disciple expressed a desire to teach others the Truth and
asked the Master what he thought about this.
The Master said, "Wait."
Each year the disciple would return with the same request and
each time the Master would give him the same reply: "Wait."
One day he said to the Master, "When will I be ready to teach?"
Said the Master, "When your excessive eagerness to teach has left you."

 

Anthony de Mello SJ (1931-1987) Indian Catholic Jesuit priest, psychotherapist, spiritual leader

The banquet in heaven and hell

A famous Buddhist painting of heaven and hell illustrates why serving others matters.
In hell, people are sitting hungry and desolate at a banquet of magnificent foods. However, the spoons are so long they can never reach their mouths.
In heaven, people are sitting at the same kind of banquet, using the long spoons to feed each other.

This shall pass

A student went to his meditation teacher and said,

My meditation... is horrible! I feel so distracted, or my legs ache, or I'm constantly falling asleep. It's just horrible!
It will pass,

the teacher said matter-of-factly.
A week later, the student came back to his teacher.

My meditation is wonderful! I feel so aware, so peaceful, so alive! It's just wonderful!
"It will pass,

the teacher replied matter-of-factly.

Bragging on the achievements of one's Zen teacher

One zen student said,

"My teacher is the best. He can go days without eating."

The second said,

"My teacher has so much self-control, he can go days without sleep."

The third said,

"My teacher is so wise that he eats when he's hungry and sleeps when he's tired."

The man who was scared of his shadow (Taoist story)

"There was a man who was frightened at his shadow and disliked to see his footsteps, so that he ran to escape from them. But the more frequently he lifted his feet, the more numerous his footprints were; and however fast he ran, his shadow did not leave him.
He thought he was going too slow, and ran on with all his speed without stopping, till his strength was exhausted and he died. He did not know that, if he had stayed in a shady place, his shadow would have disappeared, and that if he had remained still, he would have lost his footprints."

 

Zhuangzi [Chuang Tzu] (~365-290 BC) influential Chinese philosopher during the warring states period, James Legge (translator),
The Writings of Chuang Tzu, Book 31 The Old Fisherman, Oxford University Press, 1891

Sufi stories

Holy Shadow

There is a Sufi story about a man who is so good that the angels[[ ask God to give him the gift of [[Hawkins.Wunder|miracles. God wisely tells them to ask him if that is what he would wish.
So the angels visit this good man and offer him

  1. first the gift of healing by hands,
  2. then the gift of conversion of souls,
  3. and lastly the gift of virtue.
He refuses them all. They insist that he choose a gift or they will choose one for him.
"Very well," he replies. "I ask that I may do a great deal of good without ever knowing it."
The story ends this way:
The angels were perplexed. They took counsel and resolved upon the following plan: Every time the saint's shadow fell behind him it would have the power to cure disease, soothe pain, and comfort sorrow. As he walked, behind him the shadow made arid paths green, caused withered plants to bloom, gave clear water to dried up brooks, fresh color to pale children, and joy to unhappy men and women. The saint simply went about his daily life diffusing virtue as the stars diffuse light and the flowers scent, without ever being aware of it. The people respecting his humility followed him silently, never speaking to him about his miracles. Soon they even forgot his name and called him "the Holy Shadow.

 

Rachel Naomi Remen, M.D., US American clinical professor of family and community medicine, UCSF School of Medicine, co-founder and medical director of the Commonweal Cancer Help Program, storyteller, author, Kitchen Table Wisdom. Stories That Heal, Riverhead Trade, 10th anv edition, 1. August 2006

 

Links zum Thema Zen-Geschichten / Zen stories

Literatur

  • Paul Reps (Hrsg.), Ohne Worte – ohne Schweigen. 101 Zen-Geschichten und andere Zen-Texte aus 4 Jahrtausenden, 7. Auflage, Barth, Bern u.a., 1989
  • Daisetz Teitaro Suzuki (1870-1966) japanischer Zen-Philosoph, Satori. Der Zen-Weg zur Befreiung, O. W. Barth Verlag, München, 1987

Externe Weblinks

  • Wikipedia-Einträge Zen

External web links (engl.)

  • Wikipedia entries Zen

Audio und Videolinks

Audio and video links (engl.)

  • Different short presentations by Alan Watts (1915-1973) British religious philosopher, minister, Episcopal priest, Zen expert, speaker, writer, Zen Spirituality, animated YouTube film, 9:29 minutes duration, posted 25. March 2008

 

Interne Links

Englisch Wiki

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